Text-Bild-Ansicht Band 316

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Es tritt nun die viel erörterte Frage auf, ob diese sehr einfache und natürliche Art der Färbung auch wirklich so zweckmässig ist.

Die Vorteile der Kissenfärbung gegenüber der Bandfärbung sind einleuchtend.

1. Fallen alle die sehr misslichen mechanischen Vorrichtungen zum Transport des Farbkörpers vollständig weg, die Maschine wird bedeutend einfacher und ist daher weniger Störungen ausgesetzt.

2. Die Handhabung wird leichter, denn alle die Kräfte, welche zum Betriebe jener Transportvorrichtung dienen, bleiben erspart.

3. Der Betrieb einer Maschine ohne Band ist auch deshalb einfacher und ungestörter, da keine Sorge für den richtigen Gang der Bandvorrichtung nötig ist.

4. Die Schrift wird scharf und rein, weil zwischen Type und Papier kein fremder Körper liegt, durch dessen Struktur hindurch die Formen der Stempel erst durchgeschlagen werden müssen. Die Formen der Stempel geben nur die an ihnen haftende Farbe einfach ans Papier ab.

5. Die Typen werden nicht mit Fasern ausgefüllt, das ewige Putzen und Ausstochern der Typenhöhlungen fällt gänzlich weg.

6. Eine Störung durch Zerschlagen der Bandfasern oder Durchlöchern des Bandes kann ebenfalls nicht vorkommen.

7. Die Gefahr einer Verbiegung der Typenhebel durch fortwährendes Bürsten und Kratzen an den Typen fallt weg.

Welches können nun die Nachteile der Kissenfärbung gegenüber der Bandfärbung sein?

1. Der Bau von Maschinen, deren Hebel sich zweckmässig so bewegen, dass sie selbstthätig gefärbt werden, ist schwieriger und erfordert mehr Erfindungswitz, als der Bau von Bandmaschinen, bei welchen die Färbungsart einfach nach vorhandenen Mustern gemacht werden kann.

2. Die Herstellung der Farbkissen erfordert eine besondere Aufmerksamkeit wegen der gleichmässigen Verteilung der Farbe, so dass alle Stempel gleichmässig gefärbt werden.

3. Die Farbkissen müssen ihre gleichmässige Feuchtigkeit möglichst lange erhalten, damit sie nicht zu früh unbrauchbar werden.

Die Einwendungen, welche sich aus dem Nichtvorhandensein dieser Erfordernisse ergeben, treffen jedoch nicht für alle Kissenmaschinen zu. Es ist richtig, dass der schwierigere Bau der Kissenmaschinen dazu geführt hat, dass deren Zahl bis jetzt nicht sehr gross ist, und dass auch mit einer Ausnahme, nämlich der Yost, die Aufgabe nicht ganz glücklich gelöst wurde, weil entweder zur Segmentanordnung der Hebel oder zur Typenradanordnung gegriffen worden ist, welche Konstruktionen, wie früher gezeigt worden ist, unvollkommen sind.

Was sodann die gleichmässige Färbung der Typen anbelangt, so ist diese Aufgabe ebenfalls, mit Ausnahme der Yost, meistens noch nicht befriedigend gelöst.

Das Stempelkissen, von welchem die Typen ihre Farbe erhalten, muss die Farbe gleichmässig verteilt enthalten, denn nur auf diese Weise ist es möglich, gleichmässige Abdrücke zu erzielen. Die Farbkissen bestehen meistens aus Filz oder filzigen Körpern, die mit Farbe getränkt oder bestrichen werden. Je dicker und elastischer der schwammige Körper ist, welcher die Farbe enthält, desto vorteilhafter geschieht die Farbausgleichung, und desto länger enthält das Kissen an einer Stelle gleichmässig Farbe. Je dünner der farbhaltende Körper, desto eher ist die darin haftende Farbe verbraucht, desto öfter muss die Farbe erneuert werden.

Nun ist eine der häufigsten Befürchtungen bei der Erwägung hinsichtlich der Farbkissenmaschinen die, dass Buchstaben, welche häufiger als andere gebraucht werden, folgerichtig auch mehr Farbe aufbrauchen als andere, und da sie die Farbe von dem Farbkissen holen, dem Farbkissen mehr Farbe entziehen als andere Lettern, welche nur selten gebraucht werden. Dies trifft vollkommen zu. Bei solchen Farbkissen maschinen, bei welchen das Farbkissen unveränderlich fest liegt, so dass jede Type immer nur an einer Stelle Farbe entnimmt, ist anzunehmen, dasseben an dieser Stelle des Farbkissens, an welcher ein häufig gebrauchter Buchstabe aufliegt, die Farbe eher erschöpft sein wird als an einer anderen, und die Folge würde sein, dass nach längerem Gebrauch alle die häufiger gebrauchten Typen weniger Farbe erhalten und deswegen weniger satt abdrucken würden als andere, die weniger oft gebraucht werden, und somit die Schrift ungleichmässig gefärbt erscheinen würde. Dies ist allerdings dann der Fall, wenn der farbhaltende Körper dünn, wenig elastisch und wenig porös ist, und wenn die Farbe nur in der obersten Schicht aufgetragen ist.

