Text-Bild-Ansicht Band 326

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Im Unterwerk Bitterfeld wird der Hochspannungsstrom von 60000 Volt in zwei Transformatoren auf die Fahrspannung von 10000 Volt vermindert. Diese Transformatoren von der Bauart A. E. G. sind für je 1800 KW Leistung bemessen und in vollkommen getrennten Raumen untergebracht, die, kaminartig gebaut, oben Lüftungsjalousien enthalten und so eine energische natürliche Kühlung bewirken. Auch hier sind selbsttätige Oelschalter mit Höchststromauslösung vorgesehen; diese ermöglichen, die Transformatoren und die zu den Fahrleitungen führenden 10000 Volt-Leistungen durch Fernbetätigung vom Schaltbrett aus zu bedienen.

Was die Fahrleitungsanlage betrifft, die auf einem Teil der Strecke von der A. E. G. auf dem anderen von den Siemens-Schuckertwerken ausgeführt wurde, so ist bezüglich der A. E. G.-Anlage auf folgendes hinzuweisen: Bei einer Länge von 27 km ist die Strecke Dessau–Bitterfeld zweigleisig ausgebaut. Sie wird vorerst freitragend von dem Unterwerk Bitterfeld gespeist; erst für die spätere Erweiterung bis Magdeburg sind Speiseleitungen an den Traggerüsten der Fahrleitung in Aussicht genommen.

Fig. 3 gibt ein Bild der Leitungsanlage auf freier Strecke. In einfacher Kettenlinie überspannt die Fahrleitung die je 75 m betragenden Abstände zwischen den einzelnen Jochen derart, daß der Fahrdraht an einem in flachen Kettenbogen durchhängendem Drahtseil jedesmal in 6 m Abstand durch senkrechte Hängedrähte getragen wird. Die Jochkonstruktionen wurden tunlichst einfach gehalten. An den zu beiden Seiten des Bahnkörpers aufgestellten Gitterwerksmasten sind normale Querträger aus U-Eisen mittels Hakenschrauben befestigt; nur bei größeren Spannweiten in den Bahnhöfen werden diese Querträger durch einfache Zugstangen oder Hängewerke versteift.

Fig. 4 und 5 bringen diese Einzelheiten zur Anschauung; das Joch in Fig. 5 ist 70 m lang und überspannt 13 Gleise. Auf diese Art bleibt die Anzahl der erforderlichen Masten möglichst gering, und man erhält eine Leitungsanlage von relativ einfachem, gefälligem Aussehen. Dies erscheint wichtig, da ausgedehnte Mastanlagen in Bahnhöfen stets den Ueberblick erschweren und namentlich das Signalbild stören.

(Fortsetzung folgt.)

DIE LANGSAM LAUFENDE, ZWANGLÄUFIGE FRIKART-STEUERUNG.

Von Diplomingenieur O. Kölsch, München.

(Schluß von S. 599 d. Bd.)

Fassen wir noch einmal kurz alle Größen zusammen, welche bei der neuen Steuerung zu beachten sind:

  • 1. Während der Dauer der Einströmperiode dreht sich das Exzenter um den Winkel
    , wenn mit φ der Füllwinkel bezeichnet ist.
  • 2. Die Kantenentfernung k = a1 + a2 ergibt sich im Schieberkreis als Sehne des Winkels
  • 3. Die Richtung, in der die Schieberbewegung abgeleitet wird, ist um den Winkel
    zu ändern, bei einer Aenderung des Füllwinkels von φ auf φ1.

Das von uns aufzustellende Steuerungsdiagramm ist richtig, sobald wir ohne weiteres die drei Größen

und a1 + a2 für beliebige Füllung aus ihm entnehmen können. Wir erreichen dies mit dem Kurbelkreis, indem wir drei Linien zufügen.

Im Kurbelkreis der Fig. 6 zeichnen wir den Füllwinkel φ richtig ein, errichten auf der Geraden

eine Senkrechte
und schlagen um den Punkt
einen Kreis mit dem Halbmesser des Kurbelkreises. Dann schließt die Gerade
mit der Geraden
den Winkel
ein. Zum Beweis vervollständigen wir das rechtwinkelige Dreieck
, in welchem der Peripheriewinkel bei D, über der Sehne
gleich dem halben Zentriwinkel φ ist; des weiteren stehen die Schenkel der Winkel
und
paarweise senkrecht aufeinander, so daß beide Winkel einander gleich sind.

Als weiteres Ergebnis finden wir, daß der Abstand A B als Sehne des Winkels

gleich der gesuchten Kantenentfernung k = a1 + a2 ist. Der Maßstab der Darstellung ist entsprechend zu berücksichtigen.

Ziehen wir noch durch A eine Gerade A E parallel zu

O, dann schließt diese Parallele mit A B den gesuchten Winkel
ein.

Den Beweis erbringt das Dreieck A B C, in welchem der Winkel bei C gleich

ist, als Peripheriewinkel zum Zentriwinkel
bei
. Da die Schenkel der Winkel E A B und A C B paarweise aufeinander senkrecht stehen, sind beide Winkel einander gleich.

Nachdem wir nun mit dem inneren Wesen des Diagrammes vertraut sind, können wir für seinen Gebrauch am Konstruktionstisch alle Hilfslinien weglassen. Es erhält dann die in Fig. 7 wiedergegebene einfache Gestalt, die alles gibt, was wir benötigen. Um den Punkt

des Kurbelkreises wird ein Kreis durch O geschlagen, die Gerade
senkrecht auf
errichtet und durch A die Parallele zu
gezogen. Damit kommen wir aus. Aendert sich die Füllung, dann wandert der Punkt
und er dreht den Strahl
um den Punkt
Kleiner als Null und größer als 180° kann der Füllwinkel nicht werden, so daß der Viertelkreis A B O für jede