Text-Bild-Ansicht Band 326

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verändert werden. Die Kondensation umfaßt: einen Oberflächenkondensator, eine Dampfturbine zum Pumpenantrieb, eine Kühlwasserpumpe zum Fördern des Kühlwassers durch den Kondensator und eine Schleuderpumpe zum Absaugen des Naßluftkondensats. Das Kühlwasser wird vorerst einem Teiche entnommen, der mit der Mulde in Verbindung steht, und durch einen Betonkanal in das Maschinenhaus geleitet; das benutzte Wasser fließt ebenfalls durch einen Kanal in den Teich zurück.

Bemerkenswert ist die Ausnutzung der Abwärme, die mit aller in modernen Dampfbetrieben üblichen Sorgfalt und Wirthschaftlichkeit durchgeführt worden ist. Das Kondensat wird in einen Hochbehälter gedrückt und von hier aus wieder den Kesseln als Speisewasser zugeführt. Auch der Abdampf der Turbine für die Kondensation wird noch ausgenutzt, indem er einer Niederdruckstufe der Hauptturbine zufließt; trotz dieser Verbesserung wäre eine elektrisch betriebene Kondensation wie immer noch wirthschaftlicher.

Die Kesselanlage ist ebenso wie die Schaltanlage zunächst nur provisorisch fertiggestellt, letztere einstweilen im Maschinenraum untergebracht; später beim Ausbau der Anlage soll ein eigenes Schalthaus errichtet werden.

Zwei Gruppen von je zwei Wasserrohrkesseln der Bauarten Stirling und Garbe mit Ueberhitzern und je 300 qm Heizfläche erzeugen den erforderlichen Dampf. Sie werden gespeist durch zwei parallelgeschaltete Speisepumpen, die ebenfalls durch Dampfturbinen betrieben und außerdem selbsttätig geregelt werden. Ein am Schornstein befestigter Hochbehälter liefert das neben dem Kondensat benötigte Zusatzwasser. Wie schon erwähnt, benutzt man als Feuerungsmaterial Bitterfelder Braunkohle, die einen Heizwert von 2100–2400 WE/1 kg besitzt. Zur Beschickung dient ein Treppenrost mit Schüttrümpfen, in welche die Kohle vorläufig mittels kleiner Kippwagen von Hand gestürzt wird. Für später ist eine vollkommen mechanische Beschickung vorgesehen, derart, daß selbstentladende Eisenbahnwagen auf einer Rampe unmittelbar in das Kesselhaus gefahren und in über den Kesseln befindliche Hochbehälter entleert werden, von denen die Kohle selbsttätig den Treppenrosten zugeht.

Textabbildung Bd. 326, S. 610

Die Braunkohle hinterläßt, wie zu erwarten ist, reichliche Asche; letztere wird vorläufig von Kippwagen aufgenommen und mittels dieser von Hand abgefahren. In Zukunft soll auch die Aschenförderung mechanisch erfolgen.

Die Abgase beider Kesselgruppen entweichen in einen Schornstein von 100 m Höhe und 4 m lichtem Durchmesser am oberen Ende; dieser reicht noch für zwei weitere Kesselgruppen gleicher Größe aus; dementsprechend können immer je vier Kesselgruppen an einen solchen Schornstein angeschlossen werden. Die Dampf- und Speiseleitungen sind gemeinsam in einen unterirdischen Kanal verlegt.

Der Stromerzeug er liefert, wie gesagt, einphasigen Wechselstrom von 3000 Volt Spannung bei 15 sekundlichen Perioden, hat Kompoundierung nach dem System Danielson, Stabwicklung, ist vollkommen gekapselt und durch eingebaute Ventilatoren künstlich gekühlt. In zwei Transformatoren mit umlaufender Oelkühlung wird der Strom von 3000 auf 60000 Volt transformiert und mit dieser Spannung in das Unterwerk Bitterfeld geführt. Hochspannungsschaltanlage und Transformatoren sind vorerst provisorisch im Keller des Maschinenhauses, in letzterem selbst neben den Maschinen die Niederspannungsschalttafel, die Meßinstrumente und die Apparate für die Fernschaltung der Hochspannungsleitungen angeordnet. Die endgültige Unterbringung