Text-Bild-Ansicht Band 319

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Die Meissener Tonwaren- and Kunststeinfabriken A.-G. vorm. Fr. Kollrepp in Meissen hatten ebenfalls glasierte Steinzeugwaren für Bauwesen und Landwirtschaft, ferner auch hartgesinterte Belagplatten von grosser Dauerhaftigkeit ausgestellt, sowie Eisenpflasterklinker, Rinnsteine u. dergl. Auch die Fabrikate von Otto Kauffmann in Niedersedlitz bei Dresden schliessen sich hier an, der schöne Nachträgliches Mosaikplatten für den Belag von Anbringen Gangbahnen, Fluren usw., sowie seine Niedersedlitzer Klinkersteine vorführte.

Textabbildung Bd. 319, S. 61

Die grossen Firmen, die weisses Steinzeug liefern, hatten sich Fig. 18. leider an der Dresdener Ausstellung nicht beteiligt, obschon auch hier gewiss manches Interessante zu bieten gewesen wäre. Wir unterlassen nicht, dies ausdrücklich festzustellen, weil anderenfalls die Nichterwähnung der auf diesem Gebiete bekannten Firmen zu unrichtigen Schlüssen würde führen können.

Textabbildung Bd. 319, S. 61

Eine bereits gelegentlich des Internationalen Kongresses für angewandte Chemie erwähnte Neuerung, die allerdings nicht die Abwasserleitungen, sondern Frischwasserleitungen betrifft, konnte der Berichterstatter gelegentlich der Ausstellung – allerdings nicht auf dieser, sondern auf der Fabrik – ebenfalls besichtigen, nämlich die von der Königlichen Porzellan-Manufaktur zu Meissen hergestellten Porzellanrohre für Wasserleitungen. Diese Porzellanrohre haben einen sehr dünnen Scherben, sodass bei ihnen an Porzellanmaterial gespart ist, andererseits aber auch diese Rohre nicht gut freiliegend verwendet werden können. Sie sind deshalb in eiserne Rohre eingesetzt und der Zwischenraum zwischen beiden ist mit Zement vergossen. Die Porzellanrohre sollen bei mittleren Querschnitten für etwa 3000 Mark das km geliefert werden können und verbürgen durch ihre vollständige Widerstandsfähigkeit gegen chemische Einflüsse gänzliche Reinhaltung des durch sie hindurchgeleiteten Trinkwassers. Hierdurch ist nicht nur die Aufnahme von Eisen aus den Leitungsrohren, sondern auch die allmähliche Zerstörung und Verstopfung der Röhren unmöglich gemacht, wie sie bei eisernen Leitungsröhren mit der Zeit eintritt und bei deren längeren Gebrauch sich noch öfter als bisher bemerkbar machen wird.

Unter den Ausstellungen von eisernen Zubehörteilen für Kanalisationsanlagen u. dergl. sind hier namentlich diejenigen der Königin-Marienhütte A.-G. zu Cainsdorf in Sachsen, sowie der Firma Roessemann & Kühnemann zu Reinickendorf bei Berlin zu nennen. Erstere Firma hatte namentlich Hydranten, Wasserleitungsrohre u. dergl. ausgestellt, insbesondere auch die vollständige Ausrüstung einer Hochbehälter-Schieberkammer, in Verbindung mit einem Hochbehälter in Eisen-Betonkonstruktion. Interessant und auch für andere Zwecke zu empfehlen ist hier namentlich die Anordnung an Schiebern, wonach die Weite der freien Schieberöffnung an einer in die Augen fallenden Stelle durch das mehr oder weniger vollständig stattfindende sich Ueberdecken zweier farbiger Platten derart angezeigt wird, dass der Stand des Schiebers dadurch auch von weitem schon erkennbar ist.

Roessemann & Kühnemann führten namentlich die von ihnen als Spezialität hergestellten Bedürfnisanstalten vor.

Auch die Wassermesser der A.-G. vorm. H. Meinecke, Carlowitz bei Breslau, sind hier zu erwähnen. Dieses grosse Werk hat sich ausschliesslich dem Bau von Wassermessern gewidmet und baut diese für die verschiedensten Anwendungsformen und in den mannigfaltigsten Ausführungen, die stets dem besonderen Gebrauchszwecke angepasst sind.

(Fortsetzung folgt.)

Das Schleifen und die Schleifmaschinen.

In der ersten Entwicklungsperiode unseres Grossmaschinenbaues, gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts, waren Schleifstein, Drehbank, Ausbohrwerk und Lochbohrmaschinen die Hilfs- und Werkzeugmaschinen des sog. Ateliers für Maschinenbau, und für dessen Schmiede war Schwanzhammer und Blasebalg die mechanische Ausrüstung. Die grossen Stücke, Zylinder wurden unmittelbar vom Hochofen, die kleineren in zweiter Schmelzung gegossen. Rahmen und Gestelle für grössere Maschinen waren aus Holz gefertigt, mit Bänder und Winkel aus geschmiedetem Eisen verbunden, hohe Standpfeiler und Böcke oft aus Stein gemauert oder die Gebäudemauern selbst unmittelbar als Standgerüst der Maschine gebraucht.

Die Bearbeitung der aufgesetzten Lager und sonstigen Glieder beschränkte sich auf die Laufflächen. Passflächen wurden höchstens am Schleifstein notdürftig abgerichtet; Wellen nur an den Zapfenstellen abgedreht, während der viereckige Schaftteil roh gelassen oder abgeschliffen ward. Ebene Bahnen wurden bei Maschinen durch Lenkerführungen ersetzt und wo die ebene Lauffläche unvermeidlich war, wurde diese, wie bei der Drehbankswange aus Holzbalken mit aufgelegten Flacheisenschienen hergestellt. Wie bekannt, bestanden selbst die ersten Eisenbahnschienen aus Gusseisen.

Alle geraden und ebenen bearbeiteten Teile wurden, um anHandarbeit zu sparen, geschliffen, sonst aber die grosse Drehbank noch zum Ausbohren und Lochbohren ausgiebig benützt.

In jeder alten Maschinenbauwerkstätte war der Schleifstein nicht nur eine wichtige und viel Triebkraft verbrauchende Werkzeugmaschine, sondern er war auch jederzeit die unentbehrlichste Hilfsmaschine für die Instandhaltung der Schneidwerkzeuge selbst, ein Wirkungsbereich, auf welchem derselbe beinahe ein volles Jahrhundert beschränkt blieb, nachdem die eigentlichen Werkzeugmaschinen nach Grösse und Vielseitigkeit in ganz hervorragender Weise ausgebildet wurden. Der Trog-Schleifstein dagegen blieb als Werkzeugmaschine völlig unbeachtet, nur in einzelnen Sonderbetrieben konnte derselbe sich ausnahmsweise zu einer Schleifmaschine entwickeln, im eigentlichen Maschinenbau aber war er der armselige, vernachlässigte Schleifstein. Nur ganz selten wurde die Schleifscheibe als Werkzeug in der Drehbank gebraucht.

Mit dem natürlichen Schleifstein teilte ein volles Jahrhundert ein altes berühmtes Werkzeug, die Feinzahnfräse aus gehärtetem Stahl dasselbe Los. Wenn nicht unmittelbar zum Maschinenbau verwendet, wurde diese doch zur Herstellung der Chubbschlösser gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts als Werkzeug der Metallbearbeitung benützt.

Als nun vor annähernd vierzig Jahren die Bedeutung des