Text-Bild-Ansicht Band 316

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Die Schleifbügel sind mittels Scharnieren und Feder gelenkig gemacht und werden unter der Schiebebühne auf einer isolierenden Unterlage befestigt.

Die isolierten Drähte, welche im Hohlraum der Bügelstangen liegen, werden von dort direkt zum Motor geführt. Der Schleifkontakt des Bügels kann als Bürste, Rolle oder Drahtschleife ausgebildet sein.

Am meisten ist das Gleichstromsystem in Anwendung und werden grösstenteils Hauptstrommotoren benutzt, da diese von den Gleichstrommotoren das grösste Anzugsmoment besitzen, und ihre Geschwindigkeit sich mit der Schwere der Last verringert oder vermehrt. Auch der Drehstrommotor besitzt ein grosses Anzugsmoment, nur ist zu berücksichtigen, dass bei Anwendung des Drehstromsystems drei Leitungen sowie drei Stromabnahmevorrichtungen benötigt werden, und stellen sich die Anlagekosten bei Anwendung des Drehstromsystems bedeutend teurer, da, wenn auch das Kupferquantum unter Umständen etwas geringer ist als beim Gleichstromsystem, doch wieder die Installationskosten dies sehr überwiegen.

Im allgemeinen ergeben sich für Schiebebühnen bei Anwendung des Drehstromsystems etwa 20 bis 30 % Mehrkosten als beim Gleichstromsystem.

Ausserdem ist es nur dann vorteilhaft, das Drehstromsystem vorzuziehen, wenn die ganze Anlage an einer städtischen Zentrale angeschlossen werden soll, da man sonst von einer Akkumulatorenbatterie absehen muss, und dies meistens nicht gern thut, weil man dann die grössten Vorteile des Gleichstromsystems verlieren würde.

Der Elektromotor der Schiebebühnen wird meistens mit einem konischen Reibungsrad auf dem einen Ende der Welle versehen, und kann dasselbe mit zwei gleichfalls konischen Reibungsrädern, welche auf einem Vorgelege befestigt sind, in Eingriff gebracht werden. Mittels Steuerhebel kann man dann eins der letztgenannten Räder gegen das Reibungsrad des Motors pressen. Die Einrichtung wird so getroffen, dass das eine Rad die Vorwärts- und das andere die Rückwärtsbewegung ausführt.

Der Mittelstand des Steuerhebels bringt dann den Stillstand der Schiebebühne zuwege, ohne jedoch den Motor auszuschalten. Früher war es üblich, einen besonderen Ausschalter auf dem Motor anzubringen; neuerdings richtet man den Steuerhebel so ein, dass dieser die Ein- und Ausschaltung sowie das Anlassen des Motors besorgt. Die Uebertragung der Bewegung vom Vorgelege auf die Laufachse geschieht mittels Zahnräder. Neuerdings wird das Laufrad von der Welle des Motors, durch Schnecke und Schneckenrad sowie doppelte Kettenräder angetrieben. Die Schnecke nebst Rad soll in einem Gusseisengehäuse, mit Oel gefüllt, versenkt werden, da dann der Wirkungsgrad derselben sich durch Verminderung der Reibung bedeutend erhöht, und ausserdem kein grosses Geräusch zu vernehmen ist.

Diese Einrichtung ist sehr zu empfehlen bei kleinen Motorleistungen mit hohen Tourenzahlen. Bezeichnet G das Gewicht der Last in kg, g das Gewicht der Bühne oder des Scheibenkörpers inklusive Motor in kg, P die erforderliche Kraft in kg zur Ueberwindung des Reibungswiderstandes am Umfang der Laufräder, D den Durchmesser der Laufräder in cm, d den Zapfendurchmesser, μ den Koeffizienten der Zapfenreibung der Laufräder und f den Hebelarm der rollenden Reibung, so ist

. . . 1)

Bezeichnet ϕ den Wirkungsgrad der vollständigen Uebersetzung, v die Geschwindigkeit in Meter pro Sekunde, η den Wirkungsgrad des Elektromotors, so ist die erforderliche Motorleistung

. . 2)

und die verbrauchte Energie

3)

Da die Leistungen nur in wenigen Fällen 10 PS übersteigen, so wollen wir annehmen, dass ϕ = 0,8 und η = 0,85. Man erhält alsdann folgende vereinfachte Gleichungen:

. . 4)

. . 5)

Durchschnittlich beträgt f = 0,05 cm und μ = 0,08 bis 0,1.