Es ist leicht einzusehen, dass die Schwierigkeiten und Nachteile, welche bei Farbkissenmaschinen auftreten, nur solche sind, welche bei der Herstellung solcher Maschinen zu überwinden sind, und welche denjenigen, der die Maschine benutzt, vollkommen unberührt lassen, sofern nur die Herstellung eine genügende ist, während alle die Nachteile der Bandmaschine sowohl den Hersteller wie den Benutzer der Maschine, und zwar diesen fortwährend treffen, auch wenn die Maschinen und das Band noch so gut hergestellt sind.

Unter den Farbkissenmaschinen ist nun allerdings eine, welche den vorstehend beschriebenen Anforderungen vollkommen entspricht, und die angedeuteten Mängel ebenso vollkommen zu beseitigen vermocht hat. Es ist die Yost-Maschine, welche als die einzige vollkommene Farbkissenmaschine bis heute gelten kann, und daher einer besonderen Erwähnung bedarf. Die Yost ist eine Vollkreistypenhebelmaschine mit genau geschlossenen Typen im Anschlag, mit Volltastatur und allen Erfordernissen einer vollkommenen Schreibmaschine, sie entbehrt aus Rücksicht für die besondere Art der Färbung keines derjenigen Vorteile, welche eine erste Maschine auszeichnen, und besitzt ausserdem eine tadellose Kissenfärbung.

Das Farbkissen der Yost besteht nämlich aus einem Filzkörper von 1 qcm Querschnitt und einer Länge, welche dem Umfang des Kreises entspricht, in welchem sämtliche Typen in Ruhelage sich befinden. Dieser Filzkörper ist in einem Blechring eingeschlossen, der den Filz von drei Seiten umgibt und nur die eine innere Fläche frei lässt, welche den Typen zugewendet ist. Auf diesem offenen Filzkörper liegen nun sämtliche Typen in Ruhestellung auf und berühren beständig mit ihrer Schriftseite die Fläche des beständig feuchten Filzkörpers, so dass sie beständig gefärbt sind und nach Abgabe der Farbe ans Papier beim Zurückfallen auf den Filz sofort Farbe für den nächsten Gebrauch erhalten. Da nun der ganze, 1 qcm dicke im Vakuum imprägnierte Filzkörper vollkommen mit Farbstoff angefüllt ist, so ist für die Färbung jeder einzelnen Type eine so grosse Farbmenge vorhanden, dass es schon mehrerer Millionen Anschläge bedürfte, um all die Farbe durch wiederholte Abdrücke der den Farbkörper berührenden Type zu verbrauchen, welche sich in der 1 cm dicken Schicht des Farbkörpers hinter der Type befindet.

Nun aber ist klar, dass nicht die ganze Fläche des Typenkegels Farbe verbraucht, sondern nur eben die geschnittene Form des Schriftzeichens und ferner, was das Wichtigste ist, dass beim Zurückfallen der Type auf den elastischen Filz der letztere zusammengedrückt und bei der darauf folgenden Ausdehnung vermöge der Kapillarität des Filzes wieder Farbe aus den unten- und umliegenden Teilen des Filzkörpers nachzieht. Endlich aber gleicht sich die ganze Farbmasse des ganzen Filzes selbst dann nach einigem Stehen wieder aus, wenn wirklich durch anhaltendes Arbeiten an einer Stelle viel Farbe entnommen worden ist, so dass schon am nächsten Tage die vielgebrauchte Stelle wieder vollkommen gesättigt ist.

Auf diese Weise ist die, vielen merkwürdige, Thatsache zu erklären, dass solche Filzringe von Yost-Maschinen nicht bloss viele Monate, sondern in manchen Fällen ½, 2 und sogar 3 Jahre, ja, in einem beobachteten Falle 6 Jahre lang gleichmässig Farbe abgegeben haben.

Die Befürchtung eines ungleichmässigen Färbens ist daher vollständig unbegründet.

Von den Farbkissenmaschinen, welche noch zu erwähnen sind, ist die Williams zu nennen, deren Farbkissen ebenfalls einen porösen Körper bildet, der aber