Text-Bild-Ansicht Band 327

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gedämpften Wellenzügen; erstere werden entweder nach Poulsen durch einen Lichtbogen in einer Wasserstoff-Atmosphäre oder direkt durch eine speziell hierfür gebaute Wechselstromdynamo, eine sogen. Hochfrequenzmaschine, die gedämpften Wellenzüge durch Funkenentladung erzeugt. Die Lichtbogenmethode hat die auf sie gesetzten enthusiastischen Hoffnungen nicht erfüllt, ihre Anwendungen in der Praxis sind sehr gering geblieben, man kann sogar sagen verschwindend klein, nämlich beschränkt auf bestimmte Spezialzwecke.

Die kontinuierlichen Schwingungen haben nur eine einzige Periodizität, die Schwingungszahl in der Sekunde, die diskontinuierlichen Schwingungen dagegen zwei, nämlich neben der Schwingungszahl eine Periodizität der Gruppen. Da jede Gruppe aus der Energie einer Funkenentladung hervorgegangen ist, so ist die Periode der Gruppe gleich der Anzahl der Funken, gleich der Funkenfolge in der Sekunde. Ein Sender mit diskontinuierlichen Schwingungen kann also eine Individualität mehr besitzen. Einige Worte über die Hochfrequenzmaschinen: Wie schon erwähnt, werden für Hochfrequenzströme bis zu 1000000 Perioden in unserer Technik angewendet. Solche Frequenzen kann man weder heute noch in absehbarer Zeit durch Hochfrequenzdynamo erzeugen. Aber auch Wechselströme von 50000 Perioden haben seit den letzten Jahren einen gewissen Wert erhalten, nämlich für die Telegraphie auf sehr große Entfernungen. Solche Frequenzen kann man direkt nach dem Dynamoprinzip aus mechanischer Energie mittels gewisser Spezialdynamos herstellen. Eine solche unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Wechselstromdynamo zunächst dadurch, daß bei der Rotation nicht 100 Magnetpole i. d. Sek. vorbeibewegt werden, sondern 100000. Die Konstruktion führt zu sehr hohen Umfangsgeschwindigkeiten und sehr schmalen Magnetpolen bezw. kleiner Polteilung.

Das Eisen der Maschine ist eine große Verlustquelle bei Wechselströmen so hoher Frequenz. Es muß durch feinste Unterteilung möglichst unschädlich gemacht werden. Die Maschinen werden aus Eisenblechen von 0,03 mm, d.h. von Papierdicke, zusammengesetzt und Blech gegen Blech durch Papierzwischenlagen isoliert. So enthält die Dynamo 50 v. H. Papier. Dieses mechanisch komplizierte Gefüge enthält eine Umfangsgeschwindigkeit von 200 bis 250 m i. d. Sek., d.h. etwa die Geschoßgeschwindigkeit eines älteren Militärgewehres.

Die mechanischen Schwierigkeiten steigern natürlich die Kosten der Fabrikation wesentlich und bringen eine gewisse Betriebsunsicherheit mit sich; aber das mag noch angehen. Schlimmer ist, daß alle Hochfrequenzmaschinen gewisse prinzipielle Fehler haben, für deren Beseitigung heute noch die Mittel fehlen.

Die Periode ist von der Umdrehungszahl der Maschine abhängig. Gefordert wird eine Genauigkeit der Periode von mindestens ¼ v. H. auch während der schnell schwankenden Belastung beim Telegraphieren. Gibt es einen so regulierten oder so regulierenden Antriebsmotor?

Auch die Isolation der Maschine ist äußerst schwierig. Sollen beispielsweise 50 KW ausgestrahlt werden, so pulsiert in der Maschine eine leer schwingende Energie von mehr als 500 KW mit entsprechend hoher Spannung und Stromstärke.

Schließlich kann eine aus Metall bestehende Maschine Hochfrequenzströme von etwa 200000 Perioden oder mehr überhaupt nicht liefern, weil bei diesen höheren Periodenzahlen infolge der Kapazität der Wicklung gegenüber dem Gestell ein Hochfrequenzkurzschluß eintritt und keine Energie mehr nach außen geliefert wird.

Von Professor Goldschmidt rührt eine Vervollkommnung einer solchen Maschine her, die in Deutschland ein gewisses Aufsehen erregt hat. Bei seiner Anordnung wird in der Maschine eine niedrigere Periodenzahl erzeugt und diese in der Maschine durch elektrische Mittel gesteigert.

Eine nach diesem Patent hergestellte Maschine hat eine Polteilung und Umfangsgeschwindigkeit, die einer niedrigeren Periode entspricht, so daß die mechanischen Schwierigkeiten verringert werden.

Von der Hochfrequenzmaschine wird erwartet, daß sie eine vermehrte Schwingungsenergie erzeugt.

Bisher ist aber eine Aufgabe der drahtlosen Telegraphie noch nie daran gescheitert, daß für den Sender nicht genügende Energiemengen in Hochfrequenzform erzeugbar waren, sondern daran, daß man sie nicht ausstrahlen konnte. Die Antennenschwierigkeiten begrenzen die Leistungen. Sind erst einmal Antennen gefunden, mit denen man 500 oder 1000 KW ausstrahlen kann, dann versagt vielleicht die Funkenmethode, dann kann die Maschine größere Bedeutung erhalten.

Mit Rücksicht auf diese Entwicklungsmöglichkeit hat die A. E. G. in der Maschinenfabrik Brunnenstraße im Auftrage von Telefunken jetzt schon mehrere Hochfrequenzmaschinen verschiedener Typen in Arbeit genommen und zwei solche nähern sich der Fertigstellung.

Jetzt einiges über die Erzeugung der Schwingungen durch Funken.

Man erzeugt mit Funkenentladungen Hochfrequenzströme bis zu mehr als 100 KW Energie und Frequenzen hinauf bis zu Millionen i. d. Sek. und herunter bis zu wenigen Tausend. Eine angeschlagene Stimmgabel demonstriert gut die modernste Funkenmethode. Die Energie wird der Stimmgabel durch einen kurzen Schlag zugeführt und diese Energie in einen abklingenden akustischen Wellenzug umgesetzt und ausgestrahlt. Ist der Ton ganz oder fast ganz verklungen, dann erfolgt ein neuer Schlag. Den Hammerschlägen entsprechen elektrisch die Funken. Das Energiequantum eines Funkens wird in einen abklingenden Wechselstromzug umgesetzt. Bei den Telefunkenstationen ist die Funkenfolge meist 1000 i. d. Sek. Nehmen wir an, daß die erzeugte Wechselstromperiode 100000 sei und daß jeder Wellenzug nach 100 Schwingungen aufhöre, so sind die Pausen zwischen den Wellenzügen gerade verschwunden, und der neue Funke setzt immer in dem Moment ein, wo der vorhergehende Wellenzug gerade aufgehört hat. Die Funkenmethode hat manche Vorzüge vor der Maschine. Von diesen seien nur die absolute