Text-Bild-Ansicht Band 319

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aber ist dieses Unternehmen als der erste Schritt auf dem Wege freudig zu begrüssen, dem in der Praxis stehenden Ingenieur die rechten Wege bei seinem Selbststudium wirtschaftlicher Fragen zu weisen.

Trotzdem muss ich hier hervorheben, dass mir persönlich bei meiner damaligen Anregung ein ganz anderer Plan vorgeschwebt hat, den ich allerdings auch vor den an der Spitze der Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung stehenden Herren zu erläutern Gelegenheit hatte, der aber aus Gründen, die nicht in der Sache liegen, vorläufig nicht zur Ausführung gekommen ist. Zu meiner Freude höre ich indessen, dass dieser wohl als aufgeschoben aber keineswegs als aufgehoben zu betrachten ist, sondern dass vielleicht in späteren Jahren auf meine Anregung zurückgegriffen wird. Der Frankfurter Kursus hat für den in der Praxis stehenden Ingenieur das Unangenehme, dass er einen Urlaub nötig macht, der namentlich in kleineren Geschäften mit beschränkter Beamtenzahl nicht immer zu erlangen sein dürfte, wenn nicht der sonst übliche Erholungsurlaub dafür aufgegeben wird; und letzteres dürfte nicht zweckmässig erscheinen, wenn man sich die grossen, mit einem derartigen Kursus verbundenen geistigen Anstrengungen vergegenwärtigt. Ferner erfordert der Frankfurter Kursus trotz des ausserordentlich geringen Preises für die einzelnen Vorlesungen nicht unerhebliche materielle Opfer, da der Hörer die Reise nach Frankfurt unternehmen und sich zwei Wochen dort aufhalten muss. Diese Nachteile wären bei dem von mir gemachten Vorschlage vermieden worden, wenn auch anderseits der Vortrags-Zyklus in der Form, wie ich ihn befürwortet habe, einen wesentlich geringeren Umfang hätte erhalten können, als man jetzt dem Frankfurter Kursus gegeben hat.

Ich hatte an Kurse gedacht, die in den Industrie-Zentren längere Zeit hindurch, etwa ein viertel oder ein halbes Jahr, stattfinden sollten und deren Organisation so zu gestalten wäre, dass nur geringe Kosten erwüchsen und trotzdem die Ausgaben durch die Einnahmen wenigstens annähernd gedeckt worden wären. Als Dozent sollte, wenigstens zunächst, nur ein einziger in Aussicht genommen werden, der im Mittelpunkt eines derartigen Industriegebietes seinen Wohnsitz zu nehmen hätte. Naturgemäss hatte ich vor allen Dingen an meine augenblickliche Heimat, das Ruhr-Revier, gedacht, das mit seiner dichten Bevölkerung und den vorzüglichen Eisenbahnverbindungen besonders geeignet für die Anstellung eines derartigen Versuches erscheint. Doch dürfte der Hinweis nicht überflüssig sein, dass noch manche andere Gegenden unseres deutschen Vaterlandes ähnliche Verhältnisse zeigen und daher, wenn in Westfalen der Versuch geglückt wäre, auch andere Orte für eine derartige Unternehmung in Aussicht zu nehmen wäre.

