Text-Bild-Ansicht Band 327

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von Schutzmagneten erkennen. Um einen konkreten Fall zu behandeln, wenden wir uns der Getreideverarbeitung zu; auch hierbei macht sich eine Absonderung von Eisenteilen nötig. Fig. 4 bringt uns eine Anschauung von Eisenteilen im vergrößerten Maßstab, wie sie vor dem Mahlprozeß dem Getreide häufig entzogen werden.

Zur Ausscheidung solcher Eisenteile bedient man sich am besten eines Elektromagneten von der Form, wie sie aus Fig. 5 erkenntlich wird. Die konstruktive Ausführung dieser Gleichstrom-Elektromagneten ist folgende: Ein dünnwandiger Hohlkörper trägt in seinem Innern Eisenkerne nebst Magnetwicklungen, welche durch Leitungsschnüre von jeder gewöhnlichen elektrischen Lichtleitung unter Strom gesetzt werden können. Die Verteilung der Einzelmagnete ist derart angeordnet, daß sich auf der ganzen oberen Fläche eine gleiche und gute Magnetwirkung zeigt. Die Abmessungen des gezeigten Magnetkörpers betragen bei A 150 mm, bei B 110 mm, bei H 100 mm. Obiges Modell eignet sich besonders für trockene Materialien und können bei geeigneter konstruktiver Ausführung, je nach Bedarf, mehrere Einzelmagnetkörper nebeneinander oder hintereinander zusammen gesetzt werden; ersteres ist im Bilde veranschaulicht. Der erforderliche Stromverbrauch bei Ausnutzung der angedeuteten Magnetfläche ist maximal mit 22 Watt anzunehmen. Aus der schematischen Darstellung in Fig. 6 läßt sich die Art des Einbaues für das gezeigte Modell erkennen. Auch ergibt sich aus gleichem Bilde die leichte Entfernungsmöglichkeit des Magneten von der Gebrauchsstelle, wodurch seine Verwendbarkeit für andere Betriebszwecke (Hebemagnete) gegeben ist, besonders, da der Transport bei einem Nettogewicht von 6 kg wenig umständlich ist.

Textabbildung Bd. 327, S. 375

(Schluß folgt.)

EIN „DAMPFFRESSER“.

Von Dr.-Ing. L. Schneider.

Inhaltsübersicht.

Falsche Maßnahmen bei der Aenderung des Drehsinnes einer mit Collmann-Steuerung versehenen Dampfmaschine. Indikatordiagramme. Abhilfe.

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In einer kleineren Fabrik der Textilbranche arbeiten eine 80 PS-Turbine und eine 70 PS-Einzylinderdampfmaschine auf eine gemeinsame Transmissionswelle. Die Maschine hat 350 mm Zylinderdurchmesser, 700 mm Hub und läuft bei einem Anfangsdruck von 7 at mit etwa 80 Umdrehungen. Sie wurde vor einigen Jahren in benutztem Zustande angeschafft und trieb längere Zeit mittels eines 300 mm breiten geschränkten Riemens vom Schwungrad auf die Transmission. Der geschränkte Riementrieb erwies sich als wenig zweckmäßig, da insbesondere die Riemenabnutzung eine hohe war, und so beschloß der Besitzer der Maschine dieselbe „umsteuern“ zu lassen, d.h. sie linksum statt rechtsum laufen zu lassen.

Ein Monteur, der gerade an der Turbine zu tun hatte, erklärte sich bereit, dies zu besorgen. Die Maschine, welche aus einer renommierten Fabrik stammt, ist mit zwangläufiger Collmann-Steuerung ausgerüstet und der Monteur erreichte durch Drehen des Kegelrades zum Antrieb der Steuerwelle um einen gewissen Winkel und durch Beschweren des Regulators mit etwa 15 kg Bleischrot, daß die Maschine tatsächlich linksum lief. Er hatte seine Sache anscheinend gut gemacht, obwohl er dem Sprichwort zum Trotz nicht bei seinem Leisten, in diesem Falle der Turbine, geblieben war. Ein betrübtes Gesicht machte nur der Maschinist und Heizer der Anlage, denn er mußte, seit seine Maschine umgesteuert war, täglich 30 Zentner Kohlen mehr auf den Rost werfen als vordem. Nach 4½ Monaten kamen auch dem Besitzer des Werkes seine Kohlenrechnungen nicht mehr recht geheuer vor, und er wandte sich auf Betreiben des Maschinisten an eine Maschinenfabrik in seiner Nachbarschaft, die sich mit dem Bau von Dampfmaschinen befaßt, mit dem Ersuchen, ihm einen tüchtigen Fachmann zu entsenden, da seine Maschine ein wahrer Dampffresser sei.

Kein Wunder! Die Steuerwelle lief ja verkehrt um, nämlich von oben gesehen vom Zylinder weg anstatt zu ihm hin. (Man beachte, daß die Maschine linksum laufen mußte.) Daß die Maschine überhaupt umging, mochte erstaunen. Trotz der seinerzeit geäußerten Ansicht des Monteurs, daß nämlich das „Intensieren“ keinen Wert habe, wurde der Indikator zu Rate gezogen und er lieferte Diagramme nach Fig. 1 und 2. Der Dampfeintritt erfolgte (in den Diagrammen auf Seite der Schleife) um 20 bis 30 v. H. zu spät, die Füllung betrug 80 v. H., der Gegendruck war infolge der zu engen Auspuffleitung fast ½ kg, Ausströmung und Kompression ziemlich normal. Der Dampfeintritt erfolgte nach Regeln, wie sie im Maschinenbau nicht für vorbildlich gehalten werden, nämlich nichts weniger als konstant. Die Diagramme (Fig. 3 und 4) sind bei gedrosselter Frischdampfzuleitung während des Anlaufens der Maschine abgenommen. Jene mit dem ansehnlichen Voreintritt entsprechen gesenkter, die mit ebenso großem Nacheintritt gehobener Regulatormuffe. Dazwischen gibt es eine Regulatorstellung für richtigen Dampfeintritt. Die Expansion beginnt unabhängig von der Stellung der Regulatormuffe erst bei 80 v. H. des Kolbenweges. Dies hatte zur Folge, daß die Dampfmaschine den größeren Teil der Leistung übernahm, während die Turbine trotz reichlichen Wassers nur halb beaufschlagt war.