Text-Bild-Ansicht Band 330

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von der heutigen Regel abweichende Bauart gekennzeichnet werden soll, so kann in solchen Fällen durch einen geeigneten Zusatz auf die Sonderheit hingewiesen werden. Jedenfalls aber sind beide Beiworte gut und treffend gebildet und der technischen Sprache im Anschluß an „oberschlächtig“, „mittelschlächtig“ usw. besser angepaßt, als die sonst wohl gebräuchlichen Ausdrücke „voll beaufschlagt“ usw.

Dipl.-Ing. W. Speiser.

Ueber Schlagbiegeproben mit Gußeisen. In den seit 1909 gültigen Vorschriften für die Lieferung von Gußeisen ist die Biegeprobe unter allmählich anwachsender Belastung als Mittel zur Feststellung der Güte des /Materials vorgeschrieben. Als Ergänzung hierzu werden häufig Schlagbiegeproben ausgeführt, bei denen der Probestab durch einen einzigen Schlag zum Bruch gebracht wird. Eine Beziehung zwischen den Ergebnissen beider Versuche stellt Gessner in Heft 30 von „Stahl und Eisen“ unter Vergleich der bei der Biegeprobe auftretenden Formänderungsarbeit mit der Schlagarbeit bei der Schlagprobe zusammen und kommt dabei zu dem wichtigen Schluß, daß die Benutzung der Schlagprobe neben der Biegeprobe vom betriebstechnischen Standpunkt aus nicht zweckmäßig Ist, da sich ihrer Bewertung allerlei Bedenken entgegenstellen.

Betrachtet man theoretisch die Arbeitsmenge, die beim Schlagversuch nach Abzug aller auftretenden Verluste nur zur Ueberwindung des Widerstandes gegen Formänderung verbraucht wird, so findet man, daß sie mit der bei der Biegeprobe ermittelten Formänderungsarbeit nahezu übereinstimmen müßte. Vergleichsversuche, die der Verfasser vor Jahren zwischen allmählich anwachsender und stoßweise wirkender Belastung auf einem Amslerschen Fallwerk ausgeführt hat, ergaben auch für die Formänderungsarbeit in beiden Fällen praktisch gleiche Werte (vgl. hierzu Gessner, Ueber die Beanspruchung frei aufliegender Träger durch Stoß mit Berücksichtigung der Schlagbiegeprobe für Gußeisen“. Zeitschr. d. österr. Ing.- u. Architekten-Vereins 1906, S. 665 ff.) Eine zweite Versuchsreihe führte der Verfasser mit sechs Gußeisensorten verschiedener Festigkeit durch, auf einem für betriebsmäßige Schlagproben am besten geeigneten Pendelschlagwerke, und zwar von 75 mkg Arbeitsinhalt normaler Bauart von Mohr & Federhaff in Mannheim. Hierbei ergaben sich nun jedoch die Bruchschlagarbeiten bei allen Gußeisensorten, selbst bei den sprödesten, nahezu gleichmäßig durchweg um rund 15 v. H. höher als die Formänderungsarbeiten beim Biegeversuch. Außer diesen von ihm selbst ausgeführten Versuchen zieht Gessner dann noch die von C. Jüngst im „Beitrag zur Untersuchung des Gußeisens“ (Verlag Stahleisen, Düsseldorf 1913) veröffentlichten Versuchsergebnisse in den Bereich seiner Betrachtungen. Durch zweckentsprechende Bewertung des hierin enthaltenen reichen Versuchsmaterials ergibt sich einmal, daß die Werte für die Formänderungsarbeit bei ruhiger Biegung und bei Schlag von den Stababmessungen ziemlich unabhängig sind; ferner zeigt sich die Schlagarbeit in allenFällen wieder höher als die Formänderungsarbeit, und zwar hier im Mittel um 43 v. H.

Beachtet man neben diesen Versuchsergebnissen, daß jede Ungleichheit des Probestabes, gleichgültig ob sie auf einer Kaltverletzung, einer Fehlstelle oder mangelhafter Gefügebeschaffenheit beruht, beim Schlagversuch eine Kerbwirkung und somit einen vorzeitigen Bruch hervorruft, und bedenkt man ferner, daß gußeiserne Probestäbe erfahrungsgemäß selten frei von Fehlstellen sind, und somit die Gefahr eines Ergebnisses, das den Wert des Stoffes ungünstiger darstellt als er in Wirklichkeit ist, bei der Schlagprobe sehr groß ist, so kommt man zu dem Schluß, daß die Schlagprobe, wenn sie auch theoretisch eine Bestätigung und Ergänzung der Biegeprobe ergeben müßte, doch praktisch nicht als eine solche angesehen werden kann.

Ritter.

Textabbildung Bd. 330, S. 396
Textabbildung Bd. 330, S. 396

Neue Kammerausführung für Wasserrohrkessel der Firma Jacques Piedboeuf, G. m. b. H., in Düsseldorf. Früher erfolgte die Ausführung geschweißter Wasserkammern allgemein so, daß das Verschlußdeckelblech und das Rohrwandblech stumpf mit dem zwischengelegten Umlaufblech verschweißt wurde. Dadurch kam aber die Schweißnaht c (Abb. 1) in die unmittelbare Nähe von stark erhitztem Mauerwerk zu liegen und war bei dessen Abbrand gar den Einwirkungen des direkten Feuers ausgesetzt. Bei der neuen, der Firma Piedboeuf gesetzlich geschützten Bauart der Wasserkammer wird dagegen das Verschlußdeckel- und das Rohrwandblech aus dem vollen Material durch maschinelle Biegung hergestellt (Abb. 2). Infolgedessen befindet sich nunmehr keine Schweißnaht mehr an stark beheizten Mauerwerksstellen. Diese Neuerung ist von großer Wichtigkeit für den Betrieb mit Kammer-Wasserrohrkeseln, denn das volle Material in der Kammer bietet die denkbar größte Gewähr für Haltbarkeit und Betriebsicherheit.

Textabbildung Bd. 330, S. 396

Wie die Firma Piedboeuf schon bei der früheren Ausführung nach Abb. 1 einen besonderen Schutz des