Text-Bild-Ansicht Band 326

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der jetzt erzielte Brüdendampf hat eine Temperatur von 121° C und kann statt des reduzierten direkten Dampfes verwendet werden. Auf diese Weise verdampft 1 kg direkten, in den Kestner-Apparat eingeführten Dampfes 2 kg Dampf vor der bestehenden Verdampfstation, wodurch sich eine entsprechende Dampfersparnis ergibt, wie Nesměrák rechnerisch an einem bestimmten Beispiel nachweist. Nach der Mitteilung von Jancke6) ist beim Kestner-Apparat ein Schäumen und dadurch verursachtes Ueberreißen von Saftteilchen in die Heizkammern des nächsten Körpers nicht zu befürchten. Ein weiterer Vorteil ist der, daß Inkrustationen infolge der verhältnismäßig großen Geschwindigkeit des Saftes in den Heizrohren möglichst vermieden werden. Auf Heizfläche berechnet, kommen die Kestner-Apparate gegenüber den gewöhnlichen Apparaten wohl etwas teuerer, aber wenn die Leistungen beider gegenüber gestellt werden, sind doch die Kestner-Apparate billiger. Apparate von 125 qm Heizfläche kosten ungefähr 9000–9500 M. Bei gewöhnlichem System mit 200–225 qm Heizfläche muß man 10000 M rechnen.

Textabbildung Bd. 326, S. 124

Die vor ungefähr drei Jahren von der Société Westinghouse in Le Havre gebauten ersten rotierenden Luftpumpen, Patent Westinghouse-Leblanc7), verschafften sich durch ihre Vorteile gegenüber den Kolbenluftpumpen in der Verwendung als Trockenluftpumpen für Misch- und Oberflächenkondensation rasch Eingang in der Technik. Die Skodawerke-Aktiengesellschaft in Pilsen, die das Ausführungsrecht der Leblanc-Maschinen- und -Apparate für Oesterreich-Ungarn besitzt, beabsichtigt diese Maschinen auch auf anderen Gebieten, in erster Linie in der Zuckerfabrikation, einzuführen. Die entsprechenden Vorarbeiten wurden nach den Mitteilungen von Kothny8) in den ungarischen Zuckerfabriken Bück und Groß-Zinkendorf durchgeführt. So zufriedenstellend die Erfolge dieser Maschinen bei Dampfturbinen und Dampfmaschinen waren, so wenig befriedigend waren die ersten Resultate bei der Anwendung der Westinghouse-Leblanc-Luftpumpe in ihrer ursprünglichen Konstruktion bei einem Versuche in der Zuckerfabrik Groß-Zinkendorf, weshalb hier eine neue Luftpumpe, (Fig. 11) zur Aufstellung gelangte, die für eine Tourenzahl von 1450 in der Minute konstruiert war und durch einen Gleichstrommotor der Oesterreichischen Siemens-Schuckert-Werke (Type G. M. 262, 78 PS, 390 Touren) mittels Riemen angetrieben wurde. Diese Luftpumpe ist ähnlich dem Strahlenkondensator gebaut und besitzt einen Leitapparat l, ein Laufrad l1, einen Sammelkonus s und einen Auswurfkonus d. Das Injektionswasser tritt durch den Leitapparat l in das Laufrad ein, wird dort auf hohe Geschwindigkeit gebracht und in Form von Wasserstrahlen in den Sammelkonus s ausgeworfen. Dieses austretende Wasser nimmt die Luft und die unkondensierbaren Gase mit in den Auswurfkonus, aus dem die lebendige Kraft des Wassers Luft und Gase auf atmosphärischen Druck komprimiert und hinausbefördert. Das zum Betriebe der Luftpumpe dienende Wasser kann bei Hinzugabe einer geringen Menge von Zusatzwasser (ungefähr 2 v. H.) kontinuierlich verwendet werden. Die Anlage der Pumpe und des Motors ist aus Fig. 12 ersichtlich. Die Luftpumpe steht über einen schmiedeeisernen Reservoir von ungefähr 10 cbm Wasserinhalt, saugt das zum Betriebe notwendige Wasser bei s an und wirft es bei d aus. Bei l war die vorhandene Luftleitung der barometrischen Kondensation angeschloßen. Die den Betrieb führende Weiß-Schieberluftpumpe hat 750 mm Zylinderdurchmesser, 750 mm Hub, bei 60 bis 80 Touren in der Minute und wird direkt durch einen Dampfzylinder von 400 mm angetrieben.

Textabbildung Bd. 326, S. 124

Die Gesamtanordnung beider Pumpen ist aus dem Schema (Fig. 13) ersichtlich. Während des Betriebes konnten entweder die Schieberluftpumpe „Weiß“ oder die durch den Gleichstrommotor angetriebene Westinghouse-Leblanc-Luftpumpe an die Kondensation angeschlossen werden. Es wurden zunächst Versuche mit letzterer Pumpe allein vorgenommen, um deren volumetrische Leistung zu bestimmen. Die in die Luftpumpe einströmende Luftmenge wurde durch geeichte Düsen gemessen. Die erzielten Resultate haben ergeben, daß die Luftpumpe bei geschlossenem

6)

Die Deutsche Zuckerindustrie, 1910, S. 85.

7)

S. D. p. J. 1910, Bd. 325, S. 101 u. 707.

8)

Oesterreichisch-Ungarische Zeitschrift für Zuckerindustrie und Landwirtschaft, 1910, S. 291.