Text-Bild-Ansicht Band 316

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wurden, bot zugleich Gewähr für die Haltbarkeit des Ueberhitzers und die Widerstandsfähigkeit des zur Schmierung des Dampfschiebers und der Cylinder verwendeten Mineralöles bei der vorhandenen hohen Ueberhitzungstemperatur.

Inzwischen war es der Firma gelungen, einen für ihre Lokomobilen noch geeigneteren Ueberhitzer zu konstruieren, welchen sie sich mittels D. R. P. Nr. 96592 (vom 20. Januar 1897) und Zusatzpatents Nr. 98980 schützen liess. Eine hiernach ausgeführte Heissdampf-Compoundlokomobile mit Kondensation entsprach vollständig den an sie gestellten Erwartungen. Zwei vom Magdeburger Verein für Dampfkesselbetrieb im November 1899 mit der Maschine vorgenommene Versuche ergaben bei einer Bremsleistung von 71 bezw. 89 effektiven Pferdestärken einen Kohlenverbrauch von nur 0,63 kg für die gebremste Pferdekraft und Stunde. Das ist ganz erheblich weniger, als bei einer gleichartigen Lokomobile derselben Grösse ohne Ueberhitzer zu erreichen ist.

Textabbildung Bd. 316, S. 641

Diese günstigen Ergebnisse veranlassten die Firma R. Wolf, den Bau von Heissdampflokomobilen ihrer bisherigen Fabrikation anzugliedern. Demnach werden zur Zeit Heissdampf-Compoundlokomobilen mit und ohne Kondensation nach eigenen Patenten in Stärken von 60 bis zu 300 effektiver Pferdekraft normaler Bremsleistung angefertigt.

Im nachstehenden möge eine Beschreibung einer solchen Heissdampf-Compoundlokomobile folgen.

1. Dampfkessel und Ueberhitzer.

Der Dampfkessel ist nach der bekannten Originalkonstruktion von R. Wolf mit ausziehbarem Röhrensystem gebaut. Dadurch, dass letzteres aus dem Aussenkessel herausgezogen werden kann, wird eine bequeme und gründliche Reinigung des Kesselinnern und der Siederöhren von dem für die Haltbarkeit des Kessels äusserst gefährlichen Kesselstein ermöglicht. Eine Abweichung von der bisherigen Bauart besteht darin, dass der an die Rauchkammer angrenzende Teil des Röhrensystems zu einerUeberhitzerbuchse nach D. R. P. Nr. 96592 ausgebildet ist. Letztere wird ebenso wie die Wellrohrfeuerbüchse und die Siederöhren von dem Wasserinhalt des Kessels umspült. Die Siederöhren sind mit feinem Gewinde in die Feuerbuchsrohrwand eingeschraubt und ausserdem in diese sowie in die hintere Rohrwand eingewalzt, aufgebördelt und verstemmt. Die Nietung der Bleche erfolgt mittels hydraulischer Nietmaschinen.

Der spiralförmig gewundene Ueberhitzer nach D. R. P. Nr. 98980 besteht aus starkwandigen schmiedeeisernen Röhren. Die in der Richtung nach der Rohrwand liegende erste Spirale bewirkt ausser der Ueberhitzung auch eine gleichmässige Verteilung der Feuergase innerhalb der Ueberhitzerbüchse.

Durch die Lagerung des Ueberhitzers hinter den Siederöhren des Kessels wird verhütet, dass die Feuergase den Ueberhitzer mit einer ihm schädlich werdenden, zu hohen Temperatur erreichen; der grösste Teil der in den Feuergasen vorhandenen Wärme wird vielmehr für die Dampferzeugung im Kessel verbraucht, und wenn die Feuergase in den Ueberhitzer eintreten, sind sie bereits soweit abgekühlt, dass eine die Haltbarkeit des Ueberhitzers gefährdende Erwärmung desselben ausgeschlossen ist.

Die eigenartige Konstruktion der Ueberhitzerbuchse und des Ueberhitzers bietet zusammen mit der vorerwähnten Lage des letzteren gegenüber den bisher bekannten Ueberhitzeranordnungen den wesentlichen Vorteil, dass zur Regulierung der Dampfüberhitzung keinerlei Klappen für den Ein- und Austritt der Feuergase erforderlich sind. Die Bedienung der Feuerung ist hierdurch wesentlich vereinfacht, und der Heizer hat nur nötig, das Feuer dem Dampfverbrauch der Maschine anzupassen und wie bei jedem anderen, nicht mit Ueberhitzer ausgestatteten Kessel darauf zu achten, dass das Manometer die vorgeschriebene Dampfspannung anzeigt; alle sonstigen Manipulationen, welche bei anderen Anlagen vom Heizer ausgeführt werden müssen, um die Ueberhitzung zu regulieren, den überhitzten Dampf mit dem Kesseldampf zu mischen u.s.w., fallen fort.

Die Ueberhitzerbuchse ist durch eine Platte geschlossen,