Text-Bild-Ansicht Band 324

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Lichtleitung der Bahnhöfe 150000 M. gekostet. Die Betriebswerkstatt Ohlsdorf erforderte ausschließlich der Bahnhofsgeleise, Stellwerke usw. rund 1000000 M. und die Beschaffung der 60 Motorwagen rund 6000000 M.

Bezüglich des Betriebes sei angegeben, daß die Zugstärke sich möglichst dem Verkehr anpaßt und vorläufig zwischen ein und drei Motorwagen wechselt. Als Reserve wird in Ohlsdorf und Altona je ein Reservezug und auf den Stationen Hasselbrock und Blankenese je ein Ersatzwagen bereit gehalten. Werktags werden 8050 Zugkilometer und 12900 Motorwagenkilometer, Sonntags 8010 und 11340 km geleistet. Der Stromverbrauch für das Motorwagenkilometer hat sich ohne Heizung und Beleuchtung zu etwa 2,7 KW/St. ergeben. Infolgedessen hat das Kraftwerk jährlich rund 13000000 KW/St, für den Antrieb der Motorwagen und für Heizung und Beleuchtung noch etwa 2000000 KW/St, zu leisten. Die Steuerung der Motorwagen wird zur Zeit durch geprüfte Lokomotivheizer bewirkt, die jedoch nach und nach durch geprüfte Hilfswagenführer ersetzt werden sollen. Außerdem befindet sich auf jedem Zuge ein den Befehl führender Schaffner, der während der Fahrt seinen Platz im Führerabteil hat. Zu der nachts in der Betriebspause vorzunehmenden Untersuchung der Leitungen sind zwei Gleichstrommotorwagen mit Akkumulatoren beschafft. Diese enthalten eine kleine Werkstatt und sind auf dem Dache mit einer drehbaren Plattform versehen, die herausgeschwenkt werden kann und alsdann auch die Vornahme von Arbeiten an der Oberleitung des Nebengeleises gestattet. (Röthig). (Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen 1908 Bd. II, S. 87–93 und 109–116).

Pr.

Die Einphasen-Wechselstrombahn Thamshavn-Lokken.

Während in Schweden die Versuche mit dem elektrischen Betriebe von Vollbahnen erst kürzlich zum Abschluß gebracht wurden, ist in Norwegen die 28 km lange Bahn von Thamshavn am Orkedals Fjord nach den Lokken-Bergwerken bereits dem Verkehr übergeben worden. Die elektrische Energie für die Bahn wird von dem Turbinenkraftwerk Skyennald Fossen als Drehstrom von 15000 Volt und 50 Perioden geliefert und gleichzeitig für die Beleuchtung von Thamshavn und anderer Orte an der Bahnstrecke, sowie für den Antrieb von Bergwerksmaschinen verwendet. Zur Speisung der Bahn wird die elektrische Energie mittels zweier Motorgeneratoren von je 250 KVA Leistung in Einphasen-Wechselstrom von 6600 Volt und 25 Perioden umgewandelt. Jeder Umformer, der übrigens kurze Zeit 500 KVA leisten kann, besteht aus einem Drehstrominduktionsmotor und einem Einphasenstromerzeuger mit umlaufendem Felde, sowie einer angebauten Erregermaschine. Zur Speisung des Drehstrommotors wird die mit einer Spannung von 15000 Volt zugeführte elektrische Energie in zwei Oeltransformatoren auf 600 Volt herabgesetzt.

