Text-Bild-Ansicht Band 324

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Weitere Vorzüge der Wassergasschweißung bestehen darin, daß die Flamme bei entsprechender Einergulierung von Gas und Wind desoxydierend auf das Eisen einwirkt, so daß die zu verbindenden Flächen rein bleiben und sich um so besser verbinden. Das Einbrennen von Gruben und Löchern in das Eisen, wie dies beim Schweißen im Koksfeuer, namentlich infolge einer Berührung des erhitzten Eisens mit kaltem Koks oder Staub, so leicht eintritt, ist bei der Wassergasschweißung nicht zu befürchten. Die Bildung von Schlacke und Russ fällt ebenfalls fort. Schließlich geht das Schweißen mit Wassergas viel rascher als im Koksfeuer.

Textabbildung Bd. 324, S. 20

Die Darstellung des Wassergases erfolgt bekanntlich in der Weise, daß man Wasser in Form von Dampf durch die weißglühende Koksfüllung eines Generators bläst. Hierbei verbindet sich der Sauerstoff des Wassers mit dem Kohlenstoff der Generatorfüllung zu Kohlenoxyd (CO) und der Wasserstoff (H) wird frei. Theoretisch betrachtet würde also das Wassergas dem Volumen nach je zur Hälfte aus CO und H bestehen. In Wirklichkeit enthält das Wassergas aber noch etwas Kohlensäure (CO2) und Stickstoff (N). Ein gutes Wassergas zeigt dem Volumen nach etwa folgende Zusammensetzung:

44 v.H. CO + 50 v.H. H +

3 v.H. CO2 + 3 v.H.N.

mit einem unteren Heizwerte von etwa 2600 WE Dieser fällt mit wachsendem Gehalte von CO2. Die Wassergasflamme reicht zum Schmelzen von Platin aus, ihre Temperatur beträgt daher wenigstens 1800° C.

Textabbildung Bd. 324, S. 20

Diese hohe Temperatur wird nur bei inniger Mischung des Wassergases mit der Verbrennungsluft und genügendem Drucke des Gasluftgemisches erreicht. Zum Schweißen werden Gas und Verbrennungsluft getrennt verdichtet und dann im Schweißbrenner gemischt. In dieser Weise läßt sich leicht eine Stichflamme von ausreichender Wärmeabgabe erzielen, ohne daß Gasexplosionen zu befürchten sind. Das zuweilen auftretende, höchst lästige Heulen der Flamme ist ein Zeichen von ungenügender Mischung des Gases mit der Verbrennungsluft. Zur vollständigen Verbrennung des Wassergases ist dem Volumen nach das 2½fache an atm. Luft erforderlich, jedoch gibt man weniger Luft, um Gas im Ueberschuß zu behalten und eine desoxydierende Flamme zu erzielen

Für das Zusammenfügen der Bleche zum Schweißen kommen beim Arbeiten mit Wassergas, ebenso wie beim Schweißen im Koksfeuer, drei Schweißungsarten in Betracht, nämlich: das Stumpfschweißen, das Ueberlapptschweißen und das Schweißen auf Keil. Fig. 4 läßt die Stumpfschweißung von Böden ersehen, während Fig. 5 einen überlappt einzuschweißenden Boden und Fig. 6 die Ueberlappungslängsnaht eines Zylinders darstellt. Fig. 7 macht die Keilschweißung ersichtlich.

Textabbildung Bd. 324, S. 20

Die Stumpfschweißung ist in ihrer Anwendung allgemein, d.h. sowohl für das Koksfeuer als auch für Wassergas, beschränkt. Bei Kesselböden ist sie nur dann angebracht, wenn es sich um einen geringen inneren Druck handelt, wie z.B. bei Flüssigkeitsbehältern oder wenn der Zylinderdurchmesser sehr klein ist und die Bodenstärke verhältnismäßig groß gewählt werden kann. Wasserkammern für Dampfröhrenkessel, wie überhaupt alle sehr engen oder im Innern unzugänglichen Hohlkörper müssen stumpf geschweißt werden. Diese Schweißung ist für hohen Druck aber nur insoweit zuverlässig, als die Naht im Betriebe nicht in erheblichem Maße durch wechselnde Biegungsspannungen beansprucht wird. Bei den Wasserkammern werden solche Spannungen durch das Einziehen von Stehbolzen verhütet.

Das Wassergas ist für die Stumpfschweißung nur dann mit Vorteil anzuwenden, wenn von beiden Seiten der Naht geheizt werden kann. Beim Heizen mit Wassergas von nur einer Blechseite würde diese stark abbrennen, bevor die andere Seite auf Schweißtemperatur gebracht werden könnte. Aus diesem Grunde ist in solchem Falle das Koksfeuer vorzuziehen, in dem die Erwärmung langsamer vor sich geht, so daß die Temperatur sich besser nach der dem Feuer abgekehrten Seite hin ausgleichen kann.

Durch das Zusammenhämmern der Naht tritt beim Stumpfschweißen ein Stauchen derjenigen Wandung ein, die als Widerlage für die Hammerschläge dient Diese Wandung muß daher mit Zugabe zugeschnitten werden. So sind z.B. die Böden nach Fig. 4a und b auf der einen flachen Seite um 10, auf der anderen um 15 bis 20 mm im Durchmesser größer zu halten als der lichte Durchmesser des Zylinders. Dieser muß an seinen Enden zum Einsetzen der Böden entsprechend aufgeweitet werden.

Textabbildung Bd. 324, S. 20

Die mit Wassergas ausgeführte Ueberlappungsschweißung ist wegen ihren größeren und dauernden Widerstandsfähigkeit jeder anderen Schweißung vorzuziehen. Sie stellt sich aber teuerer als die Stumpfschweißung, und ihre Anwendung findet eine Grenze in der Blechstärke. Längsnähte sollten nur überlappt geschweißt werden. Die Breite der Ueberlappung, d.h. das Uebereinanderragen der Bleche in der Naht,