Text-Bild-Ansicht Band 324

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Die Trennung- der Schalen von den Kernen erfolgt in Salzwasser nach dem spezifischen Gewicht. Die Entkernungsmaschine verarbeitet stündlich etwa 400 kg Nüsse und braucht etwa 1 PS. Die Firma Haake baut auch Schäl- und Entkörnungsmaschinen für Handbetrieb; in Fig. 13 ist eine Handbrechmaschine dargestellt.

Textabbildung Bd. 324, S. 516

Interessant sind noch einige Angaben, die auf der Ausstellung gemacht wurden. In 100 kg Oelpalmfrüchten sind enthalten:

15–18 kg Palmöl,
16–20 Palmkerne,
rd. 20 Preßrückstände,
rd. 40 Schalen.

Die Palmkerne ergeben 40 v.H. Oel und 60 v.H. Oelkuchen.

Benutzt werden außer dem Palmöl die Oelkuchen als Viehfutter, daß Palmkernöl in der Seifen- und Kerzenfabrikation, die Schalen und Preßrückstände zur Feuerung. Hiervon wird ein Teil zur Erzeugung des Kochdampfes in der Anlage verbraucht.

Durch die maschinellen Verfahren der Oelgewinnung sind nach Angaben der Fa. Fournier folgende Verbesserungen erzielt worden: 100 kg Oel gewinnt die Maschine aus 500 kg Früchte bei 4 Mann Bedienung an einem Tage, zu der gleichen Menge brauchen die Eingeborenen 1500 Früchte und 45 Mann.

Der vom Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee herausgegebene Führer durch die Ausstellung trägt mit Recht den Titel: Neue Maschinenindustriezweige. Die Ausstellung konnte der Neuheit der Aufgabe gemäß besondere und individuell durchgebildete Maschinen nur in geringem Umfang bieten, aber sie bewies, woran übrigens kein Kenner unserer Industrie zweifeln konnte, daß unsere Fabrikanten den Wettbewerb mit erfahrenen Firmen des Auslandes nicht scheuen, und daß die junge Kolonialmacht Deutschland rechtzeitig anfängt, sich die Hilfsmittel für die Verarbeitung seiner Kolonialerzeugnisse nach eigenen Bedürfnissen auszugestalten.

Neuer dampf-hydraulischer Stahlgießwagen.

Von C. Michenfelder, Düsseldorf.

In Bd. 322, Heft 42 u. ff. dieser Zeitschrift habe ich an Hand typischer Beispiele auf die konstruktive Entwicklung moderner Gießwagen für Stahlwerke hingewiesen, die auf den Betrieb namentlich der Thomaswerke von zweifellos günstigstem Einfluß gewesen ist. In Ergänzung dieser Angaben sei als ein weiteres Glied jener Entwicklungsreihe im folgenden eine neueste Ausführung eines dampf-hydraulischen Stahlgießwagens besprochen, der sich in Anordnung und Ausbildung nicht unwesentlich von seinen Vorgängern unterscheidet. Der in Fig. 1 abgebildete Gieß wagen ist – für eine Nutzlast von 20000 kg flüssigen Stahles und für eine größte Pfannenausladung von 3200 mm – von der Märkischen Maschinenbauanstalt Ludwig Stuckenholz A.-G. in Wetter a.d. Ruhr für das Stahlwerk der Gutenoffnungshütte in Oberhausen entworfen und gebaut.

Als augenfälliger Fortschritt ist zunächst die Ausbildung des Unterwagens in bezug sowohl auf die Formgebung als auch auf die Wahl des Materials zu erwähnen: Der Wagen besteht in nur einem Gliede und ist ganz aus Schmiedeeisen erstellt. Seine beiden seitlichen Längsträger haben ⊐⊏-Querschnitt aus kräftigen Blechen und Universaleisen, die durch angenietete Winkel und Gurtplatten die erforderliche Widerstandsfähigkeit erhalten. Der schwere, gleichfalls aus Universal- und Profileisen bestehende Kasten zur Aufnahme der Königsäule, sowie die Unterstützungen der Maschinen und des Kessels bilden zugleich solide Querverbindungen der beiden Längsträger. Der Wagen stellt somit bei gedrungenster Bauart einen – im Gegensatz zu den älteren Gußgestellen – bruchsicheren und doch elastischen Unterbau dar, der den durch Fahrhindernisse auftretenden Stößen und den auf ein Verziehen der Konstruktion gerichteten Einwirkungen der strahlenden Wärme hinreichend widersteht. Der Wagen wird durch vier Paar Räder getragen, die vorteilhafter Weise sämtlich in Balanciers gelagert sind. Diese dadurch – wieder im Gegensatz zu früher – gänzlich unstarre Radlagerung vermag durch Gleisunebenheiten sonst hervorgerufene gefährliche Spannungen im Unterwagen wirksam zu verhindern. Der Radstand ist so gewählt, daß die Räder, die aus Stahlguß mit aufgeschrumpften Schmiedeisenbandagen bestehen, durch die Eigengewichte annähernd gleiche Belastung erhalten. Die beiden hinteren Balanciers stützen sich auf die Antriebswelle, die durch ein Stirnrädervorgelege mit der Fahrmaschine gekuppelt ist. Jedes Rad dieser Balanciers wieder wird durch Stirnräder von der Hauptwelle angetrieben. – Das Ausbauen der Räder gestaltet sich recht einfach: Der Wagen wird unterlegt, die Kupplung der Antriebswelle gelöst und die Teile der Welle nach beiden Seiten hin herausgezogen, worauf die Balanciers mit den Laufrädern von oben aus dem Untergestell gehoben werden können. Es ist also kein Anheben