Text-Bild-Ansicht Band 319

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bliebe, dass ferner für die Druckverteilung auf die Strecke m und insbesondere für die Endpunkte der Schaufeln in A der Punkt 2' im Schaufelende massgebender zu sein scheint als 2 in der Austrittsmitte (Fig. 8).

Textabbildung Bd. 319, S. 819

Ausschlaggebend für diese Ueberlegungen sollen aber die Bremsergebnisse sein, die in folgender Weise mit der Hauptgleichung in Beziehung gesetzt wurden.

(Fortsetzung folgt.)

Die Vorträge vor der sechsten Hauptversammlung der Schiffbautechnischen Gesellschaft.

Die diesjährige Hauptversammlung der „Schiffbautechnischen Gesellschaft“ wurde am 17. und 18. November in der Aula der Technischen Hochschule zu Charlottenburg abgehalten.

In dem ersten Vortrage: „Die Wirbelbildung im Wider Standsmechanismus des Wassers“ schilderte Hr. Professor Dr. Ahlborn aus Hamburg weitere hydrodynamische Untersuchungen, die in ähnlicher, jedoch vollkommenerer Weise angestellt worden sind, wie die im Vorjahre an derselben Stätte beschriebenen.1) Die neueren Untersuchungen behandeln besonders die im Schiffbau in Frage kommenden Verhältnisse. Durch Schleppversuche mit Körpern, die einzelnen Schiffsteilen ähneln, wie Vor- und Rudersteven, wurde gezeigt, wie zweckmässig und nutzbringend es ist, die Vorderkante der Steven zuzuschärfen. Bei Versuchen mit Körpern von kreisförmigem, elliptischem und schliesslich schiffsähnlichem Querschnitt im Wasser entstehende Wirbel sind durch stereoskopische Blitzlichtaufnahmen festgehalten worden und wurden von dem Vortragenden in wohlgelungenen kinematographischen Vorführungen gezeigt. Aus diesen ist zu erkennen, dass die auftretenden Wirbelbildungen und damit der Widerstand, den die einzelnen Körper bei ihrem Fortbewegen durch das Wasser zu überwinden haben, immer geringer werden, je mehr sich die Gestalt der Körper der Schiffsform nähert. Einen noch geringeren Widerstand als diese findet offensichtlich eine beiderseits spitz auslaufende Planke.

Sehr anschaulich sind ferner die Projektionsbilder, die den Einfluss einer mehr oder minder rauhen, benetzten Oberfläche erklären sollen. Es zeigt sich deutlich, dass rauhe Aussenflächen ungleich weitergehende seitliche Wirbelungen erzeugen als glatte, und dass jeder aus der glatten Aussenfläche hinausragende Körper (wie Nietköpfe, vorspringende Plattenkanten usw.) stauende oder saugende Wirbel in dem vorbeistreifenden Wasser hervorruft, die einen unnützen Kraftverbrauch bedingen.

Auch für manche bekannte Erscheinung ist aus den Untersuchungen eine Erklärung zu finden. So für das hinter einem fahrenden Schiff erscheinende glatte Kielwasser. Hr. Professor Ahlborn glaubt dieses auf zurückbleibende Wasserwirbel mit senkrechten Achsen zurückführen zu können. Nach dem physikalischen Prinzip des Kreisels können diese Wirbel durch die seitlichen, um wagerechte Achsen rotierende Wirbel der Wasserwellen erst verdrängt werden, wenn der abflauende Widerstand der Kielwasserwirbel von einer stärkeren Wellenbewegung gebrochen werden kann.

In seinem zweiten Vortrage: „Die Wirkung der Schiffsschrauben auf das Wasser“ bespricht Hr. Professor Ahlborn an Hand photographischer Aufnahmen die Strömungen, die an einer feststehenden, rotierenden Schiffsschraube im Wasser entstehen. Die Aufnahmen sind von drei verschiedenen Standpunkten aus gemacht; sie zeigen die Strömungserscheinungen in der Längsansicht der Schraube, an ihrer Sogseite und an ihrer Druckseite, und zwar nach 1/32, 1/16, ⅛, ½, ¾, 1, 2, 3 und mehr Schraubenumdrehungen. Die Projektionsbilder aller dieser Aufnahmen geben ein anschauliches Bild von dem Entstehen und Fortschreiten der durch die rotierende Schraube hervorgerufenen Stromliniengebilde.

Auch aus diesen Wirbelbildungen wird eine bekannte Erfahrung verständlicher; die an den Flügelrändern auftretenden und während der Rotation verbleibenden, turbulenten Wirbelungen scheinen die Ursache der bekannten Korrosionen des Flügelrandes zu sein.

Im ganzen gaben die Vorträge klare Bilder von den Strömungsgebilden, die an den geschleppten Körpern und der rotierenden Schraube entstehen. Ob und inwieweit aber die an sehr kleinen Modellen und bei nur geringen Geschwindigkeiten angestellten Beobachtungen auf die wirklichen Verhältnisse übertragen werden dürfen, können erst Versuche in grösserem Masstabe lehren. Zur Ausführung dieser und mancher anderen nötigen Untersuchung schlägt der Vortragende die Schaffung einer hydrodynamischen Versuchsanstalt in Hamburg vor.

In dem anschliessenden lebhaften Meinungsaustausch wurden mancherlei Bedenken gegen die vom Vortragenden aus seinen Versuchen gezogenen Folgerungen laut. So wurde es für fraglich gehalten, ob auf dem bei den geschilderten Versuchen eingeschlagenen Wege für die Praxis wirklich wertvolle Ergebnisse erzielt werden könnten.

Besonders gegen den letzten Einwand verwahrte sich Hr. Professor Ahlborn in seinem Schlusswort. Er vertrat darin die Ansicht, dass bei wissenschaftlichen Forschungen der eingeschlagene Weg so lange weiter verfolgt werden müsse, als er noch irgend eine Aussicht auf Vorwärtskommen biete.

Den nächsten Vortrag hielt sodann der durch seine Entdeckungen wohlbekannte Professor Dr. Braun aus Strassburg über: „Neuere Methoden und Ziele der drahtlosen Telegraphie.“ Der Redner gab zunächst einen Ueberblick über die Entwicklung der Sender, die bisher bei der Funkentelegraphie verwendet worden sind, und erklärte an Hand anschaulicher Versuche die elektrischen Vorgänge in ihnen. Dann schilderte er ausführlicher die

1)

s. D. p. J. 1904, 319, S. 95.