Es sollten fünf Städte in Betracht gezogen werden, die so zueinander gelegen sind, dass sie bequem von einer derselben aus, die etwa im Mittelpunkt liegt, hättenerreicht werden können. An einem bestimmten Abend der Woche findet nun in jeder der fünf Städte eine 1 – bis 2stündige Vorlesung statt, deren Anfang natürlich so gelegt werden muss, dass genügend Zeit nach dem orts-| üblichen Geschäftsschluss verbleibt, um bequem bei Beginn der Vorlesung anwesend sein zu können. Die Vorträge haben entsprechend der verhältnismässig geringen zur Verfügung stehenden Zeit nur solche Themata zu behandeln, deren Kenntnis als grundlegend zur Erlangung einer Uebersicht in wirtschaftlichen Fragen zu betrachten ist. Ferner ist dafür zu sorgen, dass an der Hand des Gebotenen durch Selbststudium und Beschäftigung mit der einschlägigen Litteratur ein tieferes Eindringen in die ganzen Fragen, die hier in Betracht kommen, erleichtert wird. Durch die Art der Ankündigung dieser Vorträge muss dafür gesorgt werden, dass ein möglichst gleichartiges Auditorium zustande kommt, da einem solchen naturgemäss in der kurzen Zeit mehr geboten werden kann, als einer Zuhörerschaft, die sich aus den verschiedenartigsten Elementen zusammensetzt. Erleichtert würde die Erreichung dieses Zieles zweifellos dadurch werden, dass man diese Vorträge in Verbindung mit den bestehenden technischen Vereinen unternehmen würde, von deren Mitgliedern sich wahrscheinlich nur die jüngeren beteiligen würden. Die Teilnehmerzahl sollte so festgelegt werden, dass ein Eintrittsgeld von 10-15 Mark für einen etwa zwölf Abende umfassenden Kursus erhoben werden müsste, um die Hauptkosten des Unternehmens zu decken. Es war demgemäss auf eine Teilnehmerzahl von insgesamt 150–200, also 30–40 für jede der beteiligten Städte gerechnet. Der Stoff der Vorträge sollte für alle fünf Orte genau der gleiche sein, und um für den Vortragenden die dadurch unweigerlich bedingte Eintönigkeit seiner Arbeit zu mildern, sollte für diesen der Aufenthalt im Industriegebiet gewissermaassen als Studienreise aufgefasst und ihm die Möglichkeit geboten werden, die wirtschaftlichen Verhältnisse der betreffenden Gegend nach irgend einer besonderen Richtung zur späteren Bearbeitung in einer wissenschaftlichen Arbeit zu studieren. Zeit genug steht diesem Herrn ja zur Verfügung, da nur seine Abendstunden besetzt sind, und die Vorträge selbst vor Beginn des ganzen Kursus eingehend durchgearbeitet sein müssen. Ein kurzes, ungezwungenes Zusammensein, das sich vielleicht an die Vorlesung selbst anschliesst, wird ihm und den Hörern Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch geben, der für beide Teile sich sehr fruchtbar gestalten kann.

Das war so im grossen und ganzen die Organisation des Vortragszyklus, die ich vorgeschlagen habe; und ich wiederhole, dass nach den mir zugegangenen Nachrichten nur ausserhalb der Sache liegende Gründe einstweilen die Verwirklichung des Planes verhindert haben. Ich folge einem Wunsche der Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung, indem ich, wie geschehen, diesen Vorschlag veröffentliche und damit zur Diskussion stelle.

Ueber ein Verfahren zum Betrieb von Gasturbinen.

Von F. Meineke, Diplom-Ingenieur.

Den bisherigen Versuchen, eine Gasturbine zu konstruieren, legte man das Arbeitsverfahren der Gasmotoren zugrunde, indem man ein Gemisch von Brennstoff und Luft bei konstantem Volumen verbrennen liess. Diese Versuche müssen von vornherein als aussichtslos betrachtet Werden, weil das Verfahren einen ununterbrochenen Betrieb und die Erzeugung eines konstanten Druckes ausschliesst; beides sind aber die Vorbedingungen für dasrationelle Arbeiten der Turbinen, welche ja bei konstanter Umlaufszahl auch eine ganz bestimmte, gleichförmige Ausströmgeschwindigkeit oder Druckdifferenz der Arbeitsflüssigkeit verlangen. Ferner erfordert das Verbrennen bei konstantem Volumen einen abgeschlossenen Raum, also auch Ventile, und des periodischen Betriebes wegen Zünder, man vermeidet also gerade diese am meisten zu Störungen führenden Teile nicht.