Das aus Schienen von 22 kg/m hergestellte Gleis hat Meterspur und ist auf Holzschwellen verlegt. Die Strecke ist eingleisig, zum größten Teil eben und gerade und weist nur am Ende einige schärfere Kurven und Steigungen bis 4 v.H. auf. Die Stromzuführung erfolgt durch einen etwa 5,5 m über S.O. mittels Tragseiles aufgehängten Kupferdraht von 65 qmm Querschnitt. Das Tragseil ist unter Zwischenschaltung von Porzellanisolatoren auf Auslegern, in den Bahnhöfen auf Querträgern gelagert, die an hölzernen Masten befestigt sind. Als Betriebsmittel sind drei Lokomotiven von je 20 t Gewicht beschafft, die je vier Motoren und zwei zweiachsige Drehgestelle besitzen. Zur Stromentnahme aus der Fahrleitung sind auf dem Lokomotivdach durch Luftdruck gesteuerte Scherenstromabnehmer mit Gleitbügeln angeordnet. Von diesen fließt der Strom über einen Hauptschalter und eine Sicherung zu einem Transformator mit Sparschaltung, dessen freie Klemme geerdet ist. Dieser Transformator besitzt mehrere Anschlüsse, von denen Strom mit stufenweise von 240 Volt bis 540 Volt steigender Spannung mittels der an jedem Fahrzeugende angebrachten Fahrschalter den parallel liegenden Motorgruppen zugeführt wird, die aus je zwei dauernd hintereinanderliegenden Motoren bestehen. Die Motoren haben je 40 PS Stundenleistung und treiben mit der Uebersetsung 14 :76 die etwa 1 m besitzenden Laufräder an. Die Anfahrzugkraft jeder Lokomotive beträgt etwa 3600 kg. Neben den Lokomotiven ist ein mit zwei Drehgestellen versehener Motorwagen vorhanden, dessen Antrieb durch zwei in demselben Drehgestell untergebrachte 40 PS-Motoren erfolgt. Die elektrische Ausrüstung der Bahn wurde von der britischen Westinghouse-Gesellschaft geliefert. (The Electrician 1908 S. 908–911)

Pr.

Talsperrenanlagen in Oberschlesien.

Die im Laufe der letzten Jahre in Schlesien erbauten Talsperren dienen der Mehrzahl nach weniger zur Verwertung der aufgespeicherten Wassermengen für Trink- oder Kraftzwecke, als zum Zurückhalten schadenbringender Hochwasser. Beide Zwecke lassen sich bei einer und derselben Talsperre nicht immer vereinigen, weil häufig gerade zu Zeiten des größten Wassermangels, wo also möglichste Füllung der Talsperre erwünscht wäre, auch die Wahrscheinlichkeit des Eintretens plötzlicher Hochwässer am größten ist, welche nur durch möglichst entleerte Staubecken unschädlich gemacht werden können. Auch in bezug auf bauliche Einzelheiten bestehen Unterschiede in den Talsperren für Nutzzwecke gegenüber denjenigen, welche nur Hochwasserschutz bieten sollen, insofern als bei den letzteren die Frage der Abdichtung der Staumauer und der Beckensohle zur Verhinderung von Wasserverlusten keine Rolle spielt.

Der Nutzen, den die schlesischen Talsperren gebracht haben, ist also in den meisten Fällen in einer wesentlichen Verminderung der Hochwasserabflußmengen zu erblicken. Bei dem südlichsten Staubecken im Goldbach, einem Zuflüsse der aus dem Altvatergebirge kommenden Hotzenplotz, ist mit Hilfe eines 60 m langen Dammes ein Behälter von 2,5 Millionen cbm Inhalt geschaffen worden, durch welchen die größte Abflußmenge von 145 cbm in der Sekunde auf 65 cbm in der Sekunde vermindert worden ist. In ähnlicher Weise sind in dem benachbarten Flußgebiete der Glatzer Neiße durch die Staubecken in der Wölfel und der Mohre die Größtabflußmengen von 90 cbm in der Sekunde auf 35 cbm in der Sekunde, bzw. von 104 cbm auf 26 cbm in der Sekunde herabgesetzt. Die meisten Staubecken weist ferner das Bobergebiet auf, wo u.a. bei Buchwald im Quellbober eine Anlage von 2 Millionen cbm Inhalt errichtet worden ist, um die Hochwasserabflußmenge von 120 auf 30 cbm in der Sekunde zu verringern.

Im Gegensatz zu den erwähnten Talsperren dient die bekannte Talsperre bei Marklissa, die schon seit einigen Jahren im Betriebe ist, bei 15 Millionen cbm Inhalt auch Nutzzwecken. Ein Drittel des Wasserinhaltes der Talsperre wird in Turbinen ausgenutzt, die 700 PS liefern. In großem Maßstab wird ferner die Krafterzeugung