Text-Bild-Ansicht Band 316

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sich die Lage der Schreibwalze durch Formveränderung des Wagenrahmens ändert, so geht die Zeilengeradheit bei dieser Anordnung sofort verloren.

Die Anbringung zweier Typen auf einem Stempel hat bei dieser Anordnung im Falle der Verschiebung des Treffpunktes namentlich bei dicken Papiereinlagen noch den ferneren Nachteil, dass ausser der gewünschten Type noch Teile der zweiten auf demselben Stempel befindlichen Type mit zum Abdruck gelangen, was ein hässliches und unreines Aussehen des Schriftstückes verursacht.

Schiefe Abdrücke der Typen kommen auch bei den Maschinen mit strahlenförmiger Anordnung der Stosshebel vor (Empire oder Adler und Granville). Hier ist nur die mittlere Type gerade, d.h. senkrecht zur Papierfläche abdruckend, während die seitlich liegenden unter einem schiefen Winkel aufschlagen und dieselbe Erscheinung, wie oben bemerkt, herbeiführen können.

Es ist also darauf zu achten, dass die Typen immer in genau senkrechter Richtung aufs Papier treffen, und dass die Kollisionsstrecke möglichst kurz ist, oder dass die Kollision höchstens seitlich, aber nie in der Weise stattfindet, dass eine Beschädigung der Typen stattfinden kann.

Textabbildung Bd. 316, S. 767

Eine solche Typenbahn hat z.B. die Yost-Maschine (Fig. 20), woraus ersichtlich ist, dass die Typen sich gegen den Treffpunkt hin nur seitlich, aber niemals mit der Druckfläche treffen können, und genau senkrecht abdrucken. Eine Beschädigung der Typenstempel ist nur dann möglich, wenn etwa ein Typenhebel durch zufällige Verbiegungen oder Beschädigungen eine unrichtige Form erhalten haben und die Type an der Führungstülle anschlagen würde. Diese Erscheinung ist aber sofort zu beseitigen, indem dem Hebel die richtige Form wiedergegeben und die Type durch eine neue ersetzt wird.

Die Auswechselung beschädigter oder durch natürliche Abnutzung unbrauchbar gewordener Teile ist eines der wichtigsten Erfordernisse eines technischen Gebrauchsgegenstandes. Auswechseln lässt sich bekanntlich jeder Teil jeder Maschine, es fragt sich nur, ob leicht und einfach oder schwierig und umständlich, und durch wen. Je leichter und einfacher die Auswechselung geschieht, so dass sie durch den Benutzer der Maschine selbst ohne Umstände geschehen kann, desto vorteilhafter ist die Maschine.

Auch hier zeigt sich nun wieder der Vorteil derjenigen Maschinen, bei welchen an einem Hebel nur eine einzige Letter angebracht ist, gegenüber denjenigen, welche zwei oder mehr Lettern an einem Hebel tragen.

Wenn bei einer Maschine der letzteren Art nur eine einzige Letter beschädigt ist, so müssen die beiden oder sämtliche auf einem Stempel vereinigten Lettern zugleich mitausgewechselt werden, um nur die eine zu ersetzen.

Bei Rotationsmaschinen muss entweder ein ganzer Typensatz durch einen neuen ersetzt oder die eine Type künstlich ausgeschnitten und eine neue eingefügt, eingekittet oder gelötet werden, was der Schreiber niemals selbst machen kann1).

Aber auch bei denjenigen Maschinen, bei welchen eine oder nur wenige Lettern auf einem Stempel vereinigt sind, welcher nur abgenommen und durch. einen neuen Stempel, dieselben Lettern enthaltend, ersetzt werden muss, kann dies vielfach nur durch Loslöten und Frischauflöten des neuen Stempels geschehen, was ebenfalls für den Laien unmöglich ist.

Bei vielen Maschinen, namentlich der Remington-Gruppe, ist die Auswechselung einfacher. Die Typen sind mit konischen Zapfen in die an dem Hebel angebrachte Oese einfach eingesteckt und eingetrieben. Diese Stempel lassen sich leicht herausnehmen und die Ersatzstempel auf gleiche Weise wieder einstecken und eintreiben, wozu kleine Instrumente von den Fabrikanten geliefert werden.

