Text-Bild-Ansicht Band 324

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wurde, von der Austrittsgeschwindigkeit, sondern von der Zahl, vielleicht sogar von der Größe oder dem Alter der austretenden Dampfblasen beeinflußt wird. Die Zirkulationsvorrichtung wird derart ausgeführt, daß sie in einzelne Teile zerlegbar ist und so durch das Mannloch leicht ein- und ausgebracht werden kann. Bei einem stehenden Verdampfapparat mit zentralem Zirkulationsrohr wird dieses Rohr einfach mit einer Blechplatte, welche mit einem durch die Prellhaube geführten Entlüftungsstutzen und einer kleinen Zirkulationsöffnung versehen ist, überdeckt. Bei Verdampfapparaten und Vakuen mit liegenden Heizrohren erfährt die Anordnung- der Hauben eine sinngemäße Aenderung. Fig. 21a u. b zeigen z.B. den zwangläufigen Umlauf in einem liegenden Nachprodukten-Vakuum beim Abkochen der Kornfüllmasse. Diese Sprudelhauben finden nämlich auch Verwendung zum Kochen der Füllmasse, nur mit dem Unterschiede, daß bei wasserarmer Erstprodukt-Füllmasse der Neigungswinkel der Trichter-flachen ein steilerer wird, der dann entsprechend der Füllmassen-Viskosität bis 45° anwachsen muß, während man zum Saftkochen mit ungefähr einem Neigungswinkel von 12° für alle Säftedichten auskommt. Bei richtiger Saftzuführung, welche in horizontaler Apparatprojektion gedacht, stets innerhalb und unterhalb der Trichtergrundfläche erfolgen muß, und bei Einhaltung der durch Versuche für jede Einrichtung zu ermittelnden günstigsten Saftstandshöhe bleiben die Kondensate der Verdampfapparate vollkommen zuckerfrei. Der Einbau der Sprudelhauben in Verdampfapparate kann von jedem geschickten Blecharbeiter nach den von den Maschinenfabriken gelieferten Zeichnungen leicht und ohne nennenswerte Kosten durchgeführt werden. Bei Vakuumapparaten ist wegen der beim Ablassen übermäßig dicht eingekochten Füllmassen dann eintretenden Belastung der Hauben für eine genügende Stabilität Vorsorge zu treffen. Die Mehrleistung der Heizflächen beträgt bei Verdampfapparaten normal etwa 25 v.H., sie läßt sich jedoch schätzungsweise auf das doppelte steigern, ohne daß Saft übergerissen wird, vorausgesetzt, daß für Zuführung von Heizdampf, bezw. Entnahme und Kondensation der Brüden entsprechend vorgesorgt wird. Eine Bräunung oder anderweitige Schädigung der Säfte wurde während langjähriger Benutzung der Hauben noch niemals beobachtet. Die Rohre konnten weit länger als sonst in ununterbrochenem Betriebe bleiben, da die früher nach einer gewissen Betriebsdauer stets auftretende und für die Verdampfung äußerst störend wirkende Verschlammung der unteren Rohrenden durch weiche Ablagerungen bei der stürmischen, zwangläufigen Saftbewegung in den Rohren niemals eintreten kann.

H. Stoepel10) bemerkt zu der vorstehenden Mitteilung Müllers, daß in der Zuckerfabrik Stavenhagen seit Beginn der Rübenverarbeitung 1908 in zwei stehenden Verdampfapparaten die Sprudelhauben mit ganz hervorragendem Erfolge arbeiten. Im nächsten Jahre sollen Saftkocher und der vierte liegende Körper ebenfalls mit Müllerschen Sprudelhauben versehen werden, da der Wärmetransmissionskoeffizient ein solch hoher ist, wie er bisher in der Praxis noch nicht beobachtet worden ist.

In der französischen Zuckerfabrik Châlon sur Saône wurde nach der Mitteilung von Lègier11) eine von Perrin konstruierte neue Filterbatterie aufgestellt, die sechs Filter, nämlich zwei für Dünnsaft, zwei für Dicksaft und zwei für die Abläufe umfaßt. Der Filterdruck beträgt für die Saftfilter 6 m, für die Abläufefilter einige cm, und bleiben erstere Filter 48 Stunden, letztere Filter 3–4 Stunden im Betrieb. Die Batterie genügt für eine tägliche Verarbeitung von 3500–4000 Meterzentner Rüben, kann aber nach Belieben durch Zufügen weiterer Filter vergrößert werden. Die Anordnung dieser Batterie ist die folgende: Eine runde, gußeiserne Schale (Fig. 22) besitzt in der Mitte einen kurzen Rohrstutzen b, der beim unmittelbaren Uebereinandersetzen der Platten den Zuführungskanal für die zu filtrierende Flüssigkeit bildet.

Textabbildung Bd. 324, S. 413
Textabbildung Bd. 324, S. 413

Dieser Rohrstützen trägt ein Lager b, auf dem ein gelochtes Blech aufliegt, das auf einem an dem Außenrand der Schale angebrachten Lager eine zweite Stütze findet. Dieses Blech besitzt einen Durchmesser von

10)

Zentralblatt für die Zuckerindustrie 1908. 17. Jahrg. S. 152.

11)

Die Deutsche Zuckerindustrie 1908, 33. Jahrg. S. 974.