Text-Bild-Ansicht Band 326

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ist der Verdampfraum C aufgesetzt, in welchem der Saft von dem Dampf mittels eines festen Schaufelrades D und des Rohrabscheiders E getrennt wird. Der Verdampfkörper A hat je nach Größe der Heizfläche einen Durchmesser, der bis 950 mm für eine Heizfläche von 150 qm gehen kann. Der Durchmesser des Dampfdomes beträgt 1500–2000 mm. Aus diesen Angaben ist zu entnehmen, daß der Apparat nur einen sehr kleinen Raum benötigt, so daß er an geeigneter Stelle in jeder Fabrik aufgestellt werden kann. Der Dilatationsring T regelt die verschiedenen Wärmeverlängerungen des Mantels A und der Rohre B. Der Saft fließt von unten durch den Stutzen H in den Körper, verteilt sich gleichmäßig in alle Rohre, steigt in diesen unter gleichzeitiger Erwärmung bis zur Siedetemperatur, wodurch sich in den Rohren an der Stelle a Dampfblasen bilden, zwischen denen ebenso wie an den Innenwänden der Rohre sich Saft ansetzt.

Textabbildung Bd. 326, S. 123

Durch Verdampfung dieses Saftes in den Rohren vergrößern sich die Blasen, bis sie endlich an der Stelle b platzen und der Dampf, je höher mit einer um so größeren Geschwindigkeit, aufwärtsströmt und an den an den Rohrwänden haftenden Saft anprallt, wodurch der Saft ebenfalls, allerdings mit einer weitgeringeren Geschwindigkeit als der Dampf, hinauf befördert wird und schließlich aus den Rohren ausfließt. Von der Stelle b an sind Saft und Dampf in den Rohren voneinander getrennt, und der Saft ist nicht in feinen Tröpfchen im Dampf verteilt, sondern bedeckt die Rohrwände in dünner Schicht, wodurch eine schnelle Verdampfung hervorgerufen wird. Der Saft durchströmt das 7 m lange Rohr in zwei bis drei Minuten, während der Dampf eine Geschwindigkeit von 20 m i. d. Sekunde aufweist. Beim Verlassen der Rohre durchströmt der Dampf den zentrifugalen Saftabscheider D, der aus einer vollen Ringscheibe m besteht, an deren Umfang im kleinen Radius gebogene Schaufeln, ähnlich wie die Radial-Turbinen, dicht angeordnet sind. Das Gemisch von Dampf und mitgerissenem Saft durchströmt die Krümmungen zwischen den Schaufeln, die schwereren Saftteilchen werden durch die Zentrifugalkraft an die Domwand C geschleudert und der eingedickte Saft verläßt den Körper) durch den Bodenstutzen P. Der Saftdampf durchströmt noch einen Rohrabscheider, so daß er keine Spur von Zucker enthält. Da jedes Saftteilchen den Apparat in zwei bis drei Minuten zu verlassen gezwungen ist, so ist dadurch die Möglichkeit gegeben, den Saft auch bei einer ziemlich hohen Temperatur (128° C) zu verdampfen, ohne daß seine chemische Zusammensetzung und seine Farbe eine Veränderung erleiden würden. Die Leistungsfähigkeit des Verdampfapparates Kestner ist gegenüber derjenigen der gewöhnlichen liegenden und stehenden Verdampfapparate eine außerordentlich hohe, da erfahrungsgemäß mit direktem Dampf von 135° C bis 80 kg Wasser für 1 qm Heizfläche i. d. Stunde bei einer Temperatur des siedenden Saftes von 128° C verdampft werden. Was den Anschluß des Apparates an eine bereits bestehende Verdampfstation betrifft, so kann hiermit ein zweifaches Ziel verfolgt werden: 1. Entweder handelt es sich um eine Vergrößerung der Verdampffläche der einzelnen Körper und somit der Leistungsfähigkeit der ganzen Verdampfstation unter Beibehaltung des bisherigen Drei- oder Vierkörperapparates, also ohne Rücksicht auf die Dampfersparnis, oder 2. handelt es sich um Aufstellung eines Kestner-Apparates vor die bestehende Verdampfstation, die mit jenem direkten Dampf geheizt wird, den man in der Fabrik entweder zu verschiedenen Anwärmungen oder zum Kochen oder Verdampfen im ersten Körper und bei den Zirkulatoren zu verwenden pflegt. Der erste Zweck kann mit dem Kestner-Apparat um so leichter erreicht werden, als dieser Körper im Grunde die Form einer langen Röhre von kleinem Durchmesser hat, so daß für dessen Aufstellung ohne Schwierigkeiten ein geeigneter Platz neben der bestehenden Verdampfstation gefunden werden kann. In dem in Fig. 10 gegebenen Beispiel wirkt der Kestner-Apparat E tatsächlich als Verdampfapparat, da die Saftzugabe derart geregelt wird, daß die Rohre nur bis zur Höhe a gefüllt werden, während die erübrigende Fläche verdampft. Durch das Rohr C wird ein Gemisch von Saft und Dampf mit großer Geschwindigkeit in tangentialer Richtung in den stehenden Körper A geführt, wo der Saft vom Dampf durch Zentrifugalkraft am Mantel des Körpers A getrennt wird. In ähnlicher Weise kann die Verdampffläche des liegenden Körpers vergrößert werden. Soll die Leistungsfähigkeit der Verdampfstation erhöht und eine Dampfersparnis erzielt werden, so werden ein oder zwei Kestner Apparate vor die bestehende Verdampfstation, die bisher mit einem Drei- oder Vierkörperapparat gearbeitet hat, gestellt, und es wird der erste Kestner-Apparat mit direktem Dampf geheizt, womit bisher an verschiedenen Stationen angewärmt und verdampft worden ist. In den meisten Fällen wird es möglich sein, diese Stationen dann ohne jede Aenderung mit Brüdendampf bis 128° C aus dem Kestner-Apparat zu erwärmen. Falls direkter Dampf in nicht genügender Menge zur Verfügung steht, so wird es möglich sein, den Rückdampf einiger Maschinen auf 1,1 at, d. i. 128° C zu erhöhen und dann kann mit diesem Dampf ein Kestner-Apparat vor der bestehenden Verdampfstation geheizt werden, so daß die Temperatur seines Brüdendampfes 114° C beträgt. Wird der erste Kestner-Apparat mit direktem Dampf von 135° C geheizt, so pflegt sein Brüdendampf 128°C zu haben und mit diesem Dampf wird dann der zweite Kestner-Apparat geheizt;