Text-Bild-Ansicht Band 327

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für die Berlin-Potsdamer Bahn herzustellen. Er fand eifrige Förderer seines Unternehmens in seinem nun bekehrten früheren Lehrer, Geheimrat Beuth, und in Hofrat Strack. Als er dann die Bretterbuden durch feste Gebäude ersetzt hatte, widmete er sich mehr dem eigentlichen Maschinenbau. Es entstanden Dampfmaschinen, Pressen, Maschinen für Zuckerfabrikation und für die Textilindustrie. So ging auch die Dampfpumpe zum Betriebe der Wasserwerke in Sanssouci aus der neuen Fabrik hervor. Nach 53 Betriebsjahren war die Maschine noch gut brauchbar und mußte dann erst einer modernen, größeren Anlage weichen.

Textabbildung Bd. 327, S. 674

Persönlich war August Borsig ein Mann, der in seinem Werke vollständig aufging. Natürlich verlangte er auch von seinen Angestellten die gleiche Hingebung zur Arbeit. Er verstand die brauchbaren Leute von den unbrauchbaren bald zu scheiden, und während er jene zu den höchsten Leistungen anregte, trennte er sich von den andern in kürzester Zeit. Die Glanzzeit seines Wirkens erreichte er mit Einführung des Lokomotivbaues. Im Wettbewerb mit den damals im Lokomotivbau schon erfahrenen Amerikanern und Engländern siegte er glänzend bei der Probefahrt auf der Berlin-Anhalter Bahn. Für diese erste Lokomotive war die Bauart des Amerikaners Norris gewählt. Es war keine Kopie der amerikanischen Maschine, sondern eine freie Nachbildung in den Hauptzügen mit vielen eigenen Verbesserungen.

Im Jahre 1843 wurde die Ueberlegenheit der Borsigschen Lokomotive über die englische auf Probefahrten der Berlin-Stettiner Bahn endgültig nachgewiesen. Jetzt mehrten sich die Bestellungen, der Aufschwung begann, die Fabrik mußte vergrößert werden. In sieben Jahren seit der Gründung hatte sich die bebaute Fläche von 12000 auf 120000 Quadratfuß vergrößert, also verzehnfacht, während die Zahl der Angestellten von 50 auf 1600 stieg. In den ersten fünf Jahren waren 90 Lokomotiven fertig gestellt worden. Die wachsende Mannigfaltigkeit der Fabrikation machte es notwendig, noch weitere Grundstücke in Moabit zu erwerben. Dort wurde ein Hammer-, Walz- und Puddelwerk eingerichtet; damit machte sich die Firma im Bedarf dieser Halbfabrikate unabhängig.

Hier in Moabit errichtete sich Borsig auch einen eigenen herrlichen Wohnsitz, dessen Parkanlagen bis in die neueste Zeit eine Sehenswürdigkeit Berlins waren. Paul Meyerheims Gemälde schmückten die Wände des Wohnhauses, und Hofbaurat Strack entwarf die bekannten Säulenkolonnaden der architektonisch schön ausgeführten Fabrikanlagen.

Die Lokomotivfabrik befand sich jetzt allein an der Chausseestraße, während der allgemeine Maschinenbau in Moabit gepflegt wurde und dort einen kräftigen Aufschwung nahm.

Um sich noch weiter vom Markt der Rohmaterialien unabhängig zu machen, pachtete Borsig in Oberschlesien vom Grafen Ballestrem Kohlenfelder auf 50 Jahre. Es war ihm aber nicht mehr vergönnt, die Erfüllung seiner darauf gegründeten Hoffnungen zu erleben. Am 7. Juli 4854 entriß ein plötzlicher Tod ihn seinen Werken.

Sein Sohn Albert trat, 25 Jahre alt, das Erbe an. Albert Borsig war für die große Aufgabe, die ihm damit gestellt war, aufs Beste vorbereitet. Eine umfassende theoretische und praktisch technische Ausbildung, eine durch Reisen und Verkehr erworbene tiefe Menschenkenntnis und weiter kaufmännischer Ueberblick machten ihn zum Nachfolger seines großen Vaters besonders fähig.

Damals lieferte die Fabrik Eisenbahnmaterial, Schiffsmaschinen, Schiffschrauben, Pumpmaschinen, Dampfmaschinen, Maschinen für Schwemmkanalisation und anderes. 1870 lieferte sie auch Torpedos, Seeminen sowie Stahllafetten für die Artillerie.

Albert Borsig führte die schon von seinem Vater entworfenen Pläne in Oberschlesien aus. Es wurden dort Kohlengruben eröffnet, zwei Hochöfen in Betrieb gesetzt, in Borsigwerk ein Puddelhammer und Walzwerk gebaut, 1871/72 in großem Stil ein Siemens-Martinwerk eingerichtet. Nebenbei fand Albert Borsig noch Zeit, sich als Berliner Stadtverordneter eifrigst zu betätigen. Sein liebenswürdiges Wesen, die Sorge für seine Angestellten, die Pflege, die er dem jungen Nachwuchs