Text-Bild-Ansicht Band 316

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Petroleum durch andere Flüssigkeiten zu ersetzen oder dass es ausreicht, in die färbende Substanz Salze, wie z.B. salzsaures Ammoniak und gaserzeugende, feuerwidrige Stoffe einzuführen. Besonders das letztere Verfahren erscheint widersinnig und besteht hauptsächlich darin, die Feuersgefahr durch die Erstickungsgefahr zu ersetzen.

Der Professor der Chemie, Troost, empfiehlt besonders den Gebrauch von Ueberzügen aus Hydroborsäure oder borsauren Salzen, hat jedoch erkannt, dass die Silikate eine vollkommene Feuersicherheit bieten. Das kieselsaure Salz leistet vorzügliche Dienste, ein Gemälde o. dgl. feuerfest zu machen, wozu es durch seinen geringen Preis und leichte Anwendung besonders geeignet ist. Diese Methode hat den Anspruch, die älteste zu sein, da sie vorteilhaft in einigen Theatern, besonders in München, im Anfang des verflossenen Jahrhunderts angewendet wurde.

Zum Ueberziehen von Holz und Stoffen, welche leicht faul werden, ist es erforderlich, eine Lösung von Wasserglas zu verwenden, welche wenig kohlensaures Salz enthält und muss ein vier- bis fünfmaliges Anstreichen erfolgen. Obwohl das lösliche Glas selbst ein vorzügliches Präservativmittel gegen Feuer ist, so wird diese Eigenschaft noch durch einen Zusatz mit einem anderen unverbrennbaren und fein gemahlenen Stoff erhöht. Hierzu dient besonders Eisen und Bleischlag, Feldspat, Flussspat u.a. Zur Imprägnierung des Holzes im Theater in München hatte man eine Mischung von 1/10 gelber Thonerde und 9/10 Silikat benutzt.

Bei Imprägnierung von Stoffen müssen dieselben nach dem Eintauchen einem starken Druck ausgesetzt werden.

Da das Wasserglas jedoch auf manche Farbstoffe, wie z.B. auf Preussisch Blau, Kobaltblau, Lacke und Karmin, ungünstig einwirkt, so ist die Benutzung desselben in der Malerei eine sehr schwierige. Dieser Uebelstand dürfte sich durch gefärbte Silikate vermeiden lassen.

Das Bleisilikat besitzt eine rein weisse Farbe und wird leicht durch Mischung einer Wasserglaslösung und einer Lösung von salpetersaurem oder essigsaurem Blei gewonnen, wobei die auf dem Salz schwimmende Flüssigkeit abgegossen wird. Ueberwiegt das Wasserglas, so erhält man staubförmiges Krystallglas, welches den Gemälden ein porzellanartiges Aussehen verleiht. Bei einer Beimischung von etwas Bleiglätte erhält man ein vorzügliches Trockenmittel für Oelgemälde und ein wertvolles Mittel zur Bildung harziger Mischungen. Ausserdem kann das lösliche Glas bei einer Zusammensetzung mit Asbest zur Herstellung eines sehr harten und unschmelzbaren Stoffes verwendet werden, welcher vorteilhaft zum Kitten von Glas und Porzellan gebraucht wird. Derselbe trocknet sofort und dient zum hermetischen Verschluss von Gefässen für verfliegbare Flüssigkeiten u. dgl.

Die Glasfabrikation. Allgemeine Eigenschaften. Glasbearbeitung.

Es ist nicht möglich, im Rahmen dieser Abhandlung sich lange bei der Fabrikation des Glases aufzuhalten, da die eingehende Beschreibung der Glasöfen und der Vorrichtungen und Geräte zur Herstellung jedes einzelnen der verschiedenen Gegenstände zu weit führen würde. Die verschiedenen Glasarten besitzen verschiedene Grade der Schmelzbarkeit, welche von den besonderen chemischen Bestandteilen abhängen.

Je nach der Art des Glases, welches man herstellen will, gebraucht man Tiegel aus feuerfester Thon- oder Ziegelerde, aus Cement mit kohlensaurem Natron, aus Kieselerde mit einer entsprechenden Basis, welche Bestandteile vollkommen und in entsprechenden Verhältnissen gemischt werden müssen, da man anderenfalls eine Mischung von physikalischen Eigenschaften, aber keine chemische Verbindung erhalten würde. Die einzelnen Bestandteile müssen vollkommen rein sein und man verwendet daher fein gesiebten Sand oder Quarz.

Nach Füllung der Tiegel, welche verschieden geformt und von verschiedener Grösse sein können, werden dieselben einer Temperatur von ungefähr 1100° in den Oefen zum Schmelzen ausgesetzt, wobei von Zeit zu Zeit eine Probe entnommen wird, um den Grad der Klarheit festzustellen. Das Glas wird mehrere Stunden hindurch ingeschmolzenem Zustand erhalten, um sämtliche Unreinigkeiten und Gase, welche ein blasiges Produkt liefern würden, zu entfernen.

