Text-Bild-Ansicht Band 316

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erzielen könnte, wie man sie bei dem schönen Kopenhagener Porzellan wahrnimmt.

Vor ungefähr 100 Jahren stellte ein erfinderischer Industrieller, d'Arcet, aus entglastem Flaschenglas Fussbodenplatten für Wohnungen und verschiedene andere zur Mosaik verwendbare Gegenstände her.

Das auf eine verhältnismässig geringe Temperatur von 250 bis 350° erhitzte und darauf sehr langsam abgekühlte Glas entglast im allgemeinen nicht, wenn es auch ansehnliche Mengen von Thonerde oder alkalischerdige Basen enthält, sondern nimmt die Eigenschaft an, selbst plötzlichen Temperaturschwankungen zu widerstehen. Auf Grund dieser Eigenschaft beruht die Fabrikation der bedeutenden chemischen Instrumente, wie das Böhmische Glas u.s.w.

Das hierzu angewandte Verfahren zur Herstellung von Behältern, welche nur Temperaturen von 100 bis 110° auszuhalten haben, besteht in folgendem:

Die vollkommen voneinander getrennten Gläser werden in einen grossen Behälter gestellt, die Gläser und der Behälter mit Wasser gefüllt und letzteres zum Sieden gebracht, worauf die Abkühlung in Trockenkästen mit höherer Temperatur vor sich geht. Sollen die Gefässe plötzlichem Temperaturwechsel in erweiterten Grenzen ausgesetzt werden, so wird das Wasserbad durch ein Oelbad oder eine schmelzbare Mischung ersetzt. Infolgedessen konnten vollkommen unzerbrechliche Glasgegenstände angefertigt werden; man kann dieselben bis zum Weichwerden erhitzen und nachher in kaltes Wasser tauchen, was sie, ohne zu springen, aushalten.

Glasthränen. Wir kommen nun zu den Eigenschaften, welche eine plötzlich abgekühlte geschmolzene Glasmasse annimmt. Lässt man von einer geschmolzenen Glasmasse einige Tropfen in kaltes Wasser fallen, so tritt deren Erstarrung sofort ein und man erhält kleine feste Körper in Form von Thränen, welche in kleinen Glasfäden endigen. Wirft man eine solche Thräne selbst mit bedeutender Kraft hin, so wird dieselbe sehr schwer zerbrechen, da ihre äussere Hülle mehr oder weniger entglast und daher sehr fest ist. Bricht man dagegen die Spitze des Fadens ab, so entsteht eine kleine Explosion, wobei die Teilchen der Thräne nach allen Richtungen zerstreut werden. Es kommt dies daher, dass die äussere Hülle plötzlich erstarrt ist, während die inneren Teile noch eine hohe Temperatur besassen und sich daher in ausgedehntem Zustand befanden. Durch das plötzliche Abkühlen der äusseren Hülle haben daher die inneren Moleküle das Bestreben, einen bedeutend grösseren Raum einzunehmen, als dies ihrem Atomgewicht entspricht, wodurch eine bedeutende Spannung eintritt. Wird nun die Spitze abgebrochen, so zerstört man den Zusammenhang der Hülle und sämtliche Moleküle wechseln plötzlich den Gleichgewichtszustand. Durch das Zusammenziehen entsteht eine grosse Anzahl von Bruchstellen und jedes abgebrochene Stück wird mit einer bedeutenden Kraft weggeschleudert.

Auf demselben Vorgang beruht die sonderbare Erscheinung bei der sogen. Bologneser Flasche, einem Probeglas, dessen Wandungen sehr stark und durch plötzliche Abkühlung erstarrt sind. Obwohl eine solche Flasche, wie bekannt, den heftigsten Stössen widersteht, zerbrichtsie sofort in tausend Stücke, sobald man in dieselbe ein Stück Glas wirft.

