Text-Bild-Ansicht Band 316

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während es bei Wasserhaltungsmotoren genügt, dass der Ungleichförmigkeitsgrad nicht grösser als etwa 1 : 75 wird. Trägt man bei der Anordnung der Pumpe und Elektromotor nur den erwähnten Anforderungen Rechnung, so ist die weitere Disposition nicht zum wenigsten durch die Art des Wasserzuflusses bedingt. Ist die Wasserzuführung eine stetige, so können die Pumpen ohne Veränderung ihrer Leistungen, d.h. ihrer Tourenzahlen, gleichmässig betrieben werden. In diesem Falle wird man sie an das allgemeine Kraftnetz anschliessen und wäre allerdings eine Regulierung der Tourenzahlen so gut wie ausgeschlossen, da dieselbe nur durch Widerstände und demnach mit beträchtlichen Energieverlusten erfolgen könnte. Ist der Wasserzufluss ein stark wechselnder, so würde man kleinere Wasserhaltungen oft zur Zeit geringerer Zuflüsse stundenweise stillstehen lassen müssen. Bei grösseren Anlagen ist dies nun aber nicht immer durchführbar. In diesem Falle ist es sehr zu empfehlen, eine wie in Fig. 17 dargestellte Anordnung zu treffen. Diese Ausführung findet also speziell nur für veränderliche Tourenzahlen Verwendung und soll nur als Unterlage zur Projektierung dienen und sei bemerkt, dass natürlich bei jeder Projektierung kleine Verschiedenheiten unvermeidlich sind.

In der Maschinenstation über Tage wird für den Pumpenmotor eine besondere Primärdynamo aufgestellt, für welche eine besonders angetriebene Erregermaschine vorzusehen ist. Soll nun die Tourenzahl der Pumpe und des Motors unter Tage verringert werden, so ist es nur nötig, die Umdrehungszahl der Primärdampfmaschine entsprechend zu verändern, und wird in dieser Weise eine Aenderung der Tourenzahl ohne irgend welche Energieverluste erreicht. Es ist selbstverständlich, dass eine derartige Anordnung sich nur für Motor- bezw. Pumpengrössen eignet, welche die Aufstellung eines besonderen Primäraggregates und getrennte Schachtleitung rechtfertigen. Im allgemeinen kann man annehmen, dass dies bei Wasserhaltungen von 400 PS und mehr zutrifft, da sich für die Zentrale nur meistens besondere Aggregate mit diesen Leistungen als vorteilhaft erweisen. Für kleinere Motorleistungen ist es jedenfalls vorzuziehen, den Anschluss an das allgemeine Netz als vorteilhafter zu acceptieren, und geschieht alsdann die Regulierung wie bei jedem anderen Motor durch entsprechende Anlasswiderstände u.s.w. Ob nun die eine oder andere Anordnung gewählt wird, jedenfalls soll das Anlassen der Motoren unter Tage erfolgen. Zu diesem Zwecke ist es nun zu empfehlen, den Motor mit Schleifringen und einem Anlasser zu projektieren. Die Mehrkosten hierfür gegenüber den Motoren mit reinem Kurzschlussanker sind in Wirklichkeit ganz unbedeutend. Dagegen bietet diese Anlage vor allem eine grössere Sicherheit, indem der Maschinist unter Tage die Anlage sofort selbst stillsetzen kann, während sonst erst an die Station über Tage telephoniert werden müsste. Ausserdem macht sich, falls etwa mehrere Pumpen ihren Antrieb von derselben Primärdynamo erhalten, eine unangenehme Abhängigkeit der einzelnen Wasserhaltungen voneinander fühlbar, indem es nötig wird, wenn eine Pumpe bereits im Betriebe ist, diese erst stillzusetzen, um dann mehrere gleichzeitig anzulassen.

Diese Unannehmlichkeiten fallen natürlich fort, wenn jeder Wasserhaltungsmotor unter Tage mit einer Anlassvorrichtung versehen wird, und ist es dabei gleichgültig,ob derselbe aus einem Netz oder von einer besonderen Dynamo gespeist wird. In jedem Falle ist es jedoch vorteilhaft, eine gut funktionierende Telephonanlage vorzusehen. Ausserdem ist zu beachten, dass in der Primärstation Heissdampf verwendet werden kann, da keine lange Schachtleitung mehr wie bei unterirdisch angeordneten Dampfwasserhaltungen nötig ist. Für die gesamte elektrische Anlage kann man im Durchschnitt einen Nutzeffekt von 0,8 annehmen, da die Dynamo einen Wirkungsgrad von etwa 0,92, die Kabel 0,96 und der Motor 0,9 aufzuweisen hat. Setzt man nun noch für die schnelllaufenden Pumpen einen Wirkungsgrad von 0,8 und für die Dampfmaschine etwa 0,85 ein, so ergibt sich der durchschnittliche Gesamtwirkungsgrad einer Wasserhaltung zu etwa 0,55% einschliesslich sämtlicher Maschinen. Um einen Vergleich zwischen Dampf- und elektrischen Wasserhaltungen zu bilden, seien deren Eigentümlichkeiten angeführt.

Textabbildung Bd. 316, S. 798

Beim Stillstand benötigen die elektrischen Wasserhaltungen keinen Dampf, während bei Dampfwasserhaltungen auch während der Ruhepausen stets die ganze Rohrleitung unter Dampf gehalten wird. Die beim wechselnden Betrieb hieraus entstehenden Kondensationsverluste sind nicht zu unterschätzen und verschieben das Verhältnis weiterhin zu Ungunsten der Dampfwasserhaltungen. Ferner stellen sich die Unterhaltungskosten bei elektrischem Antrieb wesentlich billiger als bei Dampfwasserhaltungen oder hydraulischen Wasserhaltungen. Berücksichtigt man noch, dass die Abnutzung der Drehstrommaschinen und Motoren minimal ist, da sie sich nur auf den Kollektor der Erregermaschine, die Schleifringe der Motoren und die Lager beschränkt, während man eine solche minimale Abnutzung bei Dampfwasserhaltungen zu behaupten nicht berechtigt ist, so kann man annehmen, dass die Unterhaltungskosten für eine elektrische Wasserhaltung kaum ein Zehntel derjenigen, welche für Dampfwasserhaltungen aufgewendet werden, betragen können.

Des weiteren kommen bei gut verlegten Kabeln etwaige Unterhaltungskosten auf Jahre hinaus nicht in Frage. Dahingegen erfordern die Dampfleitungen auch bei der vorzüglichsten Verlegung jährlich grössere Beträge für Unterhaltungskosten, und ist nicht zu vergessen, dass diese jährlich steigen. Ausserdem ist man durch die Entwickelung einer feuchten Wärme, welche auf die Schachtzimmerung schädlich einwirkt, unbedingt genötigt, eine viel grössere Ventilation vorzusehen als bei einer elektrischen