Text-Bild-Ansicht Band 326

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wählen, deren kleinste Dauerbelastung der größten Abdampfmenge entspricht; für größere Turbinenbelastungen und bei geringerer Abdampfmenge, wird dann Frischdampf zugesetzt, den die Zweidruckturbine ökonomisch verarbeiten kann.

Die Zweidruckturbine für Abdampfverwertung wird fast von allen Dampfturbinenfirmen gebaut, und zwar meist mit einem Geschwindigkeitsstufenrad im Hochdruckteil und mit einem vielstufigen Niederdruckteil nach dem Gleich- oder Ueberdruckprinzip. Die Ueberdruckturbine gewährt einen hohen Wirkungsgrad, ohne daß im Niederdruckteil die ihr anhaftenden Mängel, Spaltverlust, zunehmende Schaufellänge usw., hier besonders nachteilig auftreten.

Verwandt mit der Abdampfturbine ist die Gegendruck- und Anzapfturbine für Dampfentnahme zu Heizzwecken; bei ersterer ohne, bei letzterer mit Anschluß an eine Kondensation. Die Hochdruckstufe wird durch einen gewöhnlichen Regulator beeinflußt, während für die Niederdruckstufe der Druck in der Heizleitung selbsttätig konstant gehalten wird. Bei geringer Leistung und gleicher Heizdampfmenge muß bei einer Gegendruckturbine Frischdampf unter reduziertem Druck zugesetzt werden; bei größerer Leistung der Turbine und geringerem Heizdampfbedarf muß der überschüssige Dampf ins Freie gelassen werden; in beiden Fällen tritt also ein unwirtschaftliches Arbeiten ein. Bei Parallelbetrieb mit anderen Turbinen gibt man letzteren einen kleineren Ungleichförmigkeitsgrad, damit die Gegendruckturbine möglichst wenig von den Belastungsschwankungen berührt wird.

Die Anzapfturbine wird angewendet bei geringerem Bedarf an Dampf für Heizzwecke als für Krafterzeugung, und wenn zeitweise, z.B. im Sommer, überhaupt kein Heizdampf benötigt wird. Die Regelung geschieht hier ebenso wie bei der Zweidruckturbine durch einen gewöhnlichen Geschwindigkeitsregulator, der auf die Hochdruckstufe einwirkt; außerdem noch durch einen Druckregler an der Anzapfstelle. Sinkt die Belastung und damit der Druck an der Anzapfstelle, so schließt der Druckregler das Ventil nach dem Niederdruckteil so weit, bis der Heizdampfdruck wieder seine normale Höhe erreicht hat. Bei ganz geringer Leistung schließt sich das Ventil nach der Niederdruckstufe ganz, und es muß reduzierter Frischdampf zum Heizen zugefügt werden. Bei größerer Heizdampfentnahme sinkt der Zwischendruck, und das Schließen des Niederdruckventils bedingt Geschwindigkeitsabnahme der Maschine, worauf der Tourenregulator der Hochdruckturbine mehr Frischdampf zuführt. Beim Parallelarbeiten erhält zweckmäßig wieder die Anzapfturbine den größeren Ungleichförmigkeitsgrad, beim Parallelarbeiten einer Gegendruck- und Anzapfturbine übernimmt die letztere als die ökonomischere Maschine die Belastungsschwankungen.

Bei einer Abdampfturbine liegen die Verhältnisse anders. Diese muß den Abdampf der Primärmaschinen möglichst vollständig verarbeiten und durch eine möglichst empfindliche eigne Regelung die Belastungsschwankungen des Netzes von den Primärmaschinen fernhalten. Eine Regulierung mit geringen Tourenschwankungen ist aber hier schwierig, weil der Regulator nach vollem Oeffnen des Niederdruckventils noch einen weiteren Tourenabfall zum Oeffnen des Hochdruckventils braucht. Trotzdem muß der Gesamtungleichförmigkeitsgrad der Maschine kleiner sein als derjenige der parallelarbeitenden Maschinen. Auch beim Uebergang vom Frischdampfbetrieb zum reinen Abdampfbetrieb wird nur eine Tourenschwankung von 1 bis 2 v. H. eintreten dürfen, wenn dieselbe für die parallelarbeitenden Maschinen 34 v. H. beträgt. Bei ständiger Verbindung des Dampfsammlers mit der Turbine kann bei Frischdampfbetrieb bei einem Unterdruck in der Zwischenstufe das Vakuum durch eintretende Luft verschlechtert oder bei einem Ueberdruck in der Zwischenstufe Dampf in den Dampfsammler treten. Um die erwähnten Nachteile zu vermeiden, werden bei einer Konstruktion von Rateau Frischdampf- und Abdampfventil so miteinander verbunden, daß letzteres geschlossen ist, wenn ersteres ganz geöffnet ist. Hierbei wird die Zuschaltung von Frischdampf durch einen Druckregler in der Abdampfleitung besorgt; der Tourenregulator ist also entlastet. Bei normalem Druck im Dampfsammler wird nur das Niederdruckventil vom Regulator verstellt. Bei Abnahme dieses Druckes schließt der Druckregler das Niederdruckventil und öffnet das Frischdampfventil. Bleibt dabei die Belastung konstant, so geschieht die Umschaltung, ohne daß der Regulator in Tätigkeit tritt. Bei Belastungsänderung werden beide Ventile entsprechend der Belastung geöffnet oder geschlossen.

