Text-Bild-Ansicht Band 324

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eine homogene und zuverlässige Schweißung mit noch stärkeren Blechen erhalten.

Textabbildung Bd. 324, S. 602

Wenn man fragt, ob die Sicherheit bei einer Schweißnaht oder bei einer Nietnaht größer ist, so muß der Vergleich fraglos zugunsten der Schweißnaht ausfallen. Eine einreihige Nietnaht wird selten einen höheren Wert ergeben als 60% der Festigkeit des vollen Bleches; bei einer zweireihigen Nietnaht wird der Wert 70%, bei einer dreireihigen 75% betragen. Durch die Verwendung von Laschen kann man bis auf 80% der Blechfestigkeit kommen.

Dagegen zeigt die Erfahrung, daß gut ausgeführte Schweißungen eine Festigkeit von 90–95% des vollen Materials besitzen, und eine gut geleitete Schweißwerkstätte wird nicht Anstand nehmen, 90% zu garantieren. Die Eigenschaft des Materials braucht in der Schweißnaht durchaus nicht verschlechtert zu sein, zumal das Material beim Schweißen vermehrte Bearbeitung erfährt. Wenn man aber berücksichtigt, daß selbst der gewandteste Arbeiter kaum das Eintreten von Schlackenbildung in der Schweißnaht oder in deren Nähe bzw. von Wegschmelzen der Oberfläche zu vermeiden vermag, wodurch eine unbedeutende Abnahme der Wandstärke bedingt sein kann, wird es in jedem Fall richtiger sein, sich mit einer niedrigeren Ziffer als 90% bei der Festigkeitsberechnung der Schweißnaht zu begnügen und die Festigkeit auf 70–75% festzusetzen, sie also eben so hoch anzunehmen wie die Festigkeit einer doppelten oder dreifachen Nietnaht.

Textabbildung Bd. 324, S. 602

Die Erfahrung hat gezeigt, daß, je stärker die Blechstärke, um so größer die Möglichkeit ist, daß Schwankungen in der Materialstärke durch das Schweißen auftreten. Ein Grund hierfür dürfte darin gefunden werden, daß stärkere Bleche verhältnismäßig längere Zeit gebrauchen, bis sie auf Schweißglut erwärmt werden, als dünnere. Durch zahlreiche Versuche ist festgestellt worden, daß die oben erwähnten Qualitätszahlen eine sichere Basis bieten für zylindrische Gefäße, wie Dampfkesselmäntel und andere Behälter, welche einem inneren Druck ausgesetzt sind. Ganz besonders ist Schweißung da am Platze, wo es sich erstens um eine glatte oder ebene Oberfläche handelt, und zweitens bei allen solchen Gefäßen, wo eine vollständig zuverlässige und dauernde Dichtigkeit erforderlich ist – sei es, daß die Gefäße mit Flüssigkeit oder Gasen unter gewöhnlichem oder hohem Druck gefüllt werden; drittens bei allen Apparaten, welche leicht Anrostungen durch Säure oder schädlichen chemischen Einflüssen ausgesetzt sind oder bei welchen eine direkte Einwirkung von Feuergasen stattfindet.

Textabbildung Bd. 324, S. 602

Bei der Fabrikation von Dampfkesseln hat die Schweißtechnik ihre erste und wahrscheinlich auch größte Verwendung gefunden. Jede Stelle im Innern eines Dampfkessels, in welchem sich eine Niehnaht mit hervorstehenden Blechkanten und Nietkanten befindet, bietet natürlich Angriffspunkte für Kesselstein und Schlacken. Alle hierdurch hervorgerufenen Uebelstände werden zum größten Teil vermieden, wenn sämtliche Nietnähte durch Schweißnähte ersetzt werden. Aus diesem Grunde versucht man jetzt die Flammrohre vollständig zuschweißen und zwar ganz besonders darum, weil diese Teile auf der inneren Seite der Einwirkung des Feuers ausgesetzt sind. Da die Vorteile einer glatten inneren Naht auch für den als Kesselmantel dienenden Teil in Betracht kommen, so werden in neuester Zeit auch vollkommen geschweißte Mäntel, selbst für hohe Arbeitsdrücke, geliefert.

Fig. 9 zeigt einige Einzelheiten an einem Schiffskessel. Bei diesem sind die beiden Flammrohre mit den Rohrwänden in einem einzigen Stücke verschweißt. Diese Anordnung des Festschweißens der Flammrohre an der inneren Rohrwand kommt jetzt sehr viel zur Anwendung, vor allem aber bei Kesseln mit kleineren Abmessungen, da man in diesem Falle die Nietnaht vermeiden kann, die am meisten der Einwirkung der heißen Feuergase ausgesetzt ist. Etwaige hierdurch entstehende Mehrkosten werden durch die Dauerhaftigkeit der Konstruktion vollkommen ausgeglichen.

Fig. 10 zeigt ein Flammrohr in einem Stück mit der Feuerkammer verschweißt, wie solche bei Schiffskesseln