Text-Bild-Ansicht Band 316

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der Stange f soweit nach abwärts, dass die Auslösung der Abfallscheibe g erfolgt, in welchem Augenblicke das Fangnetz auch schon jene Lage erhalten hat, welche Fig. 1 kennzeichnet. Die Rückstellung der Schutzvorrichtung erfolgt einfach dadurch, dass der Wagenführer die Stange f wieder so weit hochzieht, bis die Feder der Abfallscheibe g einschnappt.

Hinsichtlich dieser Wilson und Bennett'schen Anordnung lässt sich in der That nicht in Abrede stellen, dass sie alle Eignung besitzt, namentlich beim Ueberfahren von Personen gute Dienste zu leisten, wenn sie seitens des Wagenführers mit Ueberlegung benützt und rechtzeitig angewendet wird. Was jedoch die selbstthätige Wirksamkeit anbelangt, so kann das gelegentlich einer Besprechung dieses Gegenstandes in der Revue industrielle über das Wilson und Bennett'sche Sicherheitsnetz zum Ausdruck gebrachte, optimistische Urteil kaum ohne Vorbehalt hingenommen werden, denn die erst kürzlich hier des näheren beleuchtete, gefährliche Möglichkeit (vgl. S. 703), dass beispielsweise eine vom Wagen niedergestossene Person mit einer Hand oder einem Fusse zwischen den Geleiseboden und den Fangnetzrahmen gelangt, bevor der letztere seine tiefste Lage erreicht hat, erscheint keineswegs ausgeschlossen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür bei der in Rede stehenden Vorrichtung weniger naheliegend als bei den meisten ähnlichen Anordnungen.

Automobilausstellung in Kopenhagen.

In der Zeit vom 11. bis 27. April 1902 wird vom Dänischen Automobilenklub und dem Industrieverein zu Kopenhagen in den Ausstellungslokalen des letzteren eine Automobilausstellung veranstaltet werden.

Diese Ausstellung, welche hauptsächlich Automobilen für Luxus- und Nutzgebrauch umfassen wird, kann in einem minderenUmfange auch Raum für Motorfahrräder und zur Automobilenfahrt gehörige Gegenstände geben.

Beteiligung an der Ausstellung findet unter folgenden Bedingungen statt, dass:

von den Ausstellern keine Platzmiete oder andere Abgaben verlangt werden, das im Industrieverein vorhandene Material an Vitrinen und Tischen zu freier Verfügung gestellt wird, die ausgestellten Gegenstände in der Ausstellungszeit vom Ausstellungscomité gegen Feuersgefahr versichert gehalten werden, das Comité die durch die allgemeine Aufsicht mit den ausgestellten Gegenständen verursachten Ausgaben bestreitet, dagegen aber keine Verantwortung für eventuellen Schaden, welche dessenungeachtetentstehen oder für eventuelle Verluste durch Diebstahl übernimmt, das Comité dafür Sorge tragen wird, dass Ausstellungsgegenstände, welche nach beendeter Ausstellung wieder ausgeführt werden, zollfrei eingeführt werden können,

so dass die Aussteller ausser den Ausgaben zur Herbeischaffung der Gegenstände und des speziellen Installationsmaterials nur diejenigen Kosten zu tragen haben, welche durch Transport an und von dem Ausstellungslokal, Auspacken, Aufstellung, Herabnehmen und Einpacken, sowie durch die von den Gegenständen erforderte besondere Bedienung und das Reinhalten verursacht sind.

Anmeldungen zur Teilnahme an dieser Ausstellung mit möglichst ausführlichen Darstellungen über die Art, die Grösse, den Preis u.s.w. der Gegenstände, am besten durch Illustrationen erläutert, sind an das Comité der Ausstellung zu senden unter Adresse: „Der Industrieverein, Kopenhagen, B.“ vor dem 15. Januar 1902, wonach im Laufe des Monats Februar Mitteilung vom Umfang, in welchem die eingegangenen Anmeldungen angenommen sind und von der Zeit, zu welcher die Ausstellungsgegenstände hier sein müssen, gegeben wird.

Bücherschau.

Électricité et Optique von H. Poincaré, deuxième edition, revue et complétée. Paris 1901. Carré et Naud.

Hervorgegangen aus Vorlesungen, welche der weit bekannte Verfasser in den Jahren 1888, 1890 und 1899 über elektromagnetische Lichttheorien an der Sorbonne hielt, enthält das Werk eine erschöpfende Wiedergabe der seit Maxwell ausgearbeiteten Lichttheorien; obgleich aus diesem Grunde die Lektüre des Buches die Kenntnis höherer mathematischer Theoreme (Lagrange'sche Gleichungen, Stokes'scher Satz, partielle Differentialgleichungen) erfordert, ist die Diskussion der physikalischen Grundlagen mit grosser Anschaulichkeit und Klarheit durchgeführt; in dankenswerter Weise ist namentlich auch mit Erfolg versucht, jene Begriffe der Maxwell'schen Theorie physikalisch anschaulich darzustellen, welche im Originalwerk Maxwell's dem Leser besondere Schwierigkeiten bereiten.

