Text-Bild-Ansicht Band 324

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Der Umstand, daß die Umwandlungstemperatur bei + 18° liegt, hat zur Folge, daß die Umwandlung- weißes Zinn in graues Zinn bei allen Temperaturen unter 18° vor sich geht.

Textabbildung Bd. 324, S. 92
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Ueberläßt man daher einen Gegenstand, bei dem die Umwandlung einmal eingeleitet ist, bei gewöhnlicher Temperatur sich selbst, so findet die Umwandlung mit immer größerer Geschwindigkeit statt, da die schon veränderten Zinnteilchen neue Katalyse-Mittelpunkte bilden. Fig. 5 zeigt das in Fig. 4 abgebildete Blöckchen Banka-Zinn, nachdem es während acht Jahren in einem bewohnten, also im Winter geheizten Zimmer gelegen hat, wo die mittlere Temperatur auf 15° angenommen werden kann. Wie aus der Abbildung hervorgeht, ist das Stück im Laufe der Zeit viel stärker angegriffen worden.

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Da die Katalysatorwirkung des grauen Zinns an Infektion erinnert und das Zusammenschmelzen des bei der Umwandlung gebildeten Pulvers nicht ohne große Verluste gelingt (beim Erhitzen des sehr fein verteilten Materials tritt starke Oxydation auf, welche das Zusammenschmelzen verhindert), so wurde der besprochenen Erscheinung von Professor Cohen der Name „Zinnpest“ beigelegt.

Ueberläßt man zinnerne Gegenstände bei Temperaturen unter t8° sich selbst, so muß das Material auf die Dauer durch die Zinnpest angegriffen werden. Es fragt sich nur, ob die Umwandlung während eines Menschenalters weit genug fortschreitet, um deutlich beobachtet werden zu können. Das wird u.m. von der Temperatur abhängen, bei der es aufbewahrt wird.

In Fig. 6 und 7 ist eine im Jahre 1692 wahrscheinlich von Johannes Snieltzing in Leyden gegossene Denkmünze dargestellt, die wegen der großen Anzahl Warzen merkwürdig ist. Fig. 8 zeigt ein anderes Exemplar der gleichen Münze, bei der die Zinnpest die Aufschrift schon teilweise verwischt hat. Derartig angegriffene Münzen sind in zahlreichen Sammlungen zu finden. Das Mittel gegen diese „Museumkrankheit“ geht aus den oben besprochenen Untersuchungen hervor; man