Text-Bild-Ansicht Band 338

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Nun erfordert die Unterwasserschalltechnik Empfänger, die auf direktem Wege ohne elektrische Einrichtung (Mikrophone, Telephone u. ä.) den Schall aus dem Wasser in die Luft übertragen sollen, also Apparate mit nennenswertem Wirkungsgrad. Zum Bau solcher geben in Nr. 3 der Ztschr. f. techn. Physik 1923 auf S. 93–99 W. Hahnemann, H. Hecht und H. Lichte ihre Versuche an, die zu einem Apparat zur Umformung von Wasser- in Luftschall und umgekehrt führten, Nach ihrer Beschreibung genügte dazu ein Metallrohr von einigen Zentimetern Durchmesser, das an dem einen Ende durch eine Membran abgeschlossen ist und sich in dem Schallfelde des Wassers befindet. Das andere Ende des beliebig langen Rohres läge an dem Ohr des Beobachters. Aber die als Schallantenne wirkende Membran stößt auf der einen Seite an das schallharte Wasser, auf der anderen an die schallweiche Luft, also hier geringen, dort großen Widerstand. Für die Membran ließen sich aber auf beiden Seiten gleiche Verhältnisse, also gleiche Widerstände schaffen, wenn in dem zum Ohre führenden Verbindungsrohr ein dicht schließender, beweglicher Kolben angebracht wäre. Dieser ließe sich unter Ausgleich des statischen Druckes allmählich immer mehr der Membran nähern und dadurch die Abstimmung der Membran auf die Schallschwingung im Wasser erhöhen. Es ergab sich schließlich ein System aus zwei miteinander gekoppelten Gebilden, einer Membran und einem Tonraum. Dessen beide Teilräume wurden durch das Luftvolumen zwischen Membran und Kolben einerseits und das anschließende Leitungsrohr andererseits gebildet, wobei ein Verbindungsloch im Kolben die Schwingungsöffnung darstellt. Die Membran ist das schallaufnehmende Gebilde und entspricht dem Antennen- oder Primärkreis der Funkentelegraphie, das Tonraumgebilde aber dem Detektor- oder Sekundärkreis und liefert die Nutzenergie. Dämpfung, Abstimmung und Kopplung von Membran und Tonraum lassen sich so wählen, daß ein nennenswerter Energieentzug möglich ist. Da die beiden Teilräume des Tonraumes von verschiedener Größe sind, so wirkt der Tonraum praktisch fast wie ein Helmholtzscher Resonator. Ein solcher einfacher Empfänger besteht aus der Membran und dem Helmholtzschen Resonator, empfängt seine Schallenergie aus dem freien Medium Wasser und gibt sie an das freie Medium Luft ab. Solche Empfänger lassen sich für technische Anwendungen bis zu 20 % Wirkungsgrad bauen, und so ist in ziemlich befriedigender Weise die Aufgabe der direkten Uebertragung des Schalles von Wasser nach Luft gelöst.

Dr. Bl.

Bücherschau.

In gewohnter Weise ist rechtzeitig der Deutsche Kalender für Elektrotechniker (Begründet von Uppenborn, herausgegeben von Professor Dr.-Ing. h. c. Dettmar, Verlag v. Oldenbourg, München) für das Jahr 1923 im 40. Jahrgang erschienen.

Der Kalender hat sich als sicherer und zuverlässiger Berater auf allen Zweigen der Elektrotechnik den gesicherten Platz in der deutschen Literatur die 40 Jahre hindurch behauptet. Daß das Buch kalendermäßig alle Jahre neu erscheint, erhöht dessen Wert, da so die neuesten Erfahrungen und Fortschritte berücksichtigt werden können. Für die Vollständigkeit und Zuverlässigkeit des Inhalts bürgt der große Stab bewährter Bearbeiter von Ruf. Der Kalender ist so ein unentbehrliches Handbuch der Elektrotechnik. Während die Grundlagen streng wissenschaftlich dargestellt sind, werden in den einzelnen Sondergebieten die für die praktische Verwertung erforderlichen technischen Auskünfte in kurzer Darstellung gebracht, so daß trotz der Reichhaltigkeit des Inhalts der Kalender handlich geblieben ist. Es ist wohl kein Gebiet von technischer Bedeutung, das übergangen ist. Von den verschiedenen Vorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker sind die wichtigsten aufgenommen, die für die Errichtung und den Betrieb elektrischer Anlagen in Betracht kommen. Von Vorteil ist der neu aufgenommene Anhang, der über die umfangreiche Vereinstätigkeit in der deutschen Elektrotechnik unterrichtet. Die echt deutsch – selbstlose, stille Arbeit der Kommissionen dieser Vereine ist für die technische Entwicklung von größter Bedeutung.

Eine besondere Empfehlung des Uppenbornschen Kalenders erübrigt sich bei dessen allgemeiner Beliebtheit.

Dr. Michalke.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen aus dem Siemens-Konzern. 1. Band 3. Heft und 2. Band, herausgegeben von Prof. Dr. Karl Dietrich Harries. Berlin, Verl. Jul. Springer 1922.

Jeder, der die bisher erschienenen Hefte der Wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus dem Siemens-Konzern gelesen hat, wird die Ueberzeugung gewonnen haben, daß der Wunsch des Herausgebers, diese Veröffentlichungen möchten in der jetzigen Zeit der schwersten Bedrückung Deutschlands der Welt ein sichtbares Zeichen geben, daß der deutsche philosophische Geist in der Industrie wie an den Hochschulen noch lebt und stark ist, in Erfüllung gegangen ist.

Immer mehr wächst heutzutage für uns Deutsche die Schwierigkeit experimentelle Fragen zu behandeln und zu lösen, und die Allgemeinheit ist deshalb dem Siemens-Konzern zu großem Dank verpflichtet, daß er die mit vieler Mühe und großen Kosten in den Laboratorien angestellten Versuche zur Lösung von technischen Problemen auf wissenschaftlichem Wege in den Veröffentlichungen mitteilt. Außerdem empfangen auch die Fernerstehenden erst durch solch eine geschlossene Veröffentlichung eine richtige Vorstellung von der Fülle der bearbeiteten Themen und der hochentwickelten streng wissenschaftlichen Methodik der Siemens-Werks- und Forschungslaboratorien.

Das dritte (Schluß-)Heft des ersten Bandes bringt, wie die beiden vorhergehenden Hefte, nur Arbeiten von Angestellten der Siemens-Werke. Es enthält unter anderem Aufsätze über die Behandlung induktiv gekoppelter Schwingungskreise als Siebkette, über Kettenleiter, über Einschaltvorgänge bei ein- und zweigliedrigen Siebketten beim Anlegen einer sinusförmigen EMK, über Stromaufnahme in Metallrohrleitungen und verwandte Erdungsfragen, über den räumlichen Verlauf von Erdschlußströmen, über den Nachweis von Fluor, zur Kenntnis der Aleuritinsäure usw. usw.

Der zweite in einem einzigen Hefte erschienene Band, der zur Feier des 75jährigen Jubiläums des Hauses Siemens & Halske herausgegeben wurde, ist besonders reichhaltig. Nicht nur jetzige Angestellte der Firma, sondern auch viele aus den Siemens-Werken hervorgegangene Hochschullehrer, haben auf Einladung der Firma Beiträge geliefert. Es ist hier natürlich nicht möglich, die Arbeiten im einzelnen zu besprechen, oder auch nur sie alle aufzuzählen. Jedem