Text-Bild-Ansicht Band 326

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zu legen, daß der Endpunkt F der Stange 5 während einer Umdrehung des Exzenters auch tatsächlich zweimal durch Ve und Ve' hindurchgeht. Er liegt also auf der Mittelsenkrechten der Strecke Ve Ve'.

Fernerhin ist durch den äußeren Steuerungsmechanismus dafür zu sorgen, daß die Kantenentfernung k stets die vorgeschriebene Größe aufweist. Wir werden später sehen, daß sich dieser Forderung leicht nachkommen läßt.

Wollen wir von der normalen Füllung zur Nullfüllung übergehen, dann ist die Stange 5 so weit zu senken, daß die mittlere Richtung Ob der Stange 6 einen Winkel von 17° mit der Wagerechten einschließt (s. Fig. 8). Zugleich ist die Kantenentfernung auf 0 mm zu verringern.

Gehen wir von der normalen Füllung zur maximalen über, dann ist die Stange 5 so hoch zu heben, daß sich die neue Mittellage O c der Stange 6 um einen Winkel von 17° über die Wagerechte erhebt.

Soll nun bei dieser Füllung der Steuervorgang ganz richtig sein, dann müßte die Stange 5 in ihrer Mittellage senkrecht auf der Richtung O c stehen, damit der Punkt F der Stange 6 tatsächlich durch die beiden auf Oc liegenden Punkte Ve und Ve' hindurchgehen kann. Der Punkt III müßte also vom Regulator derart verlegt werden, daß er auf einer Geraden liegt, die in der Mitte zwischen den Punkten Ve und Ve' auf O c senkrecht steht. Der genauen Lösung dieser Aufgabe stellen sich praktisch große Hindernisse entgegen. Man führt (siehe Fig. 2) den Punkt III daher auf einem Kreisbogen um IV und sieht zu, daß die Stange 5 in ihrer Mittellage wenigstens annähernd senkrecht auf Oc steht, begnügt sich also mit einer weniger genauen Lösung des Steuerproblems.

Hieraus entstehen kleine Abweichungen in dem Verlauf je zweier aufeinanderfolgender Diagramme, die aber fast belanglos sind, zumal man bei großen Maschinen im Hochdruckzylinder nicht über eine Maximalfüllung von 50 v. H. hinauszugehen pflegt, sich also wenig von der Mittellage Oa entfernt, in welcher die Steuerung ganz genau arbeitet.

Bedenklicher wären die Folgen nur, wenn die Steuerung bei kleinen Füllungen ungenau wirken würde. Prozentual würde dann die Verschiedenheit der Leistung bei zwei aufeinanderfolgenden Diagrammen weit mehr ins Gewicht fallen und könnte den Gleichgang der Maschine beträchtlich beeinflussen.

Ein Blick auf Fig. 8 zeigt uns aber, daß gerade diese Befürchtungen bei der Frikart-Steuerung unangebracht sind. Je kleiner die Füllung wird, um so mehr nähern sich die Punkte Ve und VE' durch welche der Gelenkpunkt F hindurchgehen muß, und um so kleiner wird die Ungenauigkeit in der Steuerwirkung, wenn das Gelenk III nicht genau auf der Mittelsenkrechten zu der jedesmaligen Strecke Ve Ve' liegen sollte.

Fig. 8 lehrt uns auch, wie das Steuerungsgestänge durchzubilden ist, damit der Schieber bei jeder Füllung die richtige Dampfverteilung herbeiführt. Wir stellen (siehe Fig. 8) das Exzenter in den Punkt VE, somit den Schieber in die Lage, in der er gerade beginnt, den Dampf einströmen zu lassen. Es stehen in diesem Augenblick die Kanten 1' und 2 übereinander. Sodann möge der Regulator mit Hilfe der Stange 7 die beiden Stangen

und 6 verstellen. Bei dieser Bewegung darf sich die Kante 2 des Schiebers nicht von der Kante 1' entfernen, weil sonst im Kurbelkreis der Punkt
verlegt würde. Es beschreibt also der Punkt O der Stange
einen Kreisbogen um den festgehaltenen Punkt II, und der Punkt F der Stangen
und 6 beschreibt einen Kreisbogen um den festgehaltenen Exzentermittelpunkt E. Ein dritter Punkt (III) der Stange
bewegt sich also auf einer eindeutig bestimmten Bahn, nach deren Krümmungsmittelpunkt die vom Regulator beherrschte Regulierwelle IV zu verlegen ist.

Führen wir für den vorliegenden Fall diese Mittelpunktsbestimmung aus und berücksichtigen zugleich, daß Punkt G möglichst genau durch die verschiedenen Punkte Ve und Ve' geht, so finden wir, daß die Regulierwelle derart nahe an die Steuerwelle zu liegen kommt, daß sie sich konstruktiv nicht unterbringen läßt. Wir müssen also von vornherein schon auf eine peinlich genaue Steuerwirkung verzichten. Frikart wählte die in Fig. 2 ersichtliche Lage für die Regulierwelle und erreicht hiermit eine hinlänglich gleichmäßige Dampfverteilung.

Wir müssen uns noch vor Augen halten, daß die Strecken k, welche wir dem Steuerungsdiagramm (Fig. 8a) entnehmen, nur relativen Wert haben. Die tatsächliche Größe von k = a1 + a2 hängt von der Dampfgeschwindigkeit ab, welche wir in den Kanälen zulassen. Es dürfte sich empfehlen, den unbeweglichen Kanal a2 derart zu bemessen, daß er bei der normalen Füllung gleich

ist und hierbei eine erlaubte Dampfgeschwindigkeit zuläßt. Durch die Uebersetzungen in den Hebeln
und
können wir jede beliebige Größe von k erreichen.

Es ist noch die Frage offen, ob wir imstande sind, mit der Steuerung kontinuierlich jede Füllung, bis herab zur Nullfüllung, zu bewirken.

Aus dem Steuerungsdiagramm entnehmen wir, daß sich k mit abnehmender Füllung allmählich dem Werte Null nähert. Es müßten demnach beide Kanäle a1 und a2 verändert werden können, um einen stetigen Uebergang zum Werte a1 + a2 = 0 zu gewähren. Praktisch würde dies zu großen Komplikationen führen. Frikart umging diese Schwierigkeit und führte den Kanal in der Schieberbüchse mit der unveränderlichen Breite a2 aus. Dadurch entfällt aber die Möglichkeit, stetig zur Nullfüllung zu gelangen. Bei fester Kanalbreite a2 tritt die absolute Nullfüllung bedeutend früher ein, als wenn die zwei Kanäle veränderlich wären. Sie ist bei jener Kurbelstellung zu erwarten, welche der Kantenentfernung k = a2 entspricht und zwar springt sie hier von einem endlichen Wert auf den Wert Null.

Im gezeichneten Falle würde dies bei einer Füllung von etwa 2½ v. H. eintreten. Für die nächsten Füllungsgrade, von 2½ v. H. an aufwärts, sind starke Drosselungserscheinungen zu erwarten; denn die Schlitzbreite a1