Die Härte des Glases. Wirkung des Diamanten. Obwohl man sich grösstenteils zum Linieren und Schneiden des Glases des Diamanten bedient, so ist es in den meisten Fällen leicht, andere billigere Mittel hierzu zu verwenden. Benutzt man einen vom Steinschneider geschnittenen Diamanten, so kann man mittels des letzteren im allgemeinen nur die Oberfläche des Glases ritzen, da diese durch das Polieren eben geworden ist und sich daher in geradlinigen Richtungen teilen lässt. Dagegen benutzen die Glasarbeiter nur natürliche Steine. Man kann sich leicht davon überzeugen, dass die Oberflächen des Diamanten gekrümmt sind, die Kanten sind daher krummlinig. Setzt man nun den Diamanten so an, dass diese Krümmung tangential zur Oberfläche ist und jede Seite die gleiche Neigung hat, so erhält man eine Spalte durch Druck. Es genügt dann eine geringe Kraftäusserung auf die Seiten der Spalte, um diese in gerader Linie zu verlängern und den Bruch zu beenden. Die Richtigkeit dieser durch Wollaston aufgestellten Theorie lässt sich leicht feststellen.

Nimmt man nun natürliche Krystalle von erforderlicher Härte und geradlinigen Kanten und ändert eine solche Spalte in eine krummlinige, so kann man mittels eines solchen Krystalles das Glas wie mit einem Diamanten schneiden. Wollaston erzielte vorzügliche Resultate mit einem Rubin, Saphir und sogar mit einem gewöhnlichen Bergkrystall.

Durch den Sauerstoff der Luft wird zwar das Glas nicht angegriffen, doch kann durch Wasserdampf ein der Entgasung entsprechender Vorgang bewerkstelligt werden. Glas mit einer Base von Natriumsilikat und reichen Bestandteilen von Kalk wird durch Wasser leichter angegriffen. Es bildet sich eine Lösung von alkalischem Silikat und ein Niederschlag von farblosem Silikat, wobei das Wasser basisch bleibt. Nimmt man ein Stück Fensterscheiben- oder auch Spiegelglas und legt es in ein Platingefäss mit Wasser, so wird die Flüssigkeit binnen 2 oder 3 Tagen Lackmuspapier blau färben.

Infolge dieser Zersetzung werden Fenster- und Spiegelscheiben mit der Zeit trübe und verlieren an Dicke. Dieser Vorgang tritt besonders bei den Scheiben in Pferdeställen auf, welche oft die sämtlichen Farben des Regenbogens annehmen. Es ist jedoch auch anzunehmen, dass hierzu der sich an Orten, wo Dünger vorhanden ist, entwickelnde Ammoniak beiträgt.

Es muss an dieser Stelle noch auf das sonderbare Aussehen alter Glasgegenstände aufmerksam gemacht werden, welche man in Ruinen oder alten Gräbern gefunden hat und welche oft die Durchsichtigkeit in einer Weise verloren haben, dass sie wie verzinnt aussehen.

Natron und Pottasche, sowie alkalische Salze greifen in einer konzentrierten und kochenden Lösung das Glas an und erzeugen lösliche Silikate. Besteht das Glas aus einem bestimmten Silikat, so wird es auch durch stark konzentrierte Säuren angegriffen, bei mangelhafter Mischung dagegen kann es in Schwefel- oder Salpetersäure gelöst werden. Die an Thonerde reichen Glasarten sind am leichtesten löslich. Bei der Gewinnung und Polierung des Glases wird von dem Einfluss der Fluorwasserstoffsäure und der Kieselwasserstoffsäure die Rede sein.

(Fortsetzung folgt.)

Der neue Linienplan und die neuen Wagen der Pariser Metropolitanbahn.

Nachdem wir an dieser Stelle seinerzeit über die Entstehungsgeschichte und den allgemeinen Entwurf der Pariser Metropolitanbahn näheren Bericht erstattet hatten (vgl. 1900 315 8), unterliessen wir es auch nicht, späterhin betreffs der Bauausführung und des Betriebes der drei ersten bis zur Ausstellung fertig gewesenen Teillinien (vgl. 1900 315 549) und desgleichen über die Tracenverhältnisse und sonstigen Besonderheiten der im Bau begriffenen, für das nächste Jahr der Vollendung entgegengehenden nördlichenRinglinie (vgl. S. 399 d. Bd.) ausführliche Mitteilungen zu bringen. Seit 14. Juni 1901 hat nun der ursprüngliche Betriebsplan aber eine bemerkenswerte Umänderung erfahren, wodurch sich auch für die bauliche Ausführung der einzelnen, noch nicht vollendeten Strecken mehrfache, nicht unwesentliche Abweichungen gegenüber dem ersten Generalentwurfe als geboten herausstellten.

Von dem in Fig. 1 ersichtlich gemachten, ursprünglich sechs Linien umfassenden Netze der Metropolitanbahn