Text-Bild-Ansicht Band 327

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Hochschulunterricht grundverschiedener. Die einzelnen Fächer sind genau vorgeschrieben, und der Besuch des Unterrichts wird kontrolliert. Ein Schwänzen, wie bei uns vielfach üblich, ist dort unmöglich. Bei wiederholten Versäumnissen kann Verwarnung und schließlich der Ausschluß eintreten. Das Hören von anderen, den Studenten interessierenden Vorlesungen ist nur, wenn sie mit den vorgeschriebenen nicht zusammenfallen, und mit ausdrücklicher Genehmigung des Abteilungsvorstandes zulässig. Durch eingehende Zwischenexamina, die alle Semester, oft auch alle Monat, stattfinden, überzeugt sich der Professor von den Fortschritten seiner Schüler. Man kann das ganze Unterrichtsverfahren am ehesten mit dem an unseren staatlichen Maschinenbauschulen gebräuchlichen vergleichen.

Auffallend ist das oft jugendliche Alter vieler Professoren, sogar von solchen in wichtiger Stellung. Man steht auf dem Standpunkt, daß der Professor in erster Linie für die Studenten da ist. In jüngerem Alter hat aber der Professor noch mehr Sinn für die Schwierigkeiten, die der Student beim Studium findet, auch läßt sich viel leichter ein persönlicher Kontakt zwischen Schüler und Lehrer herstellen. Er ist mehr älterer Kollege und Freund, ist stets für die Studenten, auch in nicht gerade fachlichen Angelegenheiten zu sprechen, besucht ihre Zusammenkünfte usw. Das Verfahren hat den unbestreitbaren Vorzug für sich, daß die Studenten mehr von ihren Lehrern haben; allerdings können diese selbst wissenschaftlich nicht in dem Maße tätig sein wie unsere deutschen Professoren, weil ihre Zeit durch den Lehrberuf weit mehr absorbiert wird.

Der Unterrichtsplan enthält zunächst die Fachvorlesungen, dann praktische Uebungen, die nicht nur in zeichnerischen und Laboratoriumsarbeiten, sondern auch in Werkstattstätigkeit bestehen, und schließlich allgemeine Fächer. Unter diesen sind besonders zu nennen Sprachen, Handelsrecht, Patentrecht, Vertragswesen, Bank- und Börsenwesen, Hygiene. Der amerikanische Ingenieur soll eben nicht nur ein guter Techniker, sondern auch ein guter Geschäftsmann sein.

Eine praktische Ausbildung findet statt in der Schmiede, Gießerei, Schlosserei, Dreherei, Modellschreinerei, Montage von Leitungen u.a.m. Die Werkstätten sind mit den modernsten Arbeitsmaschinen ausgerüstet; unter Anleitung eines Instruktors lernt der Student die verschiedenen Arbeitsverfahren kennen. Erläuternde Vorlesungen begleiten diese Kurse, die in der Regel während der ersten vier Semester bis zu sechs Stunden wöchentlich in Anspruch nehmen. Als Ergänzung dieser Ausbildung wird eine praktische Tätigkeit in den Sommerferien sehr empfohlen und auch meist ausgeübt, wobei die Hochschule oft im Verschaffen einer solchen Beschäftigung behilflich ist. So findet mit geringem Zeitaufwand eine sachgemäße Unterweisung in der handwerksmäßigen Seite des Fachgebietes statt, und die Ferientätigkeit als Volontär verspricht, weil die Grundlagen vorhanden sind, einen weit größeren Erfolg als bei uns, wo den Volontären, besonders in größeren Betrieben, viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird und gewidmet werden kann, und so viel kostbare Zeit vergeudet wird.

Der Schwerpunkt der amerikanischen Ingenieurausbildung liegt in der Tätigkeit in den Laboratorien, die denn auch aufs beste ausgestattet sind. Allerdings wird man Versuche und Apparate, die nur didaktischen oder gar nur historischen Wert haben, wie Tangentenbussole, Torsionswattmeter, die Bestimmung der Stromstärke mittels Kupfervoltameter und ähnliches, vergebens suchen. In dem Programm der Pennsylvania Universität in Philadelphia heißt es z.B.: „In each class only the most modern methods are used, the objects being to drill the student in working methods, that have become Standard in practice.“

Mit den jetzt gebräuchlichen Instrumenten und Meßmethoden soll der Student vollkommen vertraut gemacht werden. Und mit solchen modernen Apparaten und Einrichtungen sind die Laboratorien meist sehr reichhaltig versehen, was auch z. T. dem Umstände zu verdanken ist, daß außerordentlich viel von Firmen geschenkt wird. So sah ich in der Pennsylvania-Universität die vollständige elektrische Ausrüstung eines Straßenbahnwagens, mit Motoren und Kontroller, Stufenschaltern zum selbsttätigen stufenweisen Ausschalten der Anlaßwiderstände usw., an der mit 500 Volt im Betriebe Untersuchungen und Messungen vorgenommen werden können. Ferner eine vollständige Anlage für Quadruplextelegraphie mit zwei Stationen, an der von den Studenten praktische Uebungen ausgeführt werden, beides Geschenke. Die Cornell-Universität, die besonders reichhaltig ausgestattet ist, hat neben den Hauptlaboratorien ein besonderes Laboratorium für Untersuchung von Feuerungsmaterial, ein anderes für Oeluntersuchung, ein Kältelaboratorium.

Zu den Versuchen sind die Apparate nicht aufgebaut, sondern der Student muß, wie das ja auch bei uns mehr oder weniger durchgeführt ist, die Zusammenstellung und Schaltung selbst machen. Erfordert die Durchführung des Versuchs mehr als einen Beobachter, so bekommt der Student, der mit der Aufgabe betraut ist, einen anderen zur Unterstützung, der jedoch für die ganze Versuchsausführung nicht verantwortlich ist. Die Methode scheint mir beachtenswert, weil so jeder Student die von ihm geleiteten Versuche selbst durchdenken muß, und ein Mitläufertum, das die von anderen aufgenommenen Protokolle geistlos abschreibt und einliefert, wohl wirksam vermieden wird.

Für die Theorie bleibt bei dieser Einteilung des Unterrichtsplanes naturgemäß nicht zu viel Zeit übrig. Die Vorlesungen stehen zum großen Teil in engem Zusammenhang mit der zeichnerischen und praktischen Tätigkeit und bereiten den Studenten auf das Entwerfen und Konstruieren sowie besonders auf die Laboratoriumsmessungen vor. Es soll ein Hand in Handgehen von Vortrag und Uebung stattfinden, was bei uns leider noch vielfach zu wünschen übrig läßt.

All the work is used as the basis for laboratory instruction, and such problems are presented in laboratory and class as will be of value to the prospective engineer,