Text-Bild-Ansicht Band 316

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Grunde genommen ganz überflüssig, weil eben die Gabelstange mit dem durchzureissenden Leitungsdrahte ganz gut an solchen Stellen der Lokomotive angebracht werden kann, wo sie ihre Lage nie zu ändern braucht. Alles in allem kann also dem Berichterstatter der Revue industrielle auch darin nicht Recht gegeben werden, dass er die Netter und Queyroul'sche Vorrichtung für wertvoller und vollkommener ansieht, als die altbewährte Lartigue-Sartieaux'sche Anordnung der Französischen Nordbahn, und wenn er ferner die erstere als eine viel „elegantere“ Lösung der in Frage kommenden Aufgabe bezeichnet, als dieselbe von Schütt (vgl. 1900 315 433) durchgeführt worden sei. Man könnte den letztangeführten Ausspruch etwa nur in der Weise gelten lassen, wie man beispielsweise von einem feinen Backwerk sagt, es sei wohlschmeckender als Brot; nahrhafter, zuträglicher und gesünder bleibt doch das letztere.

V. Selbstthätige Knallsignal Vorrichtung von Coen-Cagli.

Eine etwas aussergewöhnliche, zugleich ziemlich verwickelte und daher wohl auch etwas kostspielige Einrichtung ist von Coen-Cagli in Neapel zuvörderst für italienische Eisenbahnen entworfen worden, nämlich ein selbstthätiges, d.h. lediglich durch den Zug wirksam zu machendes Knallsignal, dessen Anordnung sich aus den Abbildungen Fig. 14 bis 17 des näheren ersehen lässt. Bei Schaffung dieser Signaleinrichtung war der Gedanke massgebend, dass der Lokomotivführer jedes Zuges, sobald er in die Nähe eines wichtigen sichtbaren Streckensignals gelangt, auf diesen Umstand aufmerksam gemacht und hiermit gleichzeitig vermahnt werden soll, seine volle Achtsamkeit dem sich nähernden Streckensignal zuzuwenden, damit ein etwaiges Fahrverbot rechtzeitig wahrgenommen werde und das Anhalten des Zuges sofort erfolgen könne. Vorliegendenfalls ist also das Knallsignal selber, abweichend von der sonstigen Gepflogenheit, kein ausgesprochenes Fahrverbot, sondern lediglich ein warnendes Vorsignal, welches an das jeweilige Signalzeichen des zugehörigen Streckensignals keineswegs gebunden ist, sondern stets in derselben Weise erfolgt, gleichgültig ob zur Zeit, wo der Zug die Knallsignalstelle passiert, das Streckensignal auf Halt steht oder Freie Fahrt anzeigt.

Zur Lösung der gestellten Aufgabe befindet sich in entsprechender Entfernung vor dem zugehörigen sichtbaren Streckensignal ein als Radtaster angeordneter Druckhebel im Geleise, welcher während der Vorbeifahrt der Züge von den Rädern niedergedrückt wird und hierdurch die Knallkapseln zur Verwendung vorbereitet. Wenige Meter weiter, hinter dem eben genannten Druckhebel, liegt ein zweiter Radtaster im Geleise, der die eigentliche Erteilung des Knallsignals durch die Entladung zweier Knallkapseln bewirkt, sobald er vom ersten Rade des Zuges erreicht und niedergedrückt wird. Soll diese Knallsignalvorrichtung auf eingeleisigen Bahnstrecken zur Verwendung kommen, wo die Auslösung doch nur für jene Züge, welche sich dem betreffenden sichtbaren Signal nähern, nicht aber für die Züge aus der anderen Richtung erfolgen darf, dann wird nebst den beiden vorbesagten Druckhebeln noch ein dritter erforderlich, welcher hinter den zwei ersteren im Geleise seinen Platz finden muss, da ihm die Aufgabe zufällt, hinsichtlich der Gegenzüge das Erfolgen des Knallsignals zu verhüten, indem er bei der Bethätigung durch den Raddruck das Vorschieben und Entladen von Knallkapseln unmöglich macht.

Textabbildung Bd. 316, S. 732

Für jeden sich dem Streckensignal nähernden Zug sind zwei Knallpatronen vorgesehen, damit in dem Falle, als eine der Kapseln versagen würde, das Alarmsignal doch nicht ausbleiben kann. Die Kapseln sind daher paarweiseauf die ungeraden, aus Blech ausgeschnittenen Glieder einer endlosen Galle'schen Kette K (Fig. 14) aufgesteckt und derart über die beiden Kettenräder R und r geführt, dass bei jeder Zehntelumdrehung des Rades R eines der Kettenglieder mit den beiden Kapseln k1 und k2 auf der Führung w fortgeschoben und unter den Hammer a gebracht wird. Diese Anordnung befindet sich in einem neben dem Geleise auf vier im Bahnkörper eingebauten Unterlagshölzern befestigten Eisenblechkasten, der oben eine Klappthür hat, um das Beschicken der Kette mit frischen Kapseln zu ermöglichen. Der Hammer a ist mit dem um einen wagerechten Drehzapfen x beweglichen, zweiarmigen Hebel H1H2 aus einem Stück geschmiedet, ebenso wie das knapp neben der Fahrschiene S des nächsten Geleisestranges befindliche, bogenförmige Anlaufstück D2. Wenn also ein Zug die Stelle passiert, drückt sein erstes Rad das Bogenstück D2 nieder, wobei der Hammer a auf die darunter befindlichen zwei Knallkapseln stösst und dieselben hierdurch zur Entladung bringt. Das an H2 befindliche Gegengewicht g stellt den Doppelhebel H1H2 mit Hammer und Anlauf bogen nach jedesmaliger Bethätigung durch die sämtlichen Räder des Zuges immer wieder in die Normallage zurück, das Signal erfolgt jedoch nur durch das erste Rad, weil zufolge einer besonderen Bremsanordnung Zug für Zug lediglich ein einziges Kapselpaar unter den Hammer gelangt. Wie bereits bemerkt, geschieht die Kapseleinschiebung durch eine Teildrehung des Kettenrades R; diese Drehung wird durch eine mit einem federnden Sperrkegel in R eingreifende, auf der Radachse lose aufgesteckte Speiche P bewerkstelligt, welche sich in der Ruhelage an den Anschlagbacken u lehnt, und durch eine regulierbare Gelenkstange Z1 mit der Zugstange Z in Verbindung gebracht ist. Jedesmal, wenn die Stange Z in der Richtung des eingezeichneten Pfeiles gezogen wird, schiebt P das Rad R um ein Zehntel dessen Umfanges weiter, worauf B in der neu erlangten Lage durch eine Federklinke festgehalten bleibt und von der in ihre Ruhelage zurückkehrenden Speiche P nicht wieder mitgenommen wird. Insgesamt enthält die Kette 22 mit Kapseln beschickte Glieder und es können sonach im ganzen ebenso viele Schüsse abgegeben werden. Sobald die Kapselpaare bis auf fünf entladen sind, wird selbstthätig eine elektrische Kontaktvorrichtung C in Schluss gebracht und hierdurch beim nächsten Bahnwärter ein Alarmwecker in Gang gesetzt, der nicht früher zu läuten aufhört, bevor nicht die ganze Kette ordnungsmässig mit Kapseln beschickt worden ist. Dieser Alarmwecker gibt übrigens auch die jedesmalige durch den Apparat bewirkte Vorschiebung eines Kapselpaares durch ein kurzes Läuten kund.

Die Stange Z, welche den Arm P hinzieht und zurückschiebt, reicht in einen zweiten Blechkasten (Fig. 15