Text-Bild-Ansicht Band 327

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Fig. 18 u. 19 geben die Darstellung eines solchen Tankwagens, der bei uns gewöhnlich einen Fassungsraum von 10 bis 15 t hat, während Amerika sogar Kesselwagen von maximal 50 t Kapazität besitzt. Oben haben die Kessel mit Rücksicht auf die starke Ausdehnung des Oels einen Expansionsdom, in dessen durch Mannlochdeckel verschließbarem Innern sich das Handrad auf der quer durch den Behälter gehenden Spindel des Abflußventils befindet. Von diesem Ventil führt das Abflußrohr nach beiden Seiten des Wagens, wo dasselbe nochmals mit Hähnen verschlossen werden kann. Deutschland besaß schon 1900 etwa 1000 solcher Privattankwagen, die etwa 11000 t faßten, Amerika 1904 schon 18000 mit einem Inhalt von etwa 3½ Millionen Barrels und Rußland zur selben Zeit etwa 15000 mit etwa 160000 t Kapazität. Zum schnellen Füllen benutzten die Bohrfelder und die Endstationen der großen „pipe lines“ besondere Verladerampen, die das Abfertigen ganzer Züge mittels eines längs des Gleises verlaufenden Hauptrohrs und entsprechend zahlreicher Abzweigrohre binnen kurzem gestatten. Auf solche Weise können z.B. in Boryslaw-Galizien 250 bis 300 Tankwagen in 24 Stunden gefüllt werden.

(Fortsetzung folgt.)

ENTWICKLUNGSGESCHICHTE UND HERSTELLUNG DER MODERNEN ELEKTRISCHEN LICHTQUELLEN.

Von Dr.-Ing. A. Linker.

(Schluß von S. 573 d. Bd.)

Die Regina-Bogenlampenfabrik Köln-Sülz stellt ihre Jotalampen ebenfalls nach dem Pasteverfahren aus Wolfram her. Während die nach den anderen Methoden hergestellten Fäden unter dem Mikroskop kleine Einschnitte zeigen, an denen die mechanische Festigkeit naturgemäß geringer ist und der Faden infolge des größeren Widerstandes zuerst durchbrennt, zeigen die Fäden der Jotalampen eine vollständig gleichmäßige Oberfläche. Dieselbe wird nach einem patentierten Verfahren dadurch erzielt, daß durch ein besonderes Formieren und Brennen der Fäden bei sehr hoher Temperatur die Wolframmoleküle dichter aneinder gelagert werden. Die Bruchfestigkeit der Fäden ist dadurch bedeutend vergrößert worden.

Nach einem an Dr. D. Coolidge erteilten amerikanischen Patent läßt sich mit Hilfe des Pasteverfahrens auch ein röhrenförmiger Faden aus Wolfram herstellen, um zu erreichen, daß die strahlende Oberfläche bei geringem Volumen möglichst groß wird. Feinstes Wolframpulver wird durch Reduktion des Wolframtrioxyds mittels Wasserstoff oder fein verteiltem Kohlenstoff erhalten. Von diesem Pulver werden 40 Teile mit einem Amalgam aus je 30 Teilen Cadmium und Quecksilber in der Wärme zu einer Paste verrieben. Dieses Produkt wird nun durch Matrizen zu feinen Drähten gepreßt und es werden daraus schmale dünne Bänder von großer Oberfläche ausgewalzt. Diese flache Streifen zieht man nun durch geeignete Diamant- oder Stahldüsen, wodurch sie zu Röhren umgebogen werden. Dabei überlappt man entweder die Kanten, um den Faden zu verstärken, oder läßt auch einen Spalt zwischen ihnen. Um die flüchtigen Bestandteile zu entfernen, werden die entsprechend geformten Drähte in den Glasbirnen befestigt und nach Auspumpen der Luft durch den elektrischen Strom erhitzt. Dabei verdampfen Quecksilber und Cadmium und die Wolframteilchen sintern zusammen.

Nach dem Ueberzugsverfahren werden die Wolframfäden der Wolframlampen-A.-G., Augsburg-Gelnhausen, angefertigt. Die Firma arbeitete ursprünglich nach dem durch die Patente von Dr. Just und Hanamann geschützten Substitutionsverfahren (Engl. Patent Nr. 11949 vom Jahre 1906). Der Vorgang ist dabei etwa folgender:4) Durch einen sehr feinen Kohlenfaden wird in einer Atmosphäre von Wolframchlorid (WCl6) unter Einwirkung von Wasserstoff oder anderen reduzierenden Gasen ein elektrischer Strom geschickt, der den Faden auf eine solche Temperatur erhitzt, daß das Chlorid dabei zersetzt wird. Es scheidet sich dann Wolfram auf dem Kohlenfaden in metallischer Form ab.

Bei genügender Dicke des Ueberzugs werden die Fäden im Vakuum oder in einem indifferenten Gase (Wasserstoff) auf Weißglut erhitzt, wobei der Kohlenstoff vom Wolfram aufgelöst wird und mit ihm ein Wolframkarbid von weißer, glitzernder Färbung bildet.

Für die Umwandlung des Karbids in das Metall lassen sich nun verschiedene Verfahren benutzen. Entweder werden die Fäden durch einen elektrischen Strom in einem Gemisch von Luft und Wasserdampf erhitzt und die Kohle dabei oxydiert, oder man verflüchtigt die Kohle im Vakuum bei sehr hoher Temperatur, oder man setzt die Fäden in einen feuerfesten Tiegel, der die niederen Oxyde des Wolframs WO2 in Pulverform enthält, unter Luftabschluß einer Temperatur von etwa 1600° C aus, wobei die Kohle nach der Gleichung: WO2 + 2C = 2CO + W oxydiert und wolframfrei wird. Vom Konsortium für elektrotechnische Industrie, Nürnberg, ist ein anderes Verfahren5) der Entkohlung des Wolframkarbids zum Patent angemeldet, wonach der Faden in einem besonderen Gemisch von Gasen auf sehr hohe Temperatur erhitzt wird.

Als Endprodukt des Just-Hanamannschen Verfahrens erhält man einen röhrenförmigen metallischen Faden aus Wolfram, der gegenüber den massiven Fäden eine größere Festigkeit und geringeren Glanz beim Brennen besitzt, so daß das Licht weniger blendet.

4)

The Electrician 1906, S. 1047.

5)

Electr. World 1907, Nr. 16, S. 780.