Text-Bild-Ansicht Band 330

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und in die Spirale wird ein Stift aus Kalziumoxyd hineingebracht, der immer verdampft und sich an den kälteren Teilen des Iridiumbades niederschlägt. Dies Kalziumoxyd wird so lange hinübersublimieren, als noch etwas davon im Stift vorhanden ist, man kann den Stift immer nachschieben. Auf diese Weise hat man eine glühende Oxydelektrode von langer Betriebsdauer, man hat es jetzt bis auf 1000 Stunden Betriebsdauer und mehr gebracht. Es gibt verschiedene Typen der Ventilröhren, zunächst eine kleine Type, bei der man den pulsierenden Gleichstrom mit Vorteil zum Laden von Akkumulatorenbatterien, zur Aufladung von Signalbatterien verwenden kann, dann eine größere Type von 10 Amp. und 120 Volt Gleichstromspannung, deren Wirkungsgrad im Vergleich zu anderen Gleichrichtern als günstig bezeichnet werden kann. Der Wirkungsgrad steigt mit zunehmender Belastung und erreicht bei 10 Ampere 60 v. H. Schaltet man den Gleichrichter in den Kreisstrom einer Akkumulatorenbatterie, dann wird der Wirkungsgrad annähernd 70 v. H., bei höheren Betriebsspannungen bis 90 v. H. und mehr. Eine dritte Type, die bei etwa 10 Amp. 24 Volt Gleichstrom liefert, zeigt ein interessantes Zündungsphänomen. Die Birne zündet nämlich nicht sofort infolge der niedrigen Spannung, doch kann man durch eine einfache Schaltung die Zündung erreichen. Endlich gibt es noch eine große Type für 40 Amp., die aus Drehstrom Gleichstrom herstellt und für Automobilbatterien Verwendung findet, die gewöhnlich 35/40 Amp. brauchen.

Als Füllung eignet sich in weiten Druckgrenzen jedes Gas oder jeder Dampf, der chemisch indifferent ist. Von der Technik wird diesen Gleichrichtern viel Beachtung entgegengebracht, weil sie für die elektrotechnische Praxis Vorteile bieten. Einer der größten Vorteile besteht darin, daß wir einen ruhenden Apparat haben, der keine beweglichen Teile erfordert zur Herstellung des Gleichstromes aus Wechselstrom. Ein weiterer Vorteil liegt in der großen Leistung in kleinem Raum. Man ist heute zwar noch nicht in der Lage, die Leistung wesentlich größer zu machen als in den vorgeführten Typen, doch zeigt eine Gegenüberstellung einiger Zahlen schon die Vorteile dieser Gleichrichter.

Nach Orlich besteht der Hauptvorteil darin, daß man keine besondere Zündung braucht, und daß die Apparate gut transportabel sind, was ja bei den Quecksilber-Gleichrichtern ein wunder Punkt ist. Wichtig wäre die Frage, ob der beschriebene Gleichrichter auch sonst noch besondere Vorteile gegenüber den Quecksilber-Gleichrichtern besitzt, namentlich hinsichtlich des Wirkungsgrades. Die angegebenen Zahlen sind verhältnismäßig niedrig, weil alle Verluste im Transformator mitgezählt sind, so daß sich die Zahlen mit den Zahlen des Quecksilber-Gleichrichters nicht vergleichen lassen. Auch sollte die Anwendung für größere Energien möglich sein. Die Quecksilber-Gleichrichter verwenden wir ja auch ohne Glasgefäße, man nimmt dann große Eisentöpfe, und dies müßte ebenfalls bei den neuen Gleichrichtern möglich sein. Allerdings ist es immer besser, wenn man ohneEisengefäße auskommt, man wird also versuchen müssen, die Glastype nach Möglichkeit bis zu einer hohen Stromstärke auszubilden.

An einer Stelle besteht übrigens bereits eine Glastype bis zu 50 KW (50 Amp. × 1000 Volt) Leistung. Wenn wir Quecksilber-Gleichrichter aus Glas bauen wollen, dann brauchen wir große Kondensationsgefäße, die hier nicht nötig sind. Der besondere Vorzug liegt gerade darin, daß man in der Praxis nicht zu Metallgefäßen übergehen muß, sondern bei den Glasgefäßen auch für größere Typen bleiben kann.

Plohn.

Fortführung des Mittellandkanals bis zur Elbe. (Professor Franzius, Hannover, Vortrag im Verein deutscher Ingenieure Berlin.) Der Kanal wird nach Eintritt des vollen Verkehrs im Jahre 1932 (Fertigstellung 1922 vorausgesetzt) etwa 16 Mill. t Verkehr zu bewältigen haben. Es sind dann zwei Sätze Schleusen oder Hebewerke im Betriebe, der dritte Satz ist fertiggestellt worden. Bei der Nordlinie, die von Hannover über Oebisfelde nach Heinrichsberg an der Elbe geht, sind Schleusen und Pumpwerke zur Speisung des Kanals nötig, bei der über Braunschweig Oschersleben im großen Bogen westlich an Magdeburg vorbei gleichfalls nach Heinrichsberg geführten Südlinie sind Hebewerke erforderlich, weil die Anlage von Schleusen hier der hohen Pumpkosten wegen unwirtschaftlich wäre. Ein Salz Schleusen der Nordlinie einschließlich Pumpwerke wird 6½ Mill. M erfordern, ein Satz Hebewerke der Südlinie 22 Mill. M. Die so ausgebaute Nordlinie wird etwa 120 Mill. M, die entsprechend bedachte Südlinie 180 Millionen Mark an Baukosten erfordern. Die Kosten für Unterhaltung und Betrieb werden bei beiden Linien fast gleich sein, an Zinsen und Tilgung wird die Südlinie jedoch über 3 Mill. M mehr verlangen als die Nordlinie.

Die Südlinie ist rund 30 Streckenkilometer länger als die Nordlinie. Wegen der höheren und zahlreicheren Schleusen, die durch die um 26 m höhere Scheitelhaltung nötig werden, erhöht sich die Mehrlänge auf etwa 50 Tarifkilometer. Die Schleppzüge brauchen zur Durchfahrung der Südlinie somit 10 Std., also fast einen Tag mehr als bei der Nordlinie. Die dadurch nutzlos verausgabten Frachtselbstkosten, d.h. Schiffsmieten und Schleppkosten belaufen sich für den Durchgangsverkehr auf über 3 Mill. M jährlich, mit Abgaben auf mehr als 5 Mill. M jährlich, ohne Vergütung für den Zeitverlust. Für die Wirtschaftlichkeit der Linien ist zu berücksichtigen, daß nach Ausweis der Eisenbahnstatistik der Durchgangsverkehr sich voraussichtlich um etwa 6 v. H. jährlich, der Verkehr von und nach dem Kanalgebiet nur um 3 v. H. heben wird. Gerechnet wurde aus Vorsicht nur mit etwa der halben Vermehrung. Dann ergibt sich, daß der Kanalverkehr in tkm ausgedrückt 1932 nur noch 1/10 des Gesamtverkehrs beträgt, während der Kanalverkehr in t ausgedrückt 1912 noch 1/4 des Gesamtverkehrs war. Da die Abgaben, auf denen die Verzinsung des Unternehmens beruht, aber auf der Zahl der tkm, also der Größe und Zahl der Ladungen und der durchfahrenen