Text-Bild-Ansicht Band 326

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öffnet den Hauptstromkreis des Generators und schließt über a b den Widerstand r2 kurz, so daß nur r1 wirksam bleibt. Dieser Widerstand verhindert bei dem jetzigen Parallelarbeiten der beiden Batterien in den Lampen ein unangenehm bemerkbares plötzliches Ansteigen des Stromes und zwischen den Batterien einen hohen Ausgleichstrom,

Da die Wicklung N des selbsthätigen Schalters A S dauernd an die Maschine angeschlossen ist, verbraucht sie bei ungünstiger Geschwindigkeit nutzlos Energie. Um diesen Verlust auf ein Minimum zu reduzieren, wird N durch einen ähnlich wie A S gebauten Schalter von hohem Nebenschlußwiderstand eingeschaltet.

Zu erwähnen wären noch die Stellungen II–IV des Schalters S. In II und IV sind die Lampen ausgeschaltet und die Batterien zur Ladung parallel geschaltet. In Lage III sind die Wirkungen von Batterie I und II vertauscht.

Vergleicht man dieses System mit den in Deutschland üblichen, so stellt sich heraus, daß das belgische den Nachteil zweier Batterien besitzt, wodurch Anlage und Amortisationskosten steigen. Ferner ist der Anschluß der Nebenschlußwicklung N an die Maschine ein Mangel, der sich darin äußert, daß der Ausschalter A S die Maschine immer bei einer gewissen Spannung bezw. Geschwindigkeit des Windmotors unabhängig von dem Ladezustand der Batterie anschließt, während der Schlüssel von la Cour und ähnlich wirkende Apparate den Generator erst dann mit der Batterie verbinden, wenn seine Spannung etwas höher als die des Akkumulators ist Was die Betriebssicherheit jedoch anbetrifft, so kann man beide Systeme als gleichwertig ansehen.

Polytechnische Rundschau.

Der Steigschacht.

Den Steigschacht oder das Wasserschloß mit einem offenen Wasserspiegel pflegt man an dem Ende eines unter Wasserdruck stehenden Oberwasserstollens mit geringem Gefälle bei Wasserkraftanlagen anzuordnen, damit die Druckleitungen zu den Turbinen möglichst kurz gehalten werden können. Im Beharrungszustande bei einem Wasserverbrauch von Q cbm i. d. Sek. stellt sich der Wasserspiegel im Steigschachte auf eine Höhe h ein, welche die Wassergeschwindigkeit v ergibt, wobei folgende Beziehungen gelten müssen:

Q = f v

h = c • v2,

wenn f der Stollenquerschnitt und c eine den Reibungswiderstand des Wassers im Stollen enthaltende Konstante darstellen.

Wird nun die Turbinenanlage belastet, so daß ihr Wasserverbrauch auf Q2 cbm i. d. Sek. steigt, so senkt sich der Wasserspiegel im Steigschacht so weit, bis die Geschwindigkeit v des Wassers im Stollen einen entsprechend höheren Wert angenommen hat, und für irgend einen Zeitpunkt t, welcher innerhalb dieses Reguliervorganges liegt, gilt die Beziehung

Q,2 • d t = f • v • d t + F • d h,

worin F den Querschnitt des Steigschachtes darstellt, oder

(Q2 – f • v) d t = F • d h.

Man kann nun aber auch d t aus einer anderen Beziehung herleiten:

Ist l die Länge des Stollens vom Querschnitt f, so ist die bei dem besprochenen Ausgleichsvorgang in Bewegung befindliche Wassermasse vom spezifischen Gewichte γ

während die Kraft P, welche sie zu beschleunigen hat, durch

P = (h + c v2) f • γ

ausgedrückt wird. Da

so geht obige Gleichung nach Integration zwischen den Werten v1 und v2 bezw. – h1 und – h2 über in

Den Ausdruck

kann man, indem man die Zwischenwerte von v für verschiedene-Größen von h berechnet, als die Fläche einer Kurve darstellen, deren Ordinaten die Werte von h, und deren Abszissen die Quadrate der entsprechenden Werte von v sind; die mittlere Abszisse vm2 dieser Kurve bestimmt dann den Wert des Integrals nach der Gleichung

Die größte Absenkung des Wasserspiegels im Steigschacht bei plötzlicher Belastung erhält man dann, wenn man für den Leerlauf v1 = 0 und v2 = vmax setzt, als

Vernachlässigt man die Reibung im Stollen, setzt man also c = 0, so wird

In vollständig ähnlicher Weise findet man für die größte Steigerung h3 max des Wasserspiegels bei plötzlicher Entlastung von Vollast auf Leerlauf

sowie unter Vernachlässigung der Stollenreibung

also den gleichen Ausdruck wie für den Belastungsvorgang. (Hutzelsieder.) [Zeitschr. f. d. gesamte Turbinenwesen 1911, S. 4–6 und 17–20.]

M.

Künstliches Roßhaar.

Die Herstellung von künstlichem Roßhaar ist ein wichtiger Nebenzweig der Kunstseidenfabrikation. Man gewinnt das Roßhaar entweder als von vornherein einheitlichen Faden durch Auspressen aus entsprechend weiten Düsen oder durch Zusammenlaufenlassen mehrerer noch nicht vollständig erstarrter Einzelfädchen; z.B. kann man einen aus mehreren Einzelfäden zusammengesetzten Zellulosefaden, der aus natürlichem oder künstlichem Material bestehen kann, durch ein Lösungsmittel für Zellulose hindurchführen, so daß eine Verschmelzung der Einzelfädchen zu einem dicken Faden erfolgt. Der unter dem