Text-Bild-Ansicht Band 316

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auch – wie jedem mit Chemie Vertrauten bekannt – nächst Glas das gegen chemische, also im vorliegenden Falle atmosphärische Einwirkungen widerstandsfähigste Material ist, welches überhaupt existiert.

Hinsichtlich des Isolationswiderstandes von Dr. Traun's Eisengummi sind nach Mitteilung der herstellenden Firma an Versuchsplatten von 5,5 cm Durchmesser und bei einer Gleichstromspannung von 1000 Volt folgende Werte auf dem Ladungswege ermittelt worden:

Isolationswiderstand bei einer Stärke von 1 mm:

W = 100 . 106 Megohm.

Bei 3 mm Plattenstärke konnte der Widerstand wegen seiner Höhe nicht mehr gemessen werden; er betrug jedenfalls, mehr als 2000 . 106 Megohm.

Hieraus ergibt sich, dass der spezifische Leitungswiderstand zum mindesten betragen muss:

Wmin = 158387 . 106 Megohm-cm.

Durchschlagswiderstand von Platten in Stärke von 1 mm:

32000 Volt Wechselstrom.

Linienschiff „Borodino“.

„Borodino“, ein Linienschiff der russischen Ostseeflotte von 13560 t Wasserverdrängung, ist auf der Admiralitätswerft zu St. Petersburg am 9. September vom Stapel gelassen worden. Es ist dieser Bau deshalb bemerkenswert, weil das Schiff wenig mehr als ein Jahr gebraucht hat, um zu Wasser gebracht zu werden. Die Kiellegung erfolgte erst am 24. Mai des Vorjahres, so dass „Borodino“ 15 Monate auf der Werft gelegen hat, ein Beweis, dass die russischen Etablissements durchaus auf der Höhe der Zeit heute stehen, wenngleich Russland noch sehr viel Material vom Ausland bezieht und vollständige Schiffe von Frankreich, Deutschland, Dänemark und den Vereinigten Staaten kauft. Zum Vergleich der Leistungen der russischen Werft an „Borodino“ sei erwähnt, dass von deutschen Linienschiffen „Zähringen“ auf der Germaniawerft Gaarden bei Kiel am 21. November 1899 begonnen wurde und am 12. Juni 1901 ablief, während die zuletzt abgelaufene „Schwaben“, am 19. August zu Wasser gelassen, erst im Herbst 1900 in Bau auf der Kaiserlichen Werft zu Wilhelmshaven genommen wurde, also kaum ein Jahr brauchte. Das dritte Schwesterschiff, „Wettin“, kam bei F. Schichau in Danzig am 10. Oktober 1899 auf Stapel und lief am 6. Juni 1901 ab, das vierte, „Wittelsbach“, zu Wilhelmshaven, brauchte bis zum Stapellauf vom 30. September 1899 bis zum 3. Juli 1900, mithin noch nicht ¾ Jahre; eine hervorragende Leistung.

Bücherschau.

Elektrische Kraftübertragung und Kraftverteilung nach Ausführungen durch die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin, bearbeitet von Oberingenieur C. Arldt. Dritte vervollständigte Ausgabe. Berlin 1901. Jul. Springer.

Das zuerst im Jahre 1894 herausgegebene Werk liegt nunmehr in dritter, wesentlich vervollständigter Auflage vor. Die gute Aufnahme, welche das Buch bisher immer gefunden hat, lässt auch das Gleiche für diese neueste Ausgabe erwarten, zumal der Charakter des Ganzen unverändert beibehalten ist, der Inhalt dagegen in wesentlicher Weise nach dem neuesten Stand der Elektrotechnik, insbesondere bezüglich des Drehstroms und Wechselstroms, erweitert worden ist.

Das Werk hat einen doppelten Zweck, einen allgemeineren und einen besonderen. Zunächst soll es dem auf dem Gebiete des allgemeinen Maschinenbaues, des Berg- und Hüttenwesens u.s.w. sich bewegenden Techniker das Verständnis der Vorgänge bei elektrischen Kraftübertragungen und Kraftverteilungen erleichtern. Weiterhin soll es eine Anweisung geben über die Verwendung der diesbezüglichen Maschinen und Apparate der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft.

Hierfür ist das Buch in sechs Abschnitte eingeteilt.

Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Wesen der elektrischen Kraftübertragung, indem er die drei Teile derselben, die stromerzeugende Dynamomaschine, die elektrische Leitung und den stromverbrauchenden Elektromotor in das Bereich seiner Betrachtungen zieht. Der zweite Teil bespricht die Arten der Kraftübertragung, insbesondere den Vergleich zwischen elektrischen und mechanischen Uebertragungen. Der dritte Abschnitt zeigt den Elektromotor als Antriebsmittel. Nach einer Besprechung der Anordnung von Primärstationen und des Parallelschaltens von Gleichstromdynamos sowohl, wie von Drehstromdynamos wird auf die Verwendung der verschiedenen Elektromotoren und auf die Verbindung derselben mit den anzutreibenden Maschinen näher eingegangen. Der vierte Abschnitt gibt eine umfangreiche Zusammenstellung elektrisch betriebener Maschinen, als z.B. Ventilatoren,Pumpen, Aufzüge, Krane, Werkzeugmaschinen, Maschinen für Webereien, Spinnereien, Buchdruckereien, für Berg- und Hüttenwesen u.s.w. u.s.w. Abschnitt fünf umfasst eine Zusammenstellung verschiedener Maschinentabellen. Es sind dies einerseits Tabellen über Leistungen, Gewichte, Preise und Abmessungen von A. E.-G.-Dynamos und Elektromotoren, andererseits einige annähernde Angaben über Preise und Hauptabmessungen elektrischer Primärstationen bis 100 bezw. 1000 Kilo-Watt. Im sechsten Abschnitt schliesslich sind als Anhang eine Anzahl Fragebogen betr. elektrische Antriebe, ferner eine kurze Zusammenstellung elektrotechnischer Masseinheiten und ein alphabetisches Sachregister untergebracht.

