Text-Bild-Ansicht Band 329

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schlechten Erfahrungen waren zumeist auf nicht richtige Bauweise der Oefen zurückzuführen; auch stellte man an die Oefen Anforderungen, die sie nicht erfüllen konnten. Während man anfangs glaubte, daß man das Schmelzen, Frischen und Fertigmachen im elektrischen Ofen vornehmen müsse, um ein gutes Erzeugnis zu erzielen, hat man heute eingesehen, daß es zweckmäßig ist, nur das Fertigmachen im elektrischen Ofen vorzunehmen, Schmelzen und Frischen aber in der bisher üblichen Weise. Der elektrische Ofen gestattete einen Einblick in die Vorgänge beim Schmelzen und hat zur Verbesserung der Darstellungsweisen und zur Erzielung größerer Reinheitsgrade beigetragen. Heute können wir selbst aus schlechtestem Phosphoreisen ein Erzeugnis mit nur 0,65 v. H. Phosphor erschmelzen, auch vom Schwefelgehalt des Roherzes sind wir heute unabhängig. Durch die höhere Reinheit ist auch die Seigerung eingeschränkt. Was nun die Kosten der Elektroschmelze betrifft, so muß natürlich ein möglichst niedriger Stromverbrauch erstrebt werden. Hier bemerkt der Vortragende, daß die Angaben in der Literatur sich in sehr weiten Grenzen bewegen, meist nicht zu vergleichen sind, da sie sich auf verschiedene Verfahren beziehen, auf verschieden große Oefen, teils auf praktisch tatsächlich erhaltene Ergebnisse zurückgreifen, teils nur theoretisch errechnete Werte angeben. Wenn nur der gefrischte Stahl im Elektroofen fertig gemacht wird, dann stellt sich die Tonne Stahl mittlerer Güte im Elektroofen um etwa 6 bis 8 M höher als für Martinstahl. Man hat dem Elektroofen dann entgegengehalten, daß er nicht für Großerzeugung in Frage kommen kann, und nicht anwendbar ist für die Riesenmengen, die jährlich von Stahl erzeugt werden. Demgegenüber sei bemerkt, daß heute Mittelsorten, ferner Stähle, für welche die Anforderungen an Festigkeit und Zähigkeit groß sind, auf elektrischem Wege hergestellt werden, Formeisen, Dynamobleche, ja sogar ganze Brückenteile aus Elektrostahl sind schon hergestellt. Was nun die Verbindung eines Elektrostahlwerks mit einem Walzwerk betrifft, so bemerkt der Vortragende, daß in Amerika Elektrowalzwerke für bestimmte Erzeugnisse, wie z.B. Schienen, sehr gut bestehen können, infolge der großen Aufträge, in Deutschland ist das schwerer möglich. Aber eine andere Verwendung des elektrischen Ofens wird noch viel zu wenig gewürdigt, nämlich die Herstellung von Stahlguß im Elektroofen, die ein ganz hervorragendes Erzeugnis ergibt. Die Stahlwerke fürchteten beim Elektroverfahren auch, daß die Anforderungen an die Güte zu sehr in die Höhe gehen würden. Eine derartige Folge wäre natürlich durchaus nicht wünschenswert, denn man muß ja vor allem wirtschaftlich verfahren und darf daher die Gütebedingungen nicht so hoch schrauben, daß die billigeren Arbeitsweisen dadurch ausgeschaltet werden. Man muß die Ansprüche an die Güte den wirtschaftlichen Verhältnissen anpassen, und als ein Beispiel für eine derartige nationale Wirtschaftspolitik führt der Vortragende England an, wo früher nur das saure Verfahren verwendet wurde, und erst, als die phosphorarmen Erze in England sich verminderten, die basischen Verfahren in Aufnahme kamen. Der Vortragende betont, daß an Handelswaren keine gesteigerten Ansprüche zu stellen sind, wohl aber muß die Forderung der Konstrukteure nach festem und zähem Baustoff bei den gesteigerten Belastungen unserer Eisenbahnen als berechtigt anerkannt werden.

Der Vortragende beschrieb an Hand von Lichtbildern die verschiedenen Elektroofen. Von den Lichtbogenöfen wurden vorgeführt die Oefen von Stassano, Girod, Héroult, ferner die Oefen von Nathusius und von Keller. Während anfangs die Oefen einphasig arbeiteten, ging man bald zu Dreiphasenstromöfen über. Von Widerstandsöfen wurden vorgeführt der Kjellin-Ofen, sowie der Ofen von Röchling. Neben der Erzeugung von Elektrostahl wurde auch die Roheisengewinnung im elektrischen Ofen versucht, und der Vortragende beschrieb auch den von der Elektrometallgesellschaft in Schweden hierzu verwendeten Ofen. In Deutschland ist eine Elektroroheisengewinnung in größerem Maßstabe wohl kaum zu erwarten, da die Kosten im allgemeinen zu hoch sind. In Gegenden mit billig zur Verfügung stehendem Strom und hohen Kohlenpreisen ist es aber nicht ausgeschlossen, daß man zur Elektroroheisenschmelzung greifen kann. Zum Schluß gab der Vortragende einige Zahlen über die im Betriebe befindlichen Elektroofen an.

Plohn.

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Zum 25 jährigen Bestehen hat die A.-G. Hein, Lehmann & Co., Eisenkonstruktionen, Brücken- und Signalbau in Berlin-Reinickendorf und Düsseldorf-Oberbilk, eine Denkschrift herausgegeben, die in Wort und Bild die Anfänge, Erfolge und Bestrebungen der Firma niederlegt. Gegründet im Jahre 1877 zu Berlin, Chausseestraße, als ein Privatunternehmen befaßte sich das Werk in der Hauptsache mit der Herstellung des Trägerwellbleches, das damals weit mehr verarbeitet wurde, als heute. Da das Geschäft florierte, bildete sich alsbald aus dem Privatunternehmen eine Kommanditgesellschaft. Es wurden zwei neue Abteilungen für Eisenkonstruktionen und Eisenbahn -signalbau angegliedert, und nach einigen weiteren guten Erfolgen im Jahre 1888 die Firma in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 1100000 M umgewandelt. Heute hat sich das Anfangskapital auf 3500000 M erhöht. Die Räume in der Chausseestraße zu Berlin sind schon lange zu klein geworden, in Düsseldorf und Berlin-Reinickendorf befinden sich jetzt die großen Montage hallen, Fabrikhöfe und Verwaltungsgebäude der Firma. In beiden Fabriken zusammen wurden im Jahre 1913 2100 Beamte und Arbeiter beschäftigt. Der Umsatz sämtlicher Werke betrug im Jahre 1912 rund 12000000 M. Von ausgeführten Arbeiten seien erwähnt: Lokomotivhalle der Eisenbahnhauptwerksätte auf dem Troyl bei Danzig. Dachkonstruktion Reichsbankgebäude, Braunschweig, Hauptkraftzentrale der Londoner Untergrundbahn. Hochofengerüste mit Verbindungsbrücke, Kneuttlingen, Lothr. Hoftheater in Braunschweig und Darmstadt. Stell Werksanlagen, Bergwerksanlagen, Bahnhofshallen Koblenz, Deutz, Elberfeld und Aachen, die Riesen-Hellinganlagen in Hamburg und St. Petersburg. Türme für drahtlose Telegraphie in