Um einer Beschädigung des Motors und des Antriebsmechanismus vorzubeugen, wird an der einen Seite des Motors eine federnde Vorrichtung angebracht.

Diese verhindert eine zu schnelle Vorwärtsbewegung und nimmt den Stoss auf, wenn der Motor durch Reibung an der Schnecke plötzlich stehen bleiben würde und die Schiebebühne weiter zu laufen bestrebt ist. Man versieht deshalb grössere Bühnen mit Bandbremsen, welche meistens auf elektromagnetischem Wege gelüftet werden.

Seitdem man mit der Anwendung der Kontroller bei Krananlagen gute Erfolge erzielt hat, so geht man dazu über, auch solche zum Betrieb von Schiebebühnen zu benutzen.

Der Kontroller besteht aus einer Kontaktwalze, deren Kontakte mit Kontaktfingern bei Drehung die Ein- oder Ausschaltung eines oder mehrerer Magnetspulenteile besorgen. Die Magnetwickelung des Hauptstrommotors ist unterteilt, und wird hierdurch die Ampèrewindungszahl regulierbar, somit auch die induzierten elektromotorischen Kräfte im Anker des Motors. Die Kontakte sind so miteinander verbunden, dass eine Hintereinander- und Parallelschaltung der Spulenteile erfolgen kann.

Zum Anlaufen sind meistens sämtliche Teile respektive Spulen hintereinander geschaltet, so dass der Motor mit seinem vollen Anzugsmoment anläuft. Sind in letzterer Stellung sämtliche Spulen parallel geschaltet, so läuft der Motor am schnellsten, jedoch mit kleinstem Anzugsmoment.

Hieraus geht hervor, dass der Widerstand in der Anlaufstellung genügend gross ist, und demnach kein besonderer Vorschaltwiderstand erforderlich ist.

Die neueren Kontroller besitzen eine elektromagnetische Funkenlöschung. Diese beruht auf der Wechselwirkung zwischen einem stromführenden Leiter und einem magnetischen Kraftfelde. Entsteht zwischen zwei benachbarten Kontakten ein Funke, und erzeugt man ein Kraftfeld, senkrecht zur Zeichenebene, so wird der Funke den Kraftlinienfluss schneiden, nach der Seite gedrängt, und wegen des mit der Länge des Lichtbogens wachsenden Widerstandes erlöschen. Es ist nun ein schwaches Magnetfeld zum Erzielen dieser Wirkung erforderlich, und isoliert man die Kontakte ausserdem voneinander, um ein Ueberspringen des Funkens auf einen benachbarten Kontakt zu verhindern.

Die nebeneinander liegenden Isolierwände sind auf einer eisernen Schiene befestigt und bilden hierdurch eine Art Rechen. Die Eisenschiene ist gelenkig gelagert und kann nach der Seite aufgeklappt werden. Der Hauptstrom des Motors dient in der Regel zur Erregung der benötigten Magnetspule. Als Polansatz wählt man gewöhnlich die Eisenschiene oder auch einen Teil des Gehäuses.

Bei Ausschaltung des Hauptstromkreises werden gleichzeitig mehrere Stellen unterbrochen, da sonst doch eine Zerstörung der Kontakte durch den Funken stattfinden würde. Die Schaltung ist so eingerichtet, dass bei einer entgegengesetzten Drehung der Kurbel ein Reversieren des Motors stattfindet. Somit fallen dann die Reibungsräder fort und kann ein direkter Antrieb mittels Zahnräder auf der Laufradachse stattfinden.

Das Zahnrad auf der Motorachse ist von Rohhaut und kann man eine Auswechselung mittels Hebel einrichten so dass man hierdurch die Geschwindigkeit um das Mehrfache erhöhen oder verringern kann. Anstatt Zahnräder kann man auch konische Reibungsräder wählen und diese mittels Handrad und Schraube gegen die Motorscheibe pressen.

Zum Transport von Wagen muss man eine Klauenkuppelung vorsehen, die einmal die Bühne in Bewegung bringt, ein anderes Mal eine Seilscheibe antreibt, welche den Wagen auf die Bühne heraufzieht. Die Geschwindigkeit