Text-Bild-Ansicht Band 329

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erhalten in der Regel den Morsekonus gleich dem Spiralbohrer, dem die Reibahle ja besonders ähnelt.

Für Handgebrauch sind die Schneidzähne entweder gerade – parallel zur Achse –, oder mit schwachem Drall im Sinne der Drehung (Rechtsdrall) ähnlich dem Spiralbohrer, ausgeführt, da sich dann der Vorschub des Werkzeuges leichter gestaltet. Die Steigung darf jedoch nicht geringer als das Zehnfache vom Durchmesser sein, weil andernfalls leicht ein zu starkes Hineinschrauben des Werkzeuges eintreten kann. Bei Reibahlen mit geraden Zähnen ist es wichtig, entweder eine ungerade Anzahl von Zähnen vorzusehen, oder die Zahnteilung ungleich zu machen, wenn man vermeiden will, eckig aufgeriebene Löcher zu erzeugen. Reibahlen, die mit verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit umlaufen und vielleicht sogar freihändig geführt werden, wie es also besonders für die erwähnten transportablen Werkzeugmaschinen zutrifft, müssen unbedingt einen starken Linksdrall besitzen, um das Hineinsaugen zu vermeiden. Ungünstig ist bei diesen sogenannten Preßluftreibahlen allerdings noch, daß sie fast auf der ganzen Länge konisch sind.

Bei den sonst im Maschinenbau verwendeten Maschinenreibahlen, die immer zwangläufig geführt werden, hat sich ein besseres Arbeiten ergeben, wenn der konische Teil nur ganz kurz war und die Reibahle auch nach hinten schwach – etwa 0,025 bis 0,05 m auf 100 mm – konisch verlief. Hier hat die Art des Dralls begreiflich wenig Einfluß, ebenso ist eine große Länge dieses hinteren Teiles ohne Wert. Man findet daher diese Reibahlen fast immer mit kurzem Schneidteil.

Textabbildung Bd. 329, S. 220

Für größere Durchmesser verwendet man statt massiver Reibahlen aufsteckbare, d.h. solche, die aus einer mit Schneiden versehenen Hülse bestehen und auf einen zur Maschine passenden Normaldorn aufgesteckt werden. Abb. 2 zeigt eine Abart derselben in Gestalt einer nachstellbaren Reibahle mit eingesetzten Messern.

Eine besondere Art von Reibahlen dient zur Erzeugung von konischen Löchern für Stifte, Hahnküken usw. Hier ist der Scheidenteil genau konisch. Da die Zähne auf einer großen Länge schneiden müssen, empfiehlt es sich, sie mit einer Anzahl von gegeneinander versetzten Einkerbungen zu versehen, um die Späne zu brechen, wie dies auch bei Fräsern geschieht.

Rich. Müller.

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Neues aus der Heizkesselindustrie. Zurzeit nimmt unter den Heizkesseln der gußeiserne Gliederkessel die erste Stelle ein, dessen Bauweise für mittlere Typen bei Verwendung von Koks als Brennmaterial festzuliegen scheint. Als nächste Entwicklungsziele sind zu bezeichnen: Die Schaffung von Großkesseln, die Nutzbarmachung gasreicher Braunkohle und die Beheizung mit Gas und flüssigen Brennstoffen. Endlich ist man auch bemüht, schmiedeiserne Gliederkessel zu bauen, allerdings ohne bisher zu ganzem Erfolge gelangt zu sein. Von Interesse ist es, die Rückwirkung der in dem gekennzeichneten Streben entstandenen neuen Formen auf die bestehenden älteren Typen zu beobachten. So bringen z.B. die Nationale Radiator-Gesellschaft zu Berlin und der Hessen-Nassauische Hüttenverein in Neuhütte Kessel von mittlerer Leistung auf den Markt, die sich in bezug auf die Bauweise sehr den Großkesseln der genannten Firmen nähern. Dem Streben, auch bei hoher Leistung mit einer geringen Anzahl von Kesseln auszukommen, kamen die Strebelwerke in Mannheim, deren führende Stellung in der Heizkesselindustrie bereits in D. p. J. 1913 auf S. 395/96 gekennzeichnet wurde, durch den Ecakessel entgegen, dessen Heizfläche 22 bis 40 m2 beträgt. Er wird an Größe von dem durch die Firma Balcke, Tellering & Co. in Benrath gebauten Großkessel noch übertroffen, der bis 43 m2 Heizfläche aufweist. Die an letzterem von dem Rheinischen Dampfkessel-Ueberwachungsverein Düsseldorf vorgenommenen Verdampfungsversuche lieferten befriedigende Ergebnisse. Das Verhältnis der Heizfläche zur Rostfläche war 33,36. Als Brennstoff gelangte Hüttenkoks Konkordia mit einem Heizwert von 6520 WE zur Verwendung. Die im Kessel nutzbar gemachte Wärmemenge betrug 83,17 v. H. Unter den Brikett-Gliederkesseln, welche im vergangenen Jahr zum erstenmal auf den Markt kamen, sind der Bricokessel der Strebelwerke, der Lollarkessel der Buderusschen Eisenwerke sowie ein Kessel der Hartung-Aktiengesellschaft in Berlin erwähnenswert. Der letztgenannte Typ wies nach Versuchen des Dipl.-Ing. Barkow einen Wirkungsgrad von 80,1 v.H. auf, bei Verfeuerung von Braunkohlenbriketts mit einem Heizwert von 4662,7 WE. Auch der Niederbrandkessel von Höntsch & Co. in Dresden-Niedersedlitz ist für gasreiche Brennstoffe geeignet. Die Verwendung von Gas zur Beheizung von Kesseln mit großem Füllraum kommt meist nur dann in Frage, wenn es möglich ist, Abfälle, z.B. die Abgase des Dieselmotors, zu verwerten. Leuchtgas ist nur selten festen Brennstoffen gegenüber wirtschaftlich zulässig. Eher käme Generatorgas in Betracht. Bei der Verwendung von flüssigem Brennstoff hat sich der Irinyi-Brenner als geeignet erwiesen. Zu den Typen, die eine Gasbeheizung zulassen, gehört der von Gebr. Sulzer in Winterthur und Ludwigshafen gebaute Gaskessel, der bis zu einer Höchstleistung von 24000 WE geliefert wird. Auch die französische Bauweise Ramassot ist an dieser Stelle zu erwähnen. Die bisher entstandenen schmiedeeisernen Kessel haben mit den gebräuchlichen gußeisernen Typen bisher nicht erfolgreich in Mitbewerb treten können. Bei ihnen werden die Glieder entweder durch Pressen von Blechplatten und autogenes Schweißen in die gewünschte Form gebracht, oder sie werden aus gezogenen Rohren