Text-Bild-Ansicht Band 339

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Die zunächst als Versuchsanlage gedachte Elektrisierung der Riksgränsbahn hat den gehegten Erwartungen vollauf entsprochen. Dieser bemerkenswerte technische Erfolg hatte die Ausdehnung des elektrischen Betriebes auf die anschließenden Strecken nach Gellivare und Luleå zur Folge, so daß nunmehr auf der ganzen schwedischen Strecke von Riksgränsen bis Luleå in einer Länge von 435 km ausschließlich elektrische Zugförderung eingeführt ist.*)

Textabbildung Bd. 339, S. 38
Textabbildung Bd. 339, S. 38

Da gegenwärtig auch der Ausbau der anschließenden 40 km langen norwegischen Strecke bis Narvik seiner Vollendung entgegengeht, so wird demnächst eine 475 km lange Bahn vom Atlantischen Ozean bis zum Bottnischen Meerbusen in vollem Umfange für elektrische Zugförderung eingerichtet sein. Sie verläuft in ihrer ganzen Ausdehnung nördlich des Polarkreises und ist die nördlichste Bahn Europas. In technischer Beziehung weist diese Bahn einige bemerkenswerte Ausführungen auf, die hier näher behandelt werden sollen.

Der elektrische Strom für den Betrieb der Riksgränsenbahn wird von einem Wasserkraftwerk geliefert, das am Porjus-Flusse liegt. Die Porjusfälle haben eine nutzbare Fallhöhe von rd. 55 m. Ein gewaltiges Staubecken gewährleistet die Lieferung der erforderlichen Wassermenge für das ganze Jahr. Die tiefen Kältegrade bis – 55° C. ließen es als zweckmäßig erscheinen, den Maschinensaal und die Zuflußleitungen vollständig in den Fels einzusprengen. Der Maschinensaal liegt demnach 50 m unter der Erde und ist geräumig genug, um 6 gewaltige Turbinen mit direkt gekuppelten Stromerzeugern aufzunehmen. Im ersten Ausbau wurden 3 Stromerzeuger mit Leistungen von je 10000 KVA Einphasenstrom bei 15 ~ für den Bahnbetrieb und 1 Drehstromerzeuger von 11000 KVA für industrielle Zwecke aufgestellt. Ein weiterer Maschinensatz, bestehend aus 1 Turbine und 2 Stromerzeugern, kann Bahn- oder Drehstrom liefern, wenn eine der Hauptmaschinen reparaturbedürftig geworden ist. Ein Schaltgebäude, das im Freien über dem Maschinensaale errichtet worden ist, enthält außer den Meß-, Schalt- und Regelapparaten für die Stromerzeuger auch die Transformatoren zur Erhöhung der Maschinenspannung von 4000 V auf die Fernleitungsspannung von 80000 V.

Die Fernleitung vom Porjuskraftwerk bis zur Riksgränsbahn und von hier zu den 4 an der Bahn liegenden Transformatorstationen besteht aus Kupferdrähten, die an hohen eisernen Leitungstürmen mittels Isolatorketten (Abb. 1.) befestigt sind. Die meist in den Bahnhofgebäuden untergebrachten Tranformatorräume enthalten die Transformatoren zur Erniedrigung der Fernleitungsspannung von 80000 V auf die der Fahrleitungsspannung von 15000 V. Es sind dort auch die Schalt- und Schutzapparate für die Speiseleitungen untergebracht worden. Die Fahrleitungen der Riksgränsenbahn (Abb. 1) bestehen aus Kupferdraht und sind mittelst Vielfachaufhängung am Eisengestänge isoliert befestigt. Die dort angewendete Bauart weicht von den normalen Ausführungen insofern ab, als sie trotz der hohen Spannung von 15000 V nur mit einem Isolator ausgeführt ist. Hierzu hat man sich nur entschließen können, weil die im Bereich der Bahn besonders staubfreie und trockene Luft eine Gefährdung der Isolationsgüte nicht befürchten ließ.

Kräftig gebaute Doppelglockenisolatoren sind auf Bolzen, die an den Gittermasten vertikal drehbar befestigt sind, aufgekittet. Je zwei solcher Isolatoren, die untereinander im Abstand von rd. 1 m angeordnet sind, tragen einen Auslegerarm, der vertikal und horizontal bewegbar ist. An seinem freien Ende wurde ein Kupfertragseil und darunter mittels Hängedrähten der Fahrdraht befestigt. Um einen schädlichen Durchhang des Fahrdrahtes zu vermeiden, ist dieser zwischen 2 Festpunkten noch mit Hängedrähten in Abständen von

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s. a. Siemens-Zeitschrift, März 1923.