Die Ziegelfabrikation von Otto Bock, Ziegeleiingenieur in Berlin. Leipzig 1901. Bernb. Friedr. Voigt. Mit 353 Abbildungen und 12 Tafeln.

Das Werk ist als neunte Auflage von Peter Schaller's „Der praktische Ziegler“, dessen erste Auflage im Jahre 1828 erschien, gedacht und bringt auf rund 400 Seiten Text (Grossoktav) viel Wissenswertes, sowohl für den Ziegeleitechniker wie für den Laien, der sich in die Ziegelindustrie einführen will. Denn das Buch hat den grossen Vorzug, von einem Fachmann geschrieben zu sein. Mit den Rohmaterialien und ihrer Verarbeitung wird begonnen und das Formen, der Transport der Rohware, das Trocknen und Brennen ausführlich behandelt. Von Interesse ist dann die Besprechung einer Anzahl ausgeführter Anlagen. Reichliche Abbildungen unterstützen das Verständnis des im Text Gesagten.

In einem letzten Kapitel werden dann noch Betrachtungen über Kalksandsteine, Schwemmsteine, Kork- und Glasziegeln angestellt. Dieser Gegenstand steht aber zu dem übrigen Inhalt des Buches in keinem rechten Zusammenhang und konnte ebenso gut fortfallen.

Zu beanstanden ist die mangelhafte Ausführung einer Reihe von Abbildungen. Anstatt der perspektivischen Ansicht einer Anzahl Pressen wäre sicherlich die Beibringung von Schnittfiguren, aus denen die Konstruktion der Pressen zu ersehen ist, erwünschter gewesen. Das Gleiche gilt von den Zerkleinerungswerken. Wer demgegenüber die viel übersichtlicheren Zeichnungen in anderen Werken, z.B. in Kerl's „Handbuch der gesamten Thonwarenindustrie“ vergleicht, wird mir unbedingt zustimmen.

Der Verfasser hat sich bei Abfassung seines Buches auf das Wichtigste und Wesentlichste beschränkt. Es wäre zu wünschen, dass einmal ein Sammelwerk geschrieben wird, welches sämtliche Erfahrungen in der Ziegel-, Chamotte-, Porzellan- u.s.w. Industrie, soweit sie in der Praxis vertreten und in der Zeitschriften-, Patent- u.s.w. Litteratur niedergelegt sind, zusammenfasst und auch die Industrie des Auslandes (z.B. die amerikanische) berücksichtigt. Zur Abfassung eines solchen Werkes wäre vor allem geeignet ein Fachmann wie Otto Bock.

Faraday und die englische Schule der Elektriker von Prof. Dr. Silvanus P. Thompson. Halle a. S. 1901. Wilhelm Knapp.

Es gibt wohl kaum ein interessanteres und dankenswerteres Vornehmen, als dem Leben und den Leistungen eines grossen Mannes nachzugehen und dieselben in klarer Darstellung der Nachwelt zu erläutern, allein die Schaffung eines solchen kritischen Lebensbildes bleibt immerhin eine recht schwierige Sache, insofern sich dasselbe eben keineswegs bloss auf die äusseren Umstände und Begebenheiten aus dem Leben des Geschilderten beschränken darf, sondern vornehmlich den Verlauf seiner geistigen Entwickelung und die Anregungen und Rückwirkungen ins richtige Licht zu stellen hat, welche sich an sein Wirken knüpfen. Was nun die obige, in diesem Sinne so ausgezeichnete, ebenso geistvolle als vornehm gelehrte Schrift anbelangt, welche einen von Prof. Dr. Thompson im Berliner Uraniatheater am 9. Januar 1901 gehaltenen Vortrag wiedergibt, so waren allerdings schon bei ihrem Entstehen alle für das vollendete Gelingen erforderlichen Vorbedingungen erfüllt. Der Autor ist ja nicht nur als hervorragender Mitbeteiligter auf dem einschlägigen Gebiete der Wissenschaft und als glänzendes Mitglied des in Betracht gezogenen Kreises besonders berufen, ein richtiges Urteil zu besitzen und abzugeben, sondern auch als Grossneffe Phillips eines der nächsten und vertrautesten Freunde Faraday's in der Lage, Intimeres aus dem Leben und der Gedankenarbeit des grossen, unsterblichen Gelehrten und Forschers mitzuteilen. Somit braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden, dass der oben angeführte Vortrag bezw. die gedruckte Wiedergabe desselben für jeden Gebildeten überhaupt, für Physiker oder Elektriker aber ganz besonderen instruktiven Wert besitzt und von aussergewöhnlich hohem Interesse ist.

L. K.