Text-Bild-Ansicht Band 324

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sorge dafür, daß die Temperatur der Aufbewahrungsräume stets über 18° liege. Ist diese Bedingung erfüllt, so ist das Auftreten der Krankheit ausgeschlossen.

Sind die Gegenstände einmal von Zinnpest angegriffen, so ist ihre Wiederherstellung nicht mehr möglich. Zwar kann man graues Zinn durch Erhitzen z.B. auf 110° (in kochendem Toluol) wieder schnell in weißes Zinn umsetzen, aber der Zusammenhang ist und bleibt gestört. Es gilt also auch für die Museumkrankheit: prévenir vaut mieux que guérir.

Bei einer Umfrage bei Kirchenorgelfabrikanten stellte es sich heraus, daß die falsche Deutung der Tatsachen hier eine bedeutende Materialverschwendung zur Folge haben kann, wie aus der Antwort eines Fabrikanten hervorgeht, der „dieses alte und verzehrte Material“ nicht gerne bei der Herstellung neuer Röhren verwenden möchte, aus Furcht, daß die neuen in kurzer Zeit das gleiche Los teilen würden. Dieses bedeutet eine gänzlich unnötige Verschwendung, weil beim Schmelzen der alten angegriffenen Orgelpfeifen (unter Hinzufügung von Kohlenpulver und Kalk) wieder die weiße Modifikation entsteht und das Material ebenso gut wie frisches Material verwendet werden kann.

Da das Auseinanderfallen der Pfeifen, wie oben erwähnt, durch Infektion beschleunigt wird, so folgt hieraus, daß angegriffene Pfeifen möglichst bald aus der Nähe der noch gesunden zu entfernen sind.

Einige aus der katholischen Kirche in Ohlau in Schlesien herrührende Orgelpfeifen sind in Fig. 9 dargestellt. Die betreffende Orgel wurde 1833 teilweise erneuert. Von den damals eingesetzten neuen Pfeifen waren im Jahre 1884 24 auseinandergefallen (Fig. 9 und 10). Inzwischen schreitet die Korrosion weiter fort. Das Holzdach der Kirche liegt unmittelbar über den Pfeifen, wodurch diese im Sommer großer Hitze und im Winter starker Kälte ausgesetzt sind. Die mittlere Wintertemperatur beträgt in Ohlau – 1°.64, die mittlere Jahrestemperatur + 7°.97.

Auf die Umwandlung des weißen Zinns in graues führt Brauns7) den Umstand zurück, daß unter den antiken Geräten solche von Zinn nicht oder äußerst selten gefunden werden. Denn wenn das Zinn, wie er ausführt, auch nicht verschwindet, so zerfällt es doch in graues Pulver, das wie Asche aussieht, und gemengt mit Erde der Beobachtung entgeht.

Zum Schluß sei noch bemerkt, daß bereits zahlreiche Mitteilungen in der älteren Literatur darauf hinweisen, daß auch bei Zinnlegierungen und bei anderen Metallen ähnliche Erscheinungen wie die oben beschriebenen auftreten können.

F. Kerdyk.

Polytechnische Rundschau.

Schlüpfungsmesser für Wechselstrom-Motoren.

Es ist eine bei den Elektroden von Aluminiumzellen bekannte Erscheinung, daß nach der Erhöhung der Spannung über einen bestimmten Betrag kleine über die Elektrodenfläche verteilte Funken auftreten. Wird eine Legierung verwendet, die außer Aluminium noch Zusätze von Kupfer, Zinn, geringe Mengen Mangan, Eisen und Zink, sowie Spuren von Silizium im Gesamtbetrage 10 v.H. enthält, so tritt die Lichterscheinung bei 250 Volt auf, ohne daß größere Ströme fließen. Sie hat hier ein etwas anderes Aussehen und zwar kann ihre Erscheinung am besten als „Glühen“ bezeichnet und mit einem soeben in Wasser getauchten Stück weißglühenden Eisens verglichen werden. Zu den Versuchen wurde als Elektrolyt eine Boraxlösung verwendet; jedoch auch andere alkalische Lösungen zeigten die Erscheinung.

Wird die Aluminiumzelle an eine Wechselstramspannung angelegt, so tritt die Lichterscheinung an jeder der Elektroden nur während der Hälfte einer Periode und zwar an beiden Elektroden abwechselnd auf. Diese Erscheinung wird zur Schlüpfungsmessung von Induktionsmotoren in der Weise benutzt, daß durch eine von dem zu untersuchenden Motor angetriebene Stroboskopscheibe hindurch eine Elektrode einer derartigen Aluminiumzelle beobachtet wird. Diese Scheibe besitzt in verschiedenen Kreisen ein, zwei und drei Löcher, die verwendet werden, je nachdem es sich um die Untersuchung eines zwei-, vier- oder sechspoligen Motors handelt. Die Häufigkeit des durch die Stroboskopscheibe sichtbaren Aufleuchtens der Elektrode in einem bestimmten Zeitraum gibt dann ein Maß für die Schlüpfung. Der Versuchsapparat besaß eine Scheibe von 120 mm mit 6 mm großen Löchern. Die Elektrode hatte eine Fläche von etwa 25 qmm und war in einem Reagenzglas von 13 mm Weite untergebracht. Trotz dieser geringen Abmessungen konnten mit diesem Instrument Schlüpfungen bis zu 200 in der Minute genau festgestellt werden. (Johnstone.) [Electrical World 1908, Bd. II, S. 343–345].

Pr.

Messung hoher Selbstinduktion von Spulen mit Eisenkernen.

Werden in Telegraphenleitungen mit großer Kapazität gemäß dem Vorschlage von Oliver Heaviside Selbstinduktionsspulen eingeschaltet, so kann nach den Versuchen der Eastern Telegraph Company die Selbstinduktion einzelner dieser Spulen Werte bis zu 100 Henry erreichen. Derartige Spulen werden im allgemeinen mit nahezu geschlossenem Eisenkreis gebaut und der Luftschlitz im Eisenkern zur Regelung der Selbstinduktion einstellbar gemacht. Nun bereitet die Messung der Selbstinduktion dieser Spulen nach den üblichen Verfahren sehr große Schwierigkeiten und erfordert einen großen Zeitaufwand, wenn die Stromstärke des Wechselstromes nur 10– 4 bis 10– 5 Amp. beträgt.

Zur Erleichterung der Messung wurde ein neues Galvanometer konstruiert, dessen Elektromagnet ein regelbares Feld liefert, welches bis auf 8000 C.G.S.-Einheiten verstärkt werden kann. Der Kraftlinienweg in dem Instrument ist bis auf die kleine Aussparung, in der das System angeordnet ist, durch Eisen geschlossen. Die Meßspule besitzt etwa 500 Windungen und ist auf einen leichten Aluminiumrahmen von 4 cm Länge und 0,5 cm Breite gewickelt. Der Spulenausschlag wird mittels Spiegels und Lichtstrahles gemessen. Der Spiegel ist jedoch nicht in der üblichen Weise mit der Spule selbst starr verbunden, sondern mittels Fäden zwischen zwei Armen um eine wagerechte Achse drehbar aufgehängt. An der Oberkante und Unterkante des Spiegels sind Fäden befestigt, die zu den Enden eines mit der Meßspule verbundenen doppelarmigen Hebels

7)

Aus der Natur, 1, 738 (1906).