Text-Bild-Ansicht Band 316

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Darin hat man sich, wenn überhaupt von den bisherigen Konstrukteuren, die meistens Empiriker sind, daran gedacht wurde, sehr getäuscht. Denn die Anforderungen an die Leistungen der Schreibmaschinen wurden in der Praxis immer mehr gesteigert, sowohl durch die von den Benutzern allmählich erreichte grosse Fertigkeit und Schnelligkeit des Schreibens, als auch durch die für Durchdrucksarbeiten erforderte grössere Kraft der Typenschläge. Der Buchstabe e wird bei der Arbeitsleistung einer täglich 8 Stunden mit einer Schreibgeschwindigkeit von 100 Silben pro Minute betriebenen Schreibmaschine in 300 Arbeitstagen, also in einem Jahr, mehr als 6millionen-mal gebraucht. Die durch diese grosse Zahl von, wenn auch im einzelnen verschwindend kleinen, seitlich wirkenden Kräften bewirkte Gesamtreibung und Biegung ist immerhin gross genug, um merkliche Ausnutzung zu veranlassen. Die Folge davon ist die, dass die meisten Schreibmaschinen nach wenigen Jahren schon abgenutzt sind, und dass sich das Mass der Abnutzung bei den einzelnen Maschinen bei gleicher Gebrauchsdauer auf das Vorhandensein und die Grösse der geschilderten Konstruktionsfehler zurückführen lässt. Für die Praxis und die Bemessung der mit einer Schreibmaschine zu erlangenden Vorteile ist es daher von grösster Wichtigkeit, diese Konstruktionsfehler thunlichst zu vermeiden, wodurch die Leistungsdauer dieser Maschinen und damit der Wert derselben erheblich vergrössert werden kann.

Textabbildung Bd. 316, S. 765

Um diese Fehler an Beispielen zu erläutern, mögen die beiden hauptsächlichsten Anordnungen schematisch vorgeführt werden:

Fig. 13 zeigt den schematischen Grundriss, die Fig. 14 ebenso den Schnitt der nach der Grundidee der Remington-Maschine gebauten Schreibmaschinen. D ist der Druckpunkt, an welchem sämtliche in dem Lagerkreise L gelagerten Typenhebel h anschlagen, T sind die Tasten, a die Tasthebel und Z die Verbindungsstäbe, welche Tastenhebel und Typenhebel verbinden. In den Figuren sind nur die wichtigsten dieser Hebel gezeigt. In der Linie l–l liegen die Lager der Tasthebel.

Es leuchtet sofort ein, wie die durch Pfeile dargestellten Kräfte wirken. Die in der Mittelebene der Maschine liegenden Hebel arbeiten richtig, die links und rechts liegenden Tasthebel üben durch den Niederdruck der Tasten ausser dem vertikalen auch einen seitlichen Zug aus, der um so grösser ist, je weiter die Taste von der Mitte entfernt ist. Die äussersten Tasten sind daher am meisten durch Seitenspannungen beansprucht.

Die Schreibmaschinen des vorstehenden Schemas sind die zahlreichsten. Nach ihm sind alle Vollkreistypenhebelmaschinen, ausser Yost, Smith Premier und Elliot und Hatch gebaut, sowie auch die meisten Segmentmaschinen.

Textabbildung Bd. 316, S. 765

Einige dieser Maschinen, deren Konstrukteuren wohl diese schiefen Verbindungen widerstrebt haben mochten, haben die Verbindungen der Tasthebel mit den Typenhebeln in irgend einer der aus Fig. 15 ersichtlichen Formen gebildet, wodurch der Anschein einer vertikalen Verbindung erweckt wird, in Wirklichkeit aber am Wesen der Konstruktion nichts geändert wird.

Unter den Segmenttypenhebelmaschinen sind zwei Konstruktionen, bei welchen die Lagerung der Typenhebel nicht in einem horizontalen, sondern vertikalen Kreissegment angeordnet ist, nämlich die Maschinen: Pittsburg-Visible und Underwood.

Fig. 16 zeigt in der linken Hälfte schematisch die Anordnungder Pittsburg-Visible, in der rechten Hälfte diejenige der Underwood.

Auch hieraus ist ersichtlich, dass die in der Symmetrieebene der Maschine gelegene Taste die Kraft mechanisch richtig auf den Typenhebel überträgt, während die zu beiden Seiten gelegenen Tasten je nach ihrer grösseren oder kleineren Entfernung von der Mitte mehr oder weniger seitlich wirkende Kräfte in Thätigkeit setzen.

Textabbildung Bd. 316, S. 765

Bei Pittsburg-Visible (links) sind die Drehachsen der Tasthebel entsprechend dem Winkel, unter welchem der zugehörige Typenhebel schwingt, schief gelegt, so dass die Tasten beim Niederdruck nicht einen vertikalen, sondern einen schiefen, von der Mitte nach aussen gerichteten Weg machen.

Da der Anschlag der Tasten von dem arbeitenden Finger selbstverständlich in senkrechter Richtung erfolgt, so wird durch diesen vertikalen Antrieb auf das schief liegende Lager immer ein einseitiger Druck ausgeübt.

Bei der Anordnung der Undenvood (rechts) ist ebenfalls der mittlere Hebel mechanisch richtig konstruiert, während die seitlichen Tasthebel die vertikal wirkende Kraft des Anschlages zunächst auf einen um die horizontale Achse l2 schwingenden Zwischenhebel h2 übertragen, welcher dann mittels des gegen die Mitte hin seitlich gekröpften Armes die Kraft auf den Typenhebel h in dem Punkte A überträgt, und daher mit einem beträchtlichen Moment m arbeitet.

Textabbildung Bd. 316, S. 765

Bei der Smith Premier-Maschine, deren Hebelkonstruktion bereits in Fig. 3 gezeigt ist, sind die schiefen Angriffe der Tasthebel dadurch annähernd beseitigt, dass die auf die Tasten ausgeübte Kraft des Anschlages nicht durch Längshebel übertragen wird, sondern durch kleine an Längswellen angebrachte Kurbeln.

Bei anderen Konstruktionen sind die Tasthebel selbst seitlich gekröpft, was aber, soweit die Tasthebel und die Uebertragung der vertikalen Kräfte auf die Typenhebel in Betracht kommt, immer die gleiche Wirkung hat (Fig. 17).

Eine glückliche Lösung der Aufgabe, die schiefen Kräfte gänzlich zu beseitigen, ohne von dem natürlichsten Prinzip der parallelen Tasthebel abzugehen, hat Yost in der Yost-Maschine gefunden. Um die vertikalen Kräfte aller Tasten, also auch von den seitlichen Tasten in senkrechter Richtung auf die zugehörigen Typenhebel überzuleiten, hat er für diese letzteren ein System von horizontalen Zwischenhebeln angeordnet, welche in einem horizontalen Kreissegment auf beiden Seiten gelagert in vertikaler Ebene und zwar in derselben Ebene wie der zugehörige Typenhebel schwingen (Fig. 18 auf S. 766).

Typenhebel.

Ueber Anordnung und Lagerung der Typenhebel, sowie über die verschiedenen Mittel, welche angewendet wurden, die Typen an die richtige Stelle zu bringen, Hebelführung und Typenschluss, ist bereits gesprochen. Es wurde gezeigt, dass bei vielen Schreibmaschinen, ja bei allen, mit Ausnahme der Yost, eine strenge Sicherung des genauen Treffpunktes nicht vorgesehen ist, und dass deswegen eine Ablenkung namentlich von der Schreibzeile meist nur durch