Bei der von den Bergmann-Elektrizitätswerken ausgeführten Regulierungseinrichtung steht sowohl das Niederdruck- wie das Hochdruckventil unter dem Einfluß des Touren-Regulators, und zwar bildet immer das eine Ventil den festen Drehpunkt für den Regulatorhebel bei der Verstellung des andern Ventiles. Außerdem steht das Niederdruckventil noch unter dem Einfluß eines Druckreglers, welcher bei sinkendem Druck im Dampfsammler (schon bei einer Aenderung um 1/10 at) das Niederdruckventil vermittels einer Hilfssteuerung schließt. Hier arbeiten ebenfalls Druck- und Geschwindigkeitsregulator zusammen.

Auch bei der Reguliereinrichtung für Zweidruckturbinen der Gütehoffnungshütte, deren Maschinen im Hochdruckteil ein zweikränziges Curtis-Rad mit Düsen- oder Drosselregulierung haben und im Niederdruckteil als Ueberdruckturbine ausgebildet sind, ist für die Belastungsänderung ein Tourenregulator, für die Aenderung der Abdampfmenge ein Druckregler angeordnet. Bei sinkender Tourenzahl öffnet der Regulator das Niederdruckventil allmählich bis zu seiner höchsten Stellung. Es stößt dann der Endpunkt der Ventilstange gegen einen vom Druck im Dampfsammler betätigten Schwimmer; dadurch wird auch das Frischdampfventil geöffnet. Je mehr der Druck im Dampfsammler sinkt, um so früher kommt die Ventilstange des Niederdruckventils zum Anschlagen und das Frischdampfventil zum Oeffnen. Ist kein Abdampf vorhanden, so steht der Schwimmer so tief, daß sich das Niederdruckventil überhaupt nicht öffnen kann und der Regulator nur das Frischdampfventil beeinflußt. Bei einer andern Anordnung der Reguliereinrichtung der Gutehoffnungshütte sind zwei Ventilgruppen, bestehend aus Niederdruck- und damit starr verbundenem Hochdruckventil, die eine zur Betätigung durch den Tourenregulator, die andere durch den Druckregulator vorgesehen. Bei hohem Sammlerdruck, wobei nur mit Abdampf gearbeitet wird, sind beide Niederdruckventile offen; das eine vom Tourenregulator betätigte hebt und senkt sich entsprechend der Belastung, mit ihm das angehängte Frischdampfventil, das aber ohne Einfluß ist, weil das andere vom Druckregler betätigte Frischdampfventil geschlossen ist. Bei fehlendem Abdampf ist das vom Druckregler betätigte Niederdruckventil geschlossen, das anhängende Frischdampfventil ganz geöffnet. Die andere Ventilgruppe wird vom Tourenregulator verstellt. Bei geringem Sammlerdruck wird mit Frischdampf und Abdampf gearbeitet; dabei ist die unter dem Einfluß des Druckreglers stehende Ventilgruppe halb geöffnet die andere Gruppe öffnet und schließt sich je nach Belastung. Druckregler und Tourenregler sind hier vollständig getrennt; für Abdampf- und Frischdampfbetrieb wird hier nur etwa der gleiche Muffenhub bezw. Tourenabfall erforderlich.

Die Gutehoffnungshütte verwendet wie alle anderen Firmen eine Oeldruckhilfssteuerung bei ihrer Regulierung,