Text-Bild-Ansicht Band 326

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erhält so Legierungen mit einem spezifischen Gewicht von ungefähr 1,8 und erheblicher Festigkeit. Eine gegossene Legierung aus 96 v. H. Magnesium und 4 v. H. Zink hat z.B. eine Festigkeit von 1500–2000 kg/qcm. In gewalztem Zustand hat dieselbe Legierung eine Festigkeit von 2500–3500 kg/qcm bei 8–12 v. H. Dehnung. Man kann mit dem Zusatz des Zinks bis auf 10 v. H. hinaufgehen, ohne diese Eigenschaften zu verschlechtern, oder man kann statt dessen auch 6 v. H. Kupfer und 4 v. H. Zink oder 9 v. H. Kupfer und 1 v. H. Aluminium dem Magnesium zusetzen. Jedenfalls soll die Menge des Magnesiums nicht weniger als 90 v. H. und nicht mehr als 96 v. H. betragen. Die Herstellung geschieht zweckmäßig in einem schmiedeeisernen Schmelztiegel, der durch einen Deckel gut verschließbar ist, auf einem gewöhnlichen Kohlenfeuer. Sobald das Magnesium schmilzt, gibt man das Zink hinzu, das sich sofort mit dem Magnesium legiert. Die Legierung zeigt nach dem Guß eine ganz glatte Oberfläche, sie ist homogen, feinkörnig und hat bläuliche Farbe. Während des Gießens findet nur eine geringe Oxydation statt. Will man außer Zink etwa noch Kupfer zugeben, so setzt man die beiden Metalle gleichzeitig in Stücken zu; sie schmelzen beide sofort in dem Magnesium trotz des hohen Schmelzpunktes, den das Kupfer besitzt. Natürlich kann man auch, statt die Metalle einzeln zuzusetzen, eine Legierung aus Kupfer und Zink, die in dem entsprechenden Verhältnis zusammengesetzt ist, mit dem Magnesium verschmelzen. Alle aus diesen Legierungen hergestellten Körper können geschmiedet und gewalzt werden; sie sind beständig gegen die Einflüsse von Luft und Wasser und können wie Messing oder Rotguß auf der Drehbank bearbeitet werden.

Eine ähnliche leichte Legierung bringt die Firma Basse & Selve in Altena (Westfalen) auf den Markt. Diese hat folgende Eigenschaften:

Leichtmetall gegossen gezogen
spez. Gewicht. etwa 2 1,772–1,780
Festigkeit an der
Bruchgrenze

1200–1500

2700–3000 kg/qcm
Dehnung etwa 3 v. H. 5–10 v. H.

Eine Legierung, die in England unter dem Namen Korkmetall für die Zwecke des Luftschiffbaues im Handel ist, besteht aus Magnesium mit nur 0,5 v. H. Zink und soll bei einem spez. Gewicht von 1,762 ebenfalls recht hohe Festigkeit haben.

Diese Legierungen ermöglichen besonders bei dem Bau von starren Luftschiffen große Gewichtsersparnisse zu erzielen, da sie gegenüber dem Aluminium oder dem bei den Zeppelin-Luftschiffen viel verwendeten Montanium (spez. Gewicht 2,8) ein wesentlich geringeres spezifisches Gewicht haben.

Schließlich seien noch zwei Aluminium-Legierungen von ähnlicher Zusammensetzung hier genannt, die erst in allerletzter Zeit in Frankreich auf den Markt gekommen sind. Die eine von diesen, welche der bekannten Firma Esnault-Pelterie in Billancourt (Seine) geschützt wurde5); besteht aus 80–85 v. H. Aluminium, 5–10 v. H. Silber oder einem anderen Edelmetall und 5–15 v. H. eines Metalles aus der Eisengruppe, wie etwa Kobalt, Chrom, Nickel oder Mangan. Der Zusatz des Edelmetalles hat den Zweck, das Auskrystallisieren des Eisens oder eines der anderen genannten Metalle in der Legierung zu verhindern und damit die Dehnbarkeit und Widerstandsfähigkeit der Legierung zu erhöhen. Hierzu genügt schon eine geringe Menge Silber. Man erhält auf diesem Wege eine sehr harte und zähe Legierung, die dazu ein sehr niedriges spezifisches Gewicht besitzt und deshalb überall da angewandt werden kann, wo Leichtigkeit und Festigkeit zugleich gefordert werden. Dies ist insbesondere der Fall bei Kolben, Rahmen und Lagern für Automobil- und Flugmotoren. Auch als Antifriktionsmaterial soll die Legierung verwendbar sein, da sie einen sehr geringen Reibungskoeffizienten hat. Zu ihrer Darstellung schmilzt man zunächst das Silber und das Metall der Eisengruppe getrennt ein, mischt die beiden in dem gewünschten Verhältnis, und setzt dann das Gemisch dem geschmolzenen Aluminium zu.

Die andere Legierung wurde der Gesellschaft „Le Ferro-Nickel“ in Paris patentiert.6) Sie besteht aus 94–98 v. H. Aluminium, 1,5–4 v. H. Kupfer, 0,25–1,25 v. H. Mangan und 0,25–1,25 v. H. Silber. Die Gesamtmenge der drei Zusatzmetalle soll mindestens 2, aber höchstens 6 v. H. betragen. Am besten haben sich folgende Mischungen bewährt:

Legierung I Legierung II
Zusammensetzung 96,5 v. H. Alum.
3,5 v. H. Zusätze
95,5 v. H. Alum.
4,5 v. H. Zusätze
Zerreißfestigkeit 2000 kg/qcm 2800 kg/qcm
Elastizitätsgrenze 1000 „ 1400 „
Dehnung 18 v. H. 16 v. H.

Die Zerreißversuche wurden mit gewalzten, ausgeglühten Streifen von 1 mm Dicke ausgeführt. Gewalzte harte Streifen zeigten dagegen bei

I. II.
Zerreißwiderstand 2900 kg/qcm 3700 kg/qcm
Dehnung 1–2 v. H. 1–2 v. H.

Abgesehen von diesen vorzüglichen mechanischen Eigenschaften sollen die Legierungen auch dauerhafter als reines Aluminium sein. Sie sind dehnbar, hämmerbar und können kalt und warm geschmiedet und gewalzt werden. Sie lassen sich treiben, prägen und zu Draht ausziehen wie Messing, und sind auch ebenso leicht wie dieses zu bearbeiten. Sie können daher in vielen Fällen Messing und Kupfer, unter Umständen sogar Eisen und Stahl ersetzen.

Ein zweiter wichtiger Baustoff für Luftfahrzeuge sind die Ballonstoffe, an deren Vervollkommnung ebenfalls in der letzten Zeit eifrig gearbeitet wird. Als Material hierfür kommen hauptsächlich Baumwollstoffe (Perkal), als Aeroplanstoff neuerdings auch Leinen in Betracht. Die in England gebräuchlichen teuren Goldschlägerhäutchen (Darmhaut) und die Seidenhüllen, die besonders in

5)

D. R. P. 230095.

6)

D. R. P. 231060.