Nachdem der neue Stempel eingesetzt ist, ist aber die Arbeit noch nicht vollendet, denn jetzt steht die Type noch lange nicht an der richtigen Stelle, wenigstens bei denjenigen Maschinen, die keinen Typenschluss im Anschlag haben. Der Typenhebel muss nun so lange gebogen und gerichtet, unter Umständen auch das Lager justiert werden, bis die Type wieder die richtige Stellung hat. Ist dies schon etwas umständlich bei einfachen Typen, so vergrössert sich die Arbeit nicht unbedeutend, wenn auf dem Stempel mehrere Typen angebracht sind.

Die leichte Auswechselbarkeit beschädigter Typen vereinfacht die ungestörte Inbetriebhaltung der Maschine sehr, es ist also zu ersehen, wie wichtig die Forderung ist, dass eine Maschine so gebaut sei, dass jeder Hebel nur eine Type enthält und dass diese eine Type im Anschlag genau geschlossen ist, denn in diesem Falle braucht nur die beschädigte Type herausgezogen und an ihre Stelle eine neue gesetzt zu werden. Die richtige Stelle erhält die neue Type durch den ersten Einschlag in die Führungstülle. Diese Einrichtung hat nur die Yost-Maschine.

Färbung mittels Farbbändern.

Die Frage über die Farbe der Schrift ist eine der wichtigsten für den Schreibmaschinenbau.

Es ist schon eingangs erwähnt, dass das erste und einfachste Mittel, die Spur der Typenanschläge auf dem Papier durch färbende Abdrücke festzuhalten, d.h. bleibende Schrift auf dem Papier zu erzeugen, darin gefunden wurde, dass ein Farbband zwischen Papier und Type an der Druckstelle vorbeigeführt wurde. Diese Einrichtung ist heute noch bei den meisten Schreibmaschinen angewendet, keineswegs aber deswegen, weil diese die beste Art ist, sondern einfach aus dem Grunde, weil eine andere Methode, Typenabdrücke hervorzurufen, den Herstellern und Erfindern von Schreibmaschinen zu schwierig erschien.

Auch die Bandfärbung stellt, um mit einiger Vollkommenheit zu arbeiten, an den Konstrukteur verschiedene Aufgaben, die nicht immer mit Glück gelöst worden sind.

Das Farbband muss während des Schreibens an der Druckstelle vorbeigeführt werden, damit immer neue Stellen des Bandes für den Abdruck bereit sind, denn wenn das Band immer nur an einer Stelle bleiben und Farbe abgeben müsste, so würde die Farbe sehr bald erschöpft und das Gewebe des Bandes würde durch den wiederholten Anschlag der scharfen Typen sehr bald zerstört werden.

Die Vorbeibewegung des Bandes geschieht meistens dadurch, dass das auf Spulen gewickelte Band in der Weise von einer auf die andere Spule übergeführt wird, dass eine der Spulen in Umdrehung versetzt wird. Diese Umdrehung der Spulen wird bei den meisten Maschinen dadurch bewirkt, dass der Schlitten oder Wagen durch seine ruckweise Bewegung zugleich die Spule antreibt. Die Umdrehung darf jedoch nur soweit fortgesetzt werden, bis das Band an seinem Ende angelangt ist. Sobald dieser Zeitpunkt erreicht ist, muss das Band wieder rückwärts bewegt werden, d.h. es muss von jetzt ab die nunmehr leere Spule in Umdrehung versetzt werden. Dies geschieht meistens durch eine Ausrückung mittels eines Tastendrucks oder einer kleinen Hebelstellung, wodurch der Schlitten seine Bewegung auf die Achse der anderen Spule überträgt.

In anderen Fällen wird die Spulenumdrehung durch den Tastenanschlag bewirkt, indem die Auslösevorrichtung des Schlittens mit einer Sperrklinke in Verbindung tritt, welche in ein Sperrrad an der Spulenachse eingreift. Auch hier wird die Umstellung nach Ablaufen des Bandes durch Ausrückung besorgt. Neuerdings haben verschiedene Schreibmaschinen eine Vorrichtung erhalten, um diese Ausrückung bezw. Umstellung der Bandbewegung selbstthätig zu bewerkstelligen, indem das abgelaufene Band

1)

Die Auswechselung des ganzen Typensatzes bildet übrigens in gewissen Fällen wegen der Verschiedenheit der Schriftarten, welche in einer Maschine benutzbar sind, einen Vorteil, der nur diesen Maschinen bis jetzt eigen ist.