Text-Bild-Ansicht Band 326

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zeigen ihre fugenlosen Fußböden aus Faserasbest, die auch beim Bau mehrerer Ausstellungshallen selbst Anwendung fanden. Weiter finden wir eine übersichtliche Ausstellung aller Chemikalien, die wie Magnesiumchlorid, Bittersalz u.a. für die Steinholzbereitung von Bedeutung sind. Zwei neue Wandverkleidungen, Stalfit und Preßputz, vereinigen mit gefälligem Aussehen sehr gute technische Eigenschaften, sie sind sehr haltbar, lichtbeständig und abwaschbar, so daß sie wohl den steinernen Wandplatten, die auch mehrfach vertreten sind, mit Erfolg Konkurrenz machen werden. Die Fortschritte der Glasindustrie lassen sich an den von der Firma Sievert & Co., G. m. b. H., Dresden, ausgestellten Gläsern mit Metallgerippe erkennen. Wir finden hier Fensterglaszylinder, Schalen und dicke Platten für Bauzwecke, die nicht gegossen, sondern geblasen sind. Die Herstellung solch großer geblasener Gläser wurde natürlich erst ermöglicht durch die Erfindung der Glasblasemaschinen, die zuerst in Amerika aufkamen, heute aber auch bei uns recht verbreitet sind. Mit Hilfe dieser Maschinen lassen sich auch Badewannen aus dickem Glas herstellen, die gegen Temperaturschwankungen durchaus beständig sind, ferner eckige und zylindrische Hohlgefäße mit einem Fassungsvermögen bis zu 800 l für Säuren, Bier, Akkumulatorenkästen und andere Zwecke. Die Ton- und Steinzeugwerke stellen verschiedene Sorten von Kunststein aus, die aus Schlacken unter Zusatz von Kalk gefertigt sind, ferner Becken und Tröge sowie salzglasierte Steinzeugröhren für Hausentwässerung und Städtekanalisation. Asphalt, Dachpappe, Holz- und Eisenlacke, sowie andere Teerprodukte, die im Bauwesen Anwendung finden, vervollständigen diese Gruppe.

Die Gruppe Beleuchtung zeigt deutlich die großen Fortschritte, die auf diesem Gebiete durch das gesteigerte Lichtbedürfnis unserer Zeit veranlaßt wurden. Das Hygienische Institut der Technischen Hochschule zu Dresden zeigt in einer sehr reichhaltigen Sammlung von Lampen, Leuchtern und Brennern die Entwicklung der Beleuchtung vom Altertum bis auf unsere Tage, vom Kienspan über die Rüböllampen und die Talgkerzen bis zu der hochkerzigen elektrischen Metallfadenlampe. An Tabellen wird die Einwirkung der Lichtstrahlen, besonders der ultravioletten, auf das Auge erläutert und an der Hand von Statistiken erhalten wir Aufschluß über die Kosten der verschiedenen Beleuchtungsarten. In einem besonderen Raum ist ein mit den neuesten Apparaten ausgestattetes Gaslaboratorium eingerichtet, in einem anderen Zimmer wird die Anwendung des Photometers, das in den verschiedensten Ausführungen vertreten ist, zur Messung der Lichtstärke vorgeführt. Unter den ausgestellten Schirmen und Glocken zum Schutz der Augen gegen zu grelles Licht sind besonders diejenigen aus Euphosglas bemerkenswert. Diese von den Glashütten werken Gebr. Putzler, G. m. b. H., Penzig, fabrizierte Glassorte ist von grünlich-gelber Farbe und absorbiert vollkommen die dem Auge schädlichen ultravioletten Strahlen. Das Glas kann auch direkt zur Herstellung von Glühlichtzylindern und elektrischen Glühlampen verwendet werden, da es von den sichtbaren Strahlen nur einen kleinen Teil (bis zu 5 v. H.) mehr als andere Gläser verschluckt. Besonders instruktiv wird die Entwicklung der Gaserzeugung demonstriert; die großen Vorteile, die die neuen Ofenkonstruktionen gegenüber den alten Oefen mit Horizontalretorten bieten, gehen aus folgender Tabelle deutlich hervor:

Fabrikation von 30000 cbm Gas früher

und jetzt.

Ofen Kohlen Arbeiter
Horizontalretorten:
25 Oefen mit 7 Retorten, 107 t, 50 Mann
4,8 Stunden 1050 Füllungen
Schrägretorten:
12 Oefen mit 9 Retorten, 100 t, 18 Mann
6 Stunden 432 Füllungen
Kammerofen:
4 Oefen mit je 4 Kammern, 90,9 t, 5 Mann
24 Stunden 16 Füllungen.

Diese Tabelle zeigt einmal, wie die Gasausbeute aus 100 kg Kohlen von 28 cbm bei den alten Retortenöfen auf 30 cbm bei den Schrägretortenöfen und gar auf 33 cbm bei den Kammeröfen gestiegen ist. Weiter ersicht man daraus, wie durch die Vergrößerung des Retortenraumes und durch die Verlängerung der Vergasungszeit die anstrengende und ungesunde Arbeit des Füllens auf ein Minimum reduziert wurde. Da diese Arbeit heute in jedem größeren Werke mit Hilfe mechanischer Füllvorrichtungen ausgeführt wird, ist nur noch der zehnte Teil der in früheren Jahren hierzu erforderlichen Bedienungsmannschaft nötig. Um die Fortschritte auf dem Gebiete der Gasbeleuchtung richtig zu würdigen, braucht man nur die modernen Preßgaslampen mit dem hier ausgestellten riesigen Siemens-Brenner zu vergleichen, wie er vor der Erfindung des Auer-Lichts in vielen Städten zur Beleuchtung von Straßen und Plätzen gebräuchlich war. Er lieferte 500 HK und hatte den hohen Gasverbrauch von 1,77 cbm i. d. Std., während die Zündflamme, die zugleich als Nachtflamme diente, 360 l stündlich verbrauchte. Demgegenüber liefert ein Preßgasbrenner bis zu 1800 HK und verbraucht für die HK/Std. nur 0,5 l Gas. Das Preßgas, das in den letzten Jahren in den meisten Großstädten eingeführt wurde und die elektrische Straßenbeleuchtung erheblich zurückgedrängt hat, wurde auch zur Beleuchtung des Ausstellungsgeländes hauptsächlich herangezogen. Der Haupteingang und ein Teil der Lennestraße werden mit dem Pharoslicht der Auergesellschaft beleuchtet, während in der Johann-Georgen-Allee und einem Teil des Ausstellungsparks 40 dreiflammige Preßgaslampen von je 2400 HK der Firma Julius Pintsch, Berlin, installiert sind. Beide Lampenarten haben einen Gasverbrauch von 0,51 für die Kerzenstunde. Die zur Erzeugung des Preßgases erforderlichen Kompressoren sind in der Kraftstation aufgestellt und wurden schon oben besprochen. Die Nothwendigkeit der Errichtung einer Kompressionsanlage und der Verlegung eines besonderen Hochdruckrohres hat es bisher