Text-Bild-Ansicht Band 324

Bild:
<< vorherige Seite

werden. Im übrigen werden auch die Kosten für die Gleisunterhaltung, die Erneuerung der Bremsklötze, sowie der Verschleiß von Zahnrädern und Laufrädern bei Verwendung der leichteren Wagen wesentlich geringer werden.

Die Höhe der Ersparnisse wird allerdings von verschiedenen Umständen abhängig sein. Sie wird bei häufigem Anhalten und hoher mittlerer Geschwindigkeit, wie beispielsweise bei Hoch- und Untergrundbahnen, sowie beim Vorhandensein großer Steigungen größer sein als bei seltnerem Anhalten und ebener Strecke. Bei jeder Art von elektrischer Personenbeförderung wird sie jedoch einen wesentlichen Betrag ausmachen. (Ayres.) (Electric Railway Journal 1908 Bd. II S. 393–394.)

Pr.

Schienenverbindungen.

Ueber sogenannte „plastische“ Schienenverbindungen, bei denen zur elektrischen Verbindung der Fahrschienen untereinander ein Aluminiumamalgam verwendet ist, welches zwischen Schiene und Lasche in einem Korkring untergebracht ist, werden von der Paterson (N.J.) Railway nach zehnjährigem Betriebe sehr günstige Ergebnisse mitgeteilt. Die kürzlich einer Messung unterzogenen Schienenstöße ergaben eine Leitfähigkeit von drei Vierteln einer entsprechenden Schienenlänge ohne Stoß. Die Besichtigung nach Losnahme der Laschen zeigte, daß die Kontaktstellen sauber und glänzend waren, der Kork sich im guten Zustande befand und daß das Amalgam noch plastisch war.

Auch in Bloomfield waren 12 Jahre alte plastische Schienenverbindungen, die zu den ersten gehören, welche überhaupt in der Weise ausgeführt wurden, noch in sehr gutem Zustande. Von 580 nachgeprüften Schienenverbindungen hatten nur 10 einen größeren Spannungsabfall als 0,075 Volt bei 125 Amp., ein Betrag, der bei dieser Anlage als zulässig erachtet wird. (Electric Railway Journal 1908, Band II, S. 484).

Pr.

Die Peltonradanlage des Elektrizitätswerkes der Stadt Nordhausen.

Zur Ausnutzung der Energie des aus großer Höhe von einer Talsperre hergeleiteten Trinkwassers ist am Fuße der Druckleitung eine Peltonturbine aufgestellt worden, welche insbesondere auch das Straßenbahnnetz der Stadt Nordhausen zu speisen bestimmt ist, und zu diesem Zweck mit zwei Dynamomaschinen von je 41 Ampère und 650 Volt gekuppelt ist.

Die Peltonturbine, die eine Wassermenge von 100 l in der Sekunde verbraucht und bei 165 m nutzbarem Gefälle mit 750 Umdrehungen in der Minute betrieben wird, zeichnet sich durch eine neuartige, durch die gerade bei dieser Anlage vorliegenden Betriebsbedingungen geschaffene Reguliervorrichtung aus. Während nämlich von Seiten der Stadt Nordhausen das größte Gewicht darauf gelegt werden mußte, die Wasserleitung, welche an sich schon Pressungen bis zu 20 kg/qcm auszuhalten hat, vor gefahrbringenden Druckschwankungen zu schützen, welche bei plötzlichen Aenderungen der Wasserentnahme unvermeidlich gewesen wären, forderte anderseits die Gesellschaft, welche die Wasserkraft gepachtet hat, eine möglichst weitgehende Anpassungsfähigkeit der Turbine an den jeweiligen, stark wechselnden Strombedarf und außerdem einen sparsamen Verbrauch des Talsperrenvorrates. Die erstgenannte Bedingung hätte man wohl durch möglichste Vermeidung von Aenderungen in der Wasserentnahme und durch langsame Durchführung der unvermeidlichen Aenderungen erfüllen können, wenn dies den Forderungen der elektrischen Maschinen nicht geradezu widersprochen hätte. Um beide Teile zu befriedigen, mußte daher die Vereinigung von zwei Arten von Reguliervorrichtungen gewählt werden, von welchen die eine ausschließlich für die Geschwindigkeits-Regulierung der Turbine, die andere ausschließlich für das Sparen des Kraftwassers bestimmt ist. – Die hierfür von der Maschinenfabrik Briegleb, Hansen & Co. ausgeführte Düsenkonstruktion ist in Fig. 1 und 2 dargestellt. – Die Verringerung der Strahldicke erfolgt in der bereits früher bekannten Weise durch rechts und links von der Düsenöffnung liegende, rechteckige Kolben a, a, welche nach außen als runde Stangen fortgesetzt und mit Hilfe von Lederstulpen hier abgedichtet sind.

Textabbildung Bd. 324, S. 14
Textabbildung Bd. 324, S. 14

Vor der Düsenmündung befinden sich die ebenfalls schon früher verwendeten Schneiden s, s, welche bei der Entlastung der Turbine durch den Regulator soweit in den Düsenstrahl hineingerückt werben, als zum Abtrennen und seitlichen Ablenken des augenblicklich überschüssigen Kraftwassers erforderlich ist. Während aber die Zeit für einen vollen Hub der Schneiden s zum Zwecke der Erzielung einer empfindlichen, genauen Regulierung auf höchstens 2 Sekunden bemessen ist, also den Anforderungen des elektrischen Betriebes vollkommen entspricht, kann die Zeit, welche verstreicht bis die Kolben a den voll geöffneten Düsenquerschnitt ganz geschlossen haben, auf 2 Minuten und noch mehr ausgedehnt werden, sodaß der Abschluß oder das Wiederöffnen der Druckleitung tatsächlich keine gefährlichen Druckstöße erzeugen kann. Beide Reguliervorrichtungen werden von Druckwasserzylindern angetrieben, deren Steuerkolben in der üblichen Weise von dem Fliehkraftregulator betätigt werden. Während aber die Zuleitung vom Steuergehäuse des auf die Schneiden s wirkenden Zylinders sehr kurz und weit gehalten sind, um eine fast augenblickliche Wirkung, jeder Verstellung des Steuerkolbens zu erzielen, ist gerade das Entgegengesetzte bei dem anderen Zylinder ausgeführt, welcher die Kolben a betätigt. Nicht nur, daß die genannte Zuleitung vom Steuergehäuse zum Druckwasserzylinder fast 6 m lang ist und nur 2 bis 3 mm lichte Weite aufweist, ist sie auch noch mit einem Drosselhahn versehen, durch welchen der Eintritt der Druckflüssigkeit in den Zylinder noch weiter verzögert werden kann. Die Wirkung dieser beiden Reguliervorrichtungen ist somit derart geregelt, daß bei jeder Aenderung der Belastung durch den Fliehkraftregulator