Text-Bild-Ansicht Band 327

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zurückgezogen und der Gegenhalter so weit verschoben, bis der Raum zwischen den Vorderflächen der beiden Druckplatten nur wenig größer ist als die Länge des Versuchsstückes. Dann wird der Gegenhalter mit den Spindeln gekuppelt und das Versuchsstück kann in die Maschine eingebracht werden. Bei Beginn der Prüfung werden dann die beiden Rückzugzylinder auf Abwasser gestellt, und der Preßplunger wird zunächst durch Wasserleitungsdruck so weit vorgeschoben, bis beide Druckplatten fest an dem Versuchsstück anliegen. Hierauf wird die Wasserleitung abgesperrt und Druck in den Preßzylinder bis zur jeweils erforderlichen Höhe eingelassen. Die Rückzugzylinder bleiben immer auf Abwasser stehen, wenn das Versuchsstück belastet wird. Ist der Versuch beendet, so wird die Druckwasserleitung vom Preßzylinder abgesperrt, der letztere auf Abwasser gestellt und schließlich durch Einlassen von Druckwasser in die Rückzugzylinder der Preßplunger mit der einen Druckplatte zurückgezogen.

Sollen mit der Maschine Zugversuche ausgeführt werden, so wird das Kolbenquerhaupt mit den Spindeln gekuppelt, der Preßzylinder entkuppelt, die seitlichen Unterstützungsböcke unter die Druckplatten geschoben und mit diesen verschraubt, so daß die Druckplatten auf dem Maschinenbett ruhen. Die beiden Zugstangen i und k werden vorgeschoben, bis die Gewindeenden vollständig durch die Druckplatten hindurchtreten. Falls es die Länge des zu prüfenden Stückes erfordert, wird vor dem Ausbauen des hydraulischen Widerlagers der Gegenhalter eingestellt und dann mit den Spindeln gekuppelt. Wenn das Versuchsstück eingespannt ist, wird, wie bei Druckversuchen, zunächst Füllwasser aus der Wasserleitung in den Preßzylinder eingelassen und die Rückzugzylinder werden auf Abwasser gestellt. Erst wenn das Versuchsstück durch den Füllwasserdruck gespannt ist, wird die Druckleitung zum Preßzylinder geöffnet.

Die hydraulische Presse ist so eingerichtet, daß sich der Kolben um 40 cm verschieben kann. Für die Versuche ist dieser Weg vollkommen genügend, ein größerer Weg kann durch Umsetzen von Plunger und Kolben erzielt werden.

Um ein ungefähres Bild von den Stärkeabmessungen und den Maßen der einzelnen Maschinenteile zu bekommen, sei bemerkt, daß der Druckzylinder rd. 1900 mm äußeren Durchmesser und rd. 1200 mm Bohrung aufweist und allein rd. 40000 kg wiegt. Die aus zwei Teilen bestehenden Spindeln haben 500 mm ∅ und wiegen bei je 13,5 m Länge etwa 20000 kg. Der Gegenhalter hat rd. 1160 mm ∅ und ist rd. 32000 kg schwer. Beachtung verdienen auch die massigen Druckplatten von 4 qm Fläche mit einem Einzelgewicht von 15000 kg.

Die Maschine für sich, ohne die für den Betrieb notwendige Preßwasseranlage, hat ein Gesamtgewicht von rd. 350000 kg.

Die Gesamtlänge der Maschine ist rd. 28 m, die Breite etwa 4,5 m; die Maschinenachse liegt etwa 1250 mm über Hallenflur.

Die Maschine wurde nach Angaben des Vorsitzenden des Brückenbauvereins, Kgl. Baurat Dr.-Ing. Seifert, unter Berücksichtigung der Wünsche des Materialprüfungsamtes von der Firma Haniel & Lueg, Düsseldorf, entworfen und ausgeführt. Sie wird gegenwärtig in einer vom Verein errichteten Halle auf dem Gelände des Kgl. Materialprüfungsamtes in Groß-Lichterfelde-West aufgestellt und im kommenden Frühjahr ihrer Bestimmung übergeben.

Die Auswertung der Versuchsergebnisse obliegt einem Ausschuß, dessen Mitglieder dem Lehrberuf und der Praxis angehören.

Mögen die Hoffnungen des Vereins, mit Hilfe der mit der Maschine gewonnenen Ergebnisse lückenlose Bauregeln aufzustellen und einwandfreie Ausbildung von Konstruktionsteilen zu schaffen, in Erfüllung gehen, zum Nutzen der Allgemeinheit und zur Ehre der deutschen Wissenschaft.

Seydel.

FORTSCHRITTE IN DER ALKALICHLORIDELEKTROLYSE.

Von Professor K. Arndt, Charlottenburg.

Inhaltsübersicht.

Die Billiter-Zelle zur Alkalichloridelektrolyse wird kurz beschrieben; die mit ihr in der Praxis erhaltenen günstigen Ergebnisse werden durch Zahlen belegt.

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Um Chlornatrium oder Chlorkalium elektrolytisch zu Aetzalkali oder Chlor zu verarbeiten, hat man seit etwa zwei Jahrzehnten drei Verfahren im Gebrauch, welche ihr Ziel, das an der Anode gebildete Chlor von der an der Kathode entstehenden Alkalilauge fern zu halten, auf ganz verschiedene Weise erreichen. Bei dem Diaphragmenverfahren ist die Anode in eine schmale Zelle mit porösen Zementwänden eingeschlossen; bei dem Glocken verfahren wird die verschiedene Dichte von Anoden- und Kathodenflüssigkeit zu ihrer Trennung benutzt und die ihre Vermischung erstrebende Diffusion durch entgegengesetztes Strömen der Badflüssigkeit ausgeglichen; bei dem Quecksilber verfahren wird an der Kathode Natriumamalgam gebildet, das fortgeführt und in einer besonderen Zelle zu Natronlauge verarbeitet wird. Alle drei Verfahren sind im Laufe der Zeit verschiedentlich verbessert worden. Diese Verbesserungen bezweckten, konzentriertere Laugen zu gewinnen, zur Raumersparnis die Zersetzungszellen mit möglichst starken Strömen zu betreiben und dennoch gute Stromausbeuten zu erzielen. Diesen Zweck erreicht z.B. die Townsendzelle, indem sie den Kathodenraum mit Petroleum beschickt, in welchem das entstandene Aetznatron rasch untersinkt und so allen chemischen Nebenreaktionen entzogen wird. Obwohl die Townsendzelle am Niagara mit bestem Erfolg arbeitet, hat sie doch in Europa bisher keinen Eingang gefunden. Dagegen ist die jüngste Konstruktion auf dem Gebiete der Alkalichloridelektrolyse, die Billiterzelle, welche