Nach Aufstellung der wichtigsten Formeln der Elektrostatik (Potential, Poisson'sche Gleichung, Gauss'scher Satz) werden die Maxwell'sche Theorie der elektrischen Verschiebung (S. 14 bis 34), die Poisson'sche Theorie der Dielektrika und ihr Zusammenhang mit der Helmholtz'schen (S. 35 bis 65) und die auf Konduktoren wirkenden Kräfte behandelt. Ein kleines Kapitel über Elektrokinetik gibt die Gesetze des elektrischen Stromes und den Unterschied zwischen Leitungs- und Verschiebungsstrom (S. 77 bis 83). Potential und Feldstärke ausserhalb und innerhalb eines Magneten (S. 84 bis 94), Wirkung von Magneten auf Ströme (S. 95 bis 111) und die Wirkung von Stromkreisen aufeinander, einschliesslich der Induktion (bis S. 148) bilden die letzten Kapitel, welche auf die Ableitung der Gleichungen des magnetischen Feldes vorbereiten, die nun S. 149 bis 154 folgen. An sie schliesst sich die elektromagnetische Lichttheorie Maxwell's (S. 155 bis 191) und die Erörterung der magnetischen Drehung der Polarisationsebene an (S. 191 bis 230), die den ersten Teil des Buches zu Ende führen. Im zweiten Teil sind die elektrodynamischen Theorien von Ampère, Weber und Helmholtz und der Uebergang von der letztgenannten zur Maxwell'schen dargelegt (S. 311 bis 344). Im dritten Hauptteile werden wir mit den neuesten, erst in den letzten Jahren weiter durchgearbeiteten und an verschiedenen Versuchen erprobten Theorien von Hertz und H. A. Lorentz eingehend bekannt gemacht; die Hertz'sche Elektrodynamik erweitert die Maxwell'schen Gleichungen auf den Fall bewegter Körper (S. 363 bis 420). Die Lorentz'sche geht von wesentlich neuen Gesichtspunkten aus, indem sie aus der Hypothese von Elektrizitätsatomen und der Auffassung des Magnetismus als Ampère'scher Molekularströme die Maxwell'schen Feldgleichungen ableitet und führte zu der Voraussage des in den letzten 3 Jahren so wichtig gewordenen Zeemann'schenPhänomens der Aenderung der Lichtemission im magnetischen Felde (S. 423 bis 570). Selbst den allerjüngsten Spekulationen Larmor's ist von Poincaré am Schlusse seines Buches ein Kapitel gewidmet (S. 527 bis 632). Es gewährt somit Poincaré's „Électricité et Optique“ zur Zeit die beste Uebersicht über die existierenden Theorien der magnetischen, elektrischen und Lichterscheinungen und zwar in einer dem Verfasser eigenen klaren und eleganten Form.

Dr. K. Fischer, München.

Die Vermessungskunde – ein Taschenbuch für Schule und Praxis von Prof. Wilhelm Miller. Mit 117 in den Text gedruckten Abbildungen. Hannover 1901. Gebrüder Jänecke.

Unseres Wissens hat es bisher – um es unumwunden zu gestehen – trotz der vielen vorzüglichen Bücher über Geodäsie, welche die deutsche Litteratur aufweist, doch keines darunter gegeben, das nebst den Anforderungen der Schule und des Arbeitszimmers auch den Bedürfnissen des Feldmessers und Topographen bei seiner Thätigkeit im Freien in so umfassenden, gelungenem Masse gerecht worden wäre, wie dies dem vorliegenden, in bescheidenem aber handsamen Format erschienenen und auf engem Raum einen überraschend reichen Inhalt aufweisenden Taschenbuch nachgerühmt werden darf. Dasselbe behandelt in knappster aber durchwegs vortrefflicher Darstellung zuförderst das gesamte Gebiet der Instrumentenlehre und sodann die eigentliche Vermessungslehre, wo sich nebst den Methodenbeschreibungen, den mathematischen Ableitungen und den etwa zugehörigen Zifferntafeln auch noch eine Menge praktischer Winke und Anleitungen finden, die für den ausübenden Techniker besonderen Wert besitzen. Prof. Miller's Taschenbuch der Vermessungskunde wird daher nicht nur den Hörern technischer Lehranstalten, sondern allen bereits im Berufe stehenden Bau- und Eisenbahningenieuren, sowie all den Beamten des Berg- und. Forstwesens, der städtischen oder sonstigen Behörden u.s.w., insoweit dieselben Höhen- oder Planmessungen vorzunehmen haben, oder dem Mappierungsdienste obliegen, einen höchst willkommenen Behelf abgeben, und dasselbe kann als solcher in der That wärmstens empfohlen werden. Selbst der Maschinentechniker findet in den trefflichen Kapiteln „Wassermessinstrumente“ und „Die Wassermessungen“ alle erforderlichen Anhalte für Wasserkraftberechnungen, soweit hierfür die Bestimmungen von Gefällen und Wasserläufen massgebend ist.

L. K.