Text-Bild-Ansicht Band 316

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Wasserhaltung. Im übrigen darf man nie die grössere Betriebssicherheit eines Elektromotors gegenüber einer Dampfmaschine oder hydraulischen Motors vernachlässigen. Es wäre wohl einzuwenden, dass ja auch die elektrischen Wasserhaltungen die Dampfmaschine unumgänglich benötigen, da aber eine Konstruktion nie stärker als ihr schwächster Teil ist, so müsste ja die Betriebssicherheit der elektrischen Wasserhaltungen nicht wesentlich grösser sein als die der Dampfwasserhaltungen. Demgegenüber sei aber bemerkt, dass die Zentralisation eines Betriebes unterallen Umständen eine ganz vorzügliche Kraftreserve ergibt, und schon hierdurch die Betriebssicherheit jedenfalls eine grössere ist als beim einzelnen Dampfantrieb der Pumpen. Würde wirklich einmal der Fall eintreten, dass bei einer elektrischen Zentrale für derartige Kraftübertragungen mehrere Aggregate betriebsunfähig würden, dann wäre immer noch der Betrieb durch Einschränken der weniger wichtigen Betriebe aufrecht zu halten, und ist demnach eine vollständige Stockung des Betriebes wohl kaum zu befürchten.

Die Schreibmaschine vom Standpunkt der Zweckmässigkeit ihrer Konstruktion.

(Fortsetzung von S. 764 d. Bd.)

Von A. Beyerlen, Ingenieur.

Ueber den Gebrauch der Schreibmaschinen.

Betriebskraft, elektrische Maschinen.

Die motorische Kraft, welche die Schreibmaschine in Betrieb setzt, ist die menschliche Muskelkraft. Versuche, diese zu entlasten bezw. zu unterstützen, durch Verwendung von Elektrizität, haben den Bau elektrischer Schreibmaschinen, auch pneumatischer Maschinen veranlasst. Was bis jetzt auf diesem Wege erreicht worden ist, ist so unbedeutend und so wenig vollkommen und befriedigend, dass es hier kaum erwähnt zu werden verdient; auch haben diese Versuche gelehrt, dass der Aufwand für Anbringung der Einrichtung für elektrischen Betrieb und der Stromverbrauch, sowie die Umständlichkeit, welche ein solcher Betrieb wegen der dazu erforderlichen Stromquelle erfordert, durchaus nicht im Verhältnis zu dem gehofften Nutzen steht, um als zweckmässige Verbesserung zu gelten.

Denn die Finger des Schreibers müssen doch die Tasten niederdrücken und sei es auch nur, um den Kontakt der einzelnen Stromleitungen herzustellen. Die Meinung, als ob ein sehr kurzer Tastentiefgang mit sehr geringer Federspannung ein Vorteil wäre, ist irrig. Die Taste muss, wie schon gezeigt, erstens einen Weg machen, welcher in einem angemessenen Verhältnis zur Hebellänge der Finger des Schreibenden steht, nicht zu gross, aber auch nicht zu klein, denn die Ausführung jedes Tastenniederdruckes muss dem Schreiber in demselben Mass zum Bewusstsein kommen, wenn auch nur reflexartig, in welchem ihm auch die Vorstellung des geschriebenen oder nur gedachten Schriftzeichens zum Bewusstsein kommt. Ist aber der Tastentiefgang zu seicht und die darauf verwendete Anschlagskraft zu gering, so prägt sich die auf die Herstellung des einzelnen Schriftzeichens verwendete Arbeit nicht genügend in der Vorstellung des Schreibers aus, beim schnellen Schreiben verliert der Schreiber die Kontrolle über seine Thätigkeit.

