Text-Bild-Ansicht Band 329

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so hoch stieg, daß Gefahr des Festfressens bestand. Bei der Anwendung einer Mischung desselben Motoröles mit 0,35 v. H. künstlichen Schwebegraphits war nicht nur der Reibungskoeffizient in den ersten zwei Stunden viel niedriger, wie auch die Temperatur niedriger blieb, sondern blieb auch nach Abschneiden des Oelzuflusses für eine Zeit von vier Stunden immer noch niedriger als der Reibungskoeffizient des mit reinem Oel normal geschmierten Lagers. Die gestrichelte Kurve Nr. 2 in Abb. 1 zeigt den Verlauf des Versuches bei Graphitölmischung an. Hierbei sei gleich bemerkt, daß bei Verwendung von reinem Oel ein Oelzufluß von acht Tropfen in der Minute den geringsten Betrag darstellte, mit dem sich bei diesem Druck die Reibung überwinden ließ. Dies wurde in einem anderen Versuch festgestellt, wo der Oelzufluß auf sechs Tropfen in der Minute gemindert wurde. Der Oelfilm wurde bald nach dem Beginn des Versuches durchbrochen, und der Reibungskoeffizient stieg unzulässig, woraus zu ersehen war, daß diese Oelmenge nicht genügte. Jedenfalls ist das aus Abb. 1 ersichtliche Fortdauern der Schmierwirkung des Graphites nach Abschneiden des Oelzuflusses, welches sich sicherlich noch über einen längeren Zeitraum erstreckt hätte, von der größten Bedeutung für den Maschinenbau, da dann ein Heißlaufen von Lagern infolge mangelnder Oelzufuhr nicht mehr eintreten kann, wenn man die Mischung von Oel mit künstlichem Graphit, genannt Oildag, zum Schmieren verwendet.

Textabbildung Bd. 329, S. 323

Um sich zu vergewissern, ob ein größerer oder kleinerer Prozentgehalt von künstlichem Graphit vorteilhaft ist, wurden mehrere Versuche angestellt mit Oel, welches 0,5 v. H. und kleinere Mengen bis hinunter zu 0,1 v. H. Graphit enthielt, aber keiner dieser Versuche hatte ein befriedigendes Ergebnis. Abb. 2 zeigt den Reibungskoeffizienten des Motoröles mit 0,25 v. H. Graphitgehalt, bei einem Flächendruck im Lager von 10 kg/cm2. Die Ergebnisse dieses Versuches sind nicht beträchtlich verschieden von denen in Abb. 1 mit 0,35 v. H. Graphitgehalt, obgleich der Reibungskoeffizient bei dem höheren Graphitgehalt sich etwas niedriger stellt. Es ist also ziemlich gleichgültig, welchen von diesen Prozentgehalten man wählt, um den schützenden Graphitüberzug auf dem Lager zu erzeugen. Aber wie wir später sehen werden, kann dieser Ueberzug sowohl durch vermehrte Zuführung eines Oeles mit geringerem Graphitgehalt oder auch durch verringerten Zufluß von Oel mit normalen Graphitgehalt erreicht werden.

Den geringsten Graphitgehalt, welcher zur Erzeugung eines permanenten Graphitüberzuges im Lager erforderlich ist, wurde ermittelt in einer Reihe von Versuchen, wobei unter demselben Flächendruck und bei derselben Drehzahl des Lagers der Oelzufluß allmählich verringert wurde. Das Oel enthielt dabei 0,35 v. H. Graphit, und der Oelzufluß wurde von acht auf vier Tropfen in der Minute verringert. Wie aus der Kurve Nr. 1 in Abb. 3 zu sehen, zeigte sich nach Ablauf von drei Stunden, wo normale Verhältnisse eingetreten waren, der Reibungskoeffizient praktisch unverändert bis zum Verlaufe von sechs Stunden. Schließlich wurde der Oelzufluß von vier auf zwei Tropfen in der Minute verringert, und wie vorher blieb der Reibungskoeffizient praktisch derselbe (Kurve Nr. 2) während 15 Stunden mit geringen Aenderungen, die auf Anhalten und Anlassen der Maschine zurückzuführen sind. Der Flächendruck betrug bei diesen Versuchen 13,6 kg/cm2, und die Drehzahl 450 in der Minute. Unter denselben Verhältnissen wurde eine Minderung von zwei auf einen Tropfen in der Minute vorgenommen, die Ergebnisse sind in der Kurve / in Abb. 4 dargestellt. Es zeigte sich auch hier keine Aenderung des Reibungskoeffizienten. Minderte man den Oelzufluß noch weiter auf einen Tropfen für je zwei Minuten, so erhielt man das in Abb. 4 durch Kurve Nr. 2 dargestellte Ergebnis. Während einer Dauer von 16 Stunden blieb der Reibungskoeffizient konstant, und kein Wechsel der Temperatur trat auf. Da bei diesem Versuch der Reibungskoeffizient am Ende der 16 Stunden noch unverändert war, so würde wahrscheinlich noch eine stärkere Verminderung des Oelzuflusses genügt haben, um den Graphitüberzug zu erhalten. Leider ließ sich aber an dem Oelbecher eine geringere durchfließende Menge nicht mehr mit Genauigkeit messen.

Textabbildung Bd. 329, S. 323
Textabbildung Bd. 329, S. 323

Man ersieht hieraus, daß man dieselbe Schmierwirkung erhält, wenn man bei Graphitbeimischung 1/16 der Oelmenge verwendet, die bei Benutzung reinen Oeles zur Aufrechterhaltung der Schmierung mindestens notwendig ist, denn wie aus Kurve I in Abb. 1 zu sehen, war ein Oelzufluß von acht Tropfen in der Minute die geringste Oelmenge, mit der die Reibung überwunden werden konnte.

Die Dauerhaftigkeit des Graphitüberzuges wurde festgestellt, indem nach Beendigung des Versuches Nr. 2 in