Text-Bild-Ansicht Band 324

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i.d. Std. geschleppt werden. Vier unbeladene Boote zu schleppen, erwies sich als unvorteilhaft. Möglicherweise können jedoch die aufgetretenen Schwierigkeiten I durch eine zweckmäßigere Steuerung behoben werden. Die Ergebnisse der Versuche sind seitens der Verfasser überdies durch Schaulinien und Tabellen belegt. (Stillwell und Putnam.) (The Electrician 1908 Seite 638–641.)

Pr.

Die Härte zäher Metalle.

Zur Ermittelung der Wirkung der Kaltbearbeitung und des Zusammenhanges zwischen Härte, Streckgrenze und Kohäsionskräften zäher Metalle sind von K. Kürth Härtebestimmungen an reinem Kupfer und Nickel nach dem Brinellschen Kugeldruckverfahren ausgeführt worden. Die beabsichtigten Zustände der Kaltbearbeitung- wurden derart erzeugt, daß die bei 900 C° ausgeglühten Materialien zu Zugproben hergerichtet und bei bestimmten Zugkräften, die größer waren als die ursprüngliche Streckgrenze der Materialien, bis zum Erreichen eines Dauerzustandes belastet wurden. Nach Bauschinger wird nun die Streckgrenze eines zähen Stoffes bis zu der Spannung verschoben, mit der derselbe über die Streckgrenze hinaus belastet war. Die neue Spannungsdehnungskurve schließt sich aber der Kurve für das ausgeglühte Material an, wenn die Spannungen auf den ursprünglichen Querschnitt bezogen und dieselbe Dehnungsgeschwindigkeit angewendet werden. Aus dem Vergleich der neugefundenen Streckgrenze mit der des ursprünglichen Materials kann man also auf den Grad der Bearbeitung, die das untersuchte Material gegenüber dem ausgeglühten erfahren hat, schließen. Bei den vorliegenden Versuchen wurden nun für jeden durch die voraufgehende Ueberlastung systematisch erzielten Zustand die neue Streckgrenze mittels Martern-Kennedy Apparat und die Härtekurve P = f(d) ermittelt, letztere, indem für wachsende Kugeldrucke die Eindrücke bestimmt wurden.

Für die Berührung zweier Stoffe besteht nach Rasch die Beziehung zwischen dem Druck P und dem Durchmesser d des Eindruckes P = a. dn. Die Formel für die Härte

lautet dann

Aus den Versuchen hat sich ergeben, daß n bei reinen, zähen Metallen nur von ihrem augenblicklichen Zustand abhängt; ferner daß die Streckgrenze kein Maß für die Härte bildet, sondern daß die Aenderung der Streckgrenze eines zähen Metalles der Aenderung seiner Härte proportional ist, unter der Voraussetzung geometrisch ähnlicher Eindrücke.

Die „innere Energie“ d.h. derjenige Teil der beim Streckvorgang nicht in Reibungswärme, sondern latent in Kohäsionsenergie umgewandelten äußeren Arbeit ist nach Hort (Z.d.V.d.I., 1906, S. 1831) dem Verhältnis der Zunahmen von Elastizitätsgrenze und Dehnung proportional. Hieraus wird geschlossen, daß die innere Energie auch dem Verhältnis der Zunahmen von Härte und Dehnung proportional sei, d.h. die Härte ändert sich in demselben Maße wie die innere Energie.

Ferner wird angenommen, daß der elektrische Leitungswiderstand und die Aufnahmefähigkeit für Magnetismus in derselben Beziehung zur Streckgrenze stehen wie die Härte, und sich ähnlich ändern wie die innere Energie, woraus dann gefolgert wird, daß sämtliche Kohäsionseigenschaften sich ebenso verhalten, wie die „innere Energie.“ (Z.d.V.d.S., 1908, S. 1560 bis 1566.)

Fk.

Bücherschau.

Vorlesungen über chemische Atomistik. Von Dr. F.W. Hinrichsen. Privatdozent a.d. Technischen Hochschule zu Charlottenburg. Mit 7 Abb. Berlin und Leipzig. 1908. G.B. Teubner.

Kant hat bekanntlich der Chemie seines Zeitalters den Charakter einer Wissenschaft abgesprochen, weil sie sich „der Anwendung der Mathematik“ – damals – „unfähig zeigte“.

Man kann wohl schlechthin behaupten, daß jeder Zweig menschlicher Arbeit in fortschrittlichem Sinne unfruchtbar bleibt, solange dieses Streben darauf beschränkt bleibt, überlieferte Erfahrungen zu reproduzieren und bekannte Tatsachen und Vorgänge zu sezieren.

Zur Wissenschaft wird jede Arbeit erst dann und nur dann, wenn sie wissentlich, auf Grund theoretischer Postulate neue, fruchtbringende Geschehnisse und Dinge vorauszusagen und zweckbewußt zu verwirklichen vermag.

Dies erfolgt in der modernen Chemie mit der zwingenden Gewalt mathematischer Gesetze bei der Thermodynamik, Jonentheorie, Elektronentheorie u a. im strengen Sinne Kants. Anderseits benutzt sie jedoch auch mit großem Erfolg die qualitative Sicherheit oder Wahrscheinkeit, die den statistischen Erfahrungsregeln (Periodizität, Valenzlehre usw.) beigemessen werden kann.

Verf. gibt in dreizehn schönen Vorlesungen ein abgerundetes Bild über die Arbeitssysteme der theoretischen Chemie. Er zeigt, wie die Chemie von der Alchimie ausgehend, sich Schritt für Schritt zur exakten und fruchtbaren Wissenschaft entwickelt hat und daß sich auch im wirtschaftlichen Sinne des Wort bewährt „Das Praktischeste ist und bleibt die Theorie“.

Die ansprechende und knappe Form des Dargebotenen wird im Interesse ökonomischer Denkarbeit einen empfehlenswerten Leitfaden sowohl für den Studierenden als auch für den Ingenieur bilden, der sich mit der Denkweise der theoretischen Chemie vertraut machen muß.

Es berührt wohltuend, daß Verf sich von dem beliebten Beginnen ferngehalten hat, die Atomistik gegen die Ostwaldsche Energetik auszuspielen und es sich versagt hat, Atomistik, Monismus, Atheismus und Materialismus miteinander zu verquicken: d.h. Fragestellungen, die miteinander soviel zu tun haben, wie etwa – mit einem von Helmholtz geprägten Wort – die Existenzberechtigung von „Gasthof und Gustav“.

Da die Vorlesungen des Verf. sehr wohl den Anspruch darauf erheben können, einen historischen Abriß der Entwicklungsgeschichte der Atomistik darzustellen, so glaubt Ref. anmerken zu müssen, daß ein Mann übersehen worden ist, den man allerdings merkwürdigerweise auch sonst kaum kennt.

Es ist dies Wilhelm Weber („Abhandlungen zur atomistischen Theorie der Elektrodynamik.“ 1846. „Prinzipien einer elektrodynamischen Theorie der Materie“ u.a.m.), dessen streng atomistische Grundgleichungen u.a. die Erscheinungen voraussehen und voraussagen, welche heute die moderne Elektronentheorie beschäftigen.

Ewald F.W. Rasch.