Auch ist in diesem Falle von einer Entlastung der arbeitenden Fingermuskeln deswegen nicht die Rede, weil bei den schwach gespannten seichten Tasten ein wesentlicher Faktor für die Leichtbeweglichkeit der Finger verloren geht, nämlich die rückfedernde Kraft, welche die plötzliche Umkehr in der Kraftrichtung beim Heben der niedergedrückten Finger bewirkt. Fällt diese rückfedernde Kraft fort, so muss ein besonderer Muskelreiz aufgewendet werden, um den Finger nach erfolgtem Niederdruck wieder zu heben, während die rückfedernde Taste die Rückbewegung von selbst einleitet.

Dasselbe ist der Fall bei pneumatischen Maschinen, wenn der Tastendruck nur das Oeffnen oder Schliessen von Luftwegen bewirkt. Es wird daher auf diesem Wege nur etwas Brauchbares erreicht werden, wenn Tiefgang und Spannung dieselbe bleibt wie bei den jetzigen guten Maschinen, angemessen gestellt oder justierbar. Dann ist aber ein Grund zur Einschaltung einer anderweitigen Motorkraftals derjenigen der Muskeln nicht einzusehen, weil eben gerade die den Fingern angemessenste Kraftäusserung vollkommen genügt, um den nötigen Typendruck zu erzeugen.

Es könnte sich höchstens darum handeln, für einen stärkeren Anschlag, wie er beispielsweise bei der Herstellung vieler Durchdruckskopien oder von sogen. Stenzils (Schablonen) für das mimeographische Verfahren erforderlich ist, eine Erleichterung zu schaffen. Diese Verwendungsart der Schreibmaschinen ist aber doch eine nur in gewissen Grenzen vorkommende, so dass sich allein für diesen Zweck eine Verteuerung der Maschinen um das Doppelte der sonstigen Anschaffungskosten kaum lohnt. Deswegen haben nach Ansicht des Verfassers alle Versuche zur Herstellung elektrischer Schreibmaschien wenig Aussicht auf Erfolg.

Unterricht im Maschinenschreiben.

Aus dem Vorstehenden wie aus dem früher Gesagten lässt sich leicht erkennen, dass der mehr oder weniger zweckmässige Betrieb von Schreibmaschinen im engsten Zusammenhang mit deren mechanischem Bau steht, und dass dieser Zusammenhang bei der Erlernung des Schreibens auf der Maschine gebührend beachtet werden muss. Derjenige, welcher eine Schreibmaschine in Verwendung nimmt, muss also, falls er selbst schreibt, sich gehörig mit den Eigenschaften der Maschine vertraut machen, mindestens sollte er die wichtigsten Konstruktionsteile der Maschine und die Art, wie die Arbeit der Maschine geleistet wird, kennen oder kennen zu lernen sich bemühen. Thut er das nicht oder sieht er nicht darauf, dass diejenigen Personen, welche die Maschinen in seinem Dienste handhaben, solche Kenntnisse speziell derjenigen Maschine haben oder erwerben, welche er eingeführt hat, so ist die Folge die, dass die Maschine unrichtig behandelt wird, und dass Störungen eintreten, die sich vergrössern und wiederholen, je mehr der mit der Maschine nicht Vertraute versucht, die Störungen durch ungeeignete Eingriffe in die Maschine selbst zu beseitigen.

Daraus hat sich die Notwendigkeit eines fachkundigen Unterrichtes ergeben, aber nicht bloss daraus, sondern auch daraus, dass viele, welche die Absicht haben, sich berufsmässig mit Maschinenschreiben zu befassen, nicht im Besitz einer Maschine sind. Letzterer Umstand ist der häufigere und es ist daher nicht zu verwundern, dass bis jetzt der Schreibmaschinenunterricht seine Aufgabe für erfüllt ansah, wenn nur der Lernende dadurch in die Lage gesetzt wird, eine Maschine, gleichgültig welche, unter die Finger zu bekommen, mag er damit fertig werden wie er will. Es ist daher leicht einzusehen, dass ein solcher Unterricht wenig oder gar keinen Wert hat.

Bei näherer Erwägung ergibt sich auch die Notwendigkeit, dass der Unterricht in einer Klasse nicht mit Maschinen verschiedener Konstruktion gegeben werden soll, sondern