Die Dauer des Schmelzens beträgt 10 bis 12 Stunden, und sobald dasselbe beendet ist, wird die Masse während 5 bis 7 Stunden innig gemischt, worauf man sie auf 750° erkalten lässt, in welchem Zustand das Glas teigartig ist und sich leicht bearbeiten lässt.

Jede Glasart kann unter Einwirkung von Temperaturen, gewöhnlich unter 1200°, flüssig gemacht werden. Das Krystallglas ist das am leichtesten schmelzbare, während das weisse Glas durch seinen Kalkgehalt schwerer schmelzbar ist; die Anwesenheit von Thonerde, Eisenoxyd oder Manganerz erhöht die zum Schmelzen erforderliche Temperatur.

Die Entglasung. Der Vorgang der Entglasung besteht in der Aenderung der Beschaffenheit, welche das auf eine hohe Temperatur gebrachte und nachher einer langsamen Abkühlung unterworfene Glas durchmacht. Das doppelte Silikat wird ausgeschieden, die Kieselsäure verbindet sich mit zwei Basen und das Glas wird zu einem Gemisch von zwei Silikaten. Es nimmt dabei eine bedeutende Härte an, wird faserig, undurchsichtig, weniger schmelzbar und ein besserer Wärme- und Elektrizitätsleiter. Dieser Vorgang lässt sich um so leichter hervorrufen, als die Beschaffenheit des Glases sich weiter von derjenigen eines alkalischen Silikates und einer molekularen Verbindung entfernt.

Ungeachtet dessen tritt dieser Vorgang bei Krystallglas schwer ein, während die Entglasung von Flaschenglas leichter ist, wenn die Flaschen mehrmals erhitzt und nach und nach abgekühlt werden.

Es ist leicht ersichtlich, dass der Vorgang des Entglasens bei der Glasfabrikation Schwierigkeiten bereitet, da die Masse nicht mehreremal erhitzt werden kann, um dieselbe leichter zu blasen und die Dicke der Wandungen zu vermindern.

Angenommen, man hätte mit einer geringen Masse von Glas mit reichem Kalk- oder Thonerdeinhalt zu thun, welche mehreremal geschmolzen worden ist, so würde es unmöglich sein, eine Kugel zu blasen, da das Glas hart geworden ist und die grösste Anstrengung der Lungen hierzu nicht ausreichen würde.

Die Vorsichtsmassregeln, welche bei der Zusammenstellung der Glasarten für optische Instrumente (Prismen, dicken Linsen u.s.w.) zu beobachten sind, sind noch viel bedeutender; je mehr Masse hierzu erforderlich ist, desto langsamer ist das Erkalten derselben. Glas mit einer Baryt- oder Thonerdebase entglast leicht. Desgleichen darf es zur Herstellung von Objektiven und Flint-(Kiesel-)glas oder Kronglas (doppeltes Silikat von Pottasche und Kalk) verwendet werden.

Es wurde gesagt, dass die Entglasung besonders in der Zersetzung des doppelten Silikats besteht. Man kann sich hiervon überzeugen, wenn man ein Stück entglastes Glas zerbricht, wobei man eine Menge von kleinen Krystallen erblickt, welche der Masse ein porzellanartiges Aussehen verleihen.

Die Fabrikation von glasartigem Porzellan. Das entglaste Glas kann leicht das Porzellan, besonders das Porzellan von Bayeux ersetzen, aus welchem Gegenstände für den Gebrauch in Laboratorien angefertigt werden.

Die Gegenstände aus glasartigem Porzellan sind nicht mehr porös als diejenigen aus Porzellan von Bayeux und widerstehen hohen Temperaturen. Nach der Ansicht von Dumas müsste die Industrie von glasartigem Porzellan bald einen bedeutenden Aufschwung nehmen, da das Formen von aus diesem Material hergestellten Gegenständen viel einfacher ist als derjenigen aus Porzellan hergestellten. Auch ist das schillernde Aussehen von entglastem Glas ein bedeutend schöneres. Hierzu kommt, dass die Zerbrechlichkeit derartiger Gegenstände eine bedeutend geringere ist, als von Gegenständen aus gewöhnlichem Glas.

Stammt nun dieser Industriezweig aus unserer Zeit, in welcher die Thonbildnerei und die Fabrikation von Luxusgegenständen aus Glas so bedeutende Fortschritte gemacht hat? Es wäre interessant, zu erfahren, ob man durch die Entglasung nicht ähnliche Krystallisationseffekte