Text-Bild-Ansicht Band 339

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wohl in Wettbewerb treten auf Grund ihrer genauen Herstellung. Denn man hat in letzter Zeit eingesehen, daß die Güte einer Werkzeugmaschine auf sauber und genau gearbeiteten Gleitflächen beruht, die so fest mit den übrigen Teilen der Maschine verbunden sein müssen, daß eine gegenseitige Verlagerung ausgeschlossen ist. Beim Entwurf der Werkzeugmaschinen berücksichtigt man heute auch vor allem die dynamischen Vorgänge, also Erschütterungen, die die Genauigkeit oft ungünstiger beeinflussen als die leicht zu beherrschenden statischen Belastungen der Maschine.

Als weiteres wichtiges Glied im Werkstättenbetrieb erscheinen die Fördermittel, deren zweckmäßige Ausgestaltung sehr wesentliche Ersparnis an Zeit und Arbeit mit sich bringt. Der Ausschuß für wirtschaftliches Förderwesen beim A. w. F. (Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung) hat sich diese zweckmäßige Ausgestaltung der Hebezeuge als Ziel gesetzt und stellt zu diesem Zweck weitgehende Untersuchungen an.

Die zweckmäßige Verwendung der Werkzeuge und Werkstätten-Einrichtungen setzt gut durchgebildete Arbeitsverfahren voraus. Es genügt hier vielleicht der Hinweis auf die Einführung des Schnellstahls und die Durchbildung der Schleifarbeit, um die Fortschritte auf diesem Gebiet zu kennzeichnen. Zeit- und Bewegungsstudien, unterstützt durch Filmaufnahmen gehören genau so in dieses Gebiet wie die Bestrebungen der Normung, Spezialisierung und Typisierung, deren Ziel es ist, zu sparen an Stoff, Arbeit, Zeit, Geist und Geld.

Wir berühren damit gleichzeitig das Gebiet der Betriebsorganisation, die Voraussetzung ist für eine Verbesserung des Betriebswirkungsgrades. Ihre Grundpfeiler sind Zwanglauf und Kontrolle. Zwanglauf ist erforderlich, damit die Betriebsvorgänge sich als reibungsfreie Strömungsvorgänge in vorgeschriebenen Bahnen ohne Stockung vollziehen, und Kontrolle ist nötig, damit jeder innerhalb seiner Tätigkeit Verantwortung zu tragen hat. „Flucht vor der Verantwortung“ lautet ein leider sehr begründetes modernes Schlagwort, und wo es berechtigt ist, kann kein Fortschritt einsetzen. Es ist deshalb notwendig, daß jedes Glied des Betriebes zur Verantwortung erzogen wird, sich selbst und dem großen Ganzen gegenüber. Die Betriebsorganisation ihrerseits hat darauf zu achten, daß nicht durch Ueberorganisation das Verantwortungsgefühl eingedämmt wird.

Es würde hier zu weit führen, die Aufgaben der Betriebsorganisation einzeln aufzuführen, die je nach Art und Größe der Fertigung verschieden sind. Ihre prinzipielle Aufgabe ist, reibungslose Strömung zu schaffen und darauf zu sehen, daß alle Glieder der Organisation auf einem gleich günstigen Standpunkt stehen, denn nach Liebigs Universalgesetz vom Minimum, das wohl jedem Techniker in irgend einer seiner vielen Formen bekannt ist, bestimmt sich die Stärke eines Organismus durch seine schwächste Stelle.

Wollen wir die hier gestellten Aufgaben nun erfüllen, so brauchen wir dazu ein Menschenmaterial, das befähigt ist zu Spitzenleistungen. Voraussetzung, dafür ist einmal eine gute Vorbildung. Der gewerkschaftlichen Lohnpolitik in den letzten Jahren kann hier der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie durch relativ hohe Bezahlung der Ungelernten den Ansporn, etwas zu lernen, gemindert hat. Nicht zum wenigsten darauf ist der Rückgang in der Zahl gut ausgebildeter Facharbeiter zurückzuführen. Andererseits findet sich in einigen Berufen, z.B. Mechanikern und Maschinenbauern, ein Ueberangebot an Lehrlingen, also ein Mangel an Lehrstellen, so daß man mit Recht bestrebt ist, die Lehrlingsausbildung zu einer gesetzlichen Pflicht zu machen. Dies ist um so wichtiger, da die Zahl der heute in Ausbildung begriffenen Lehrlinge nicht reicht, den zukünftigen Bedarf zu decken. Dem V. d. I. gebührt der Ruhm, im Deutschen Ausschuß für technisches Schulwesen die planvolle und zweckmäßige Ausbildung von Ingenieuren und Arbeitern sich als Ziel gesetzt zu haben. In gleicher planvoller Weise arbeiten die aus dem V. d. I. hervorgegangenen Organisationen:

Hauptstelle für Wärmewirtschaft,

Deutsche Gesellschaft für Metallkunde,

Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebsingenieure,

Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung,

Technisch-wissenschaftliches Vortragswesen,

Technisch- wissenschaftliche Lehrmittelzentrale,

um die notwendigen Grundlagen für die Erreichung der mit den Aufgaben gesteckten Ziele zu schaffen. In der Betriebstechnischen Ausstellung, die als Wanderausstellung in allen bedeutenderen Städten gezeigt wird, sind die Arbeiten der genannten Organisationen zusammengefaßt und werden so weiten Kreisen zugänglich gemacht.

Als Frucht aller dieser Bestrebungen wird sich nicht allein eine größere Wirtschaftlichkeit der deutschen Gütererzeugung, eine Steigerung des Absatzes und dadurch eine Stärkung unserer Weltmachtstellung ergeben, sondern vor allem auch ein Anfang zu einer neuen Arbeitsethik. Gerade in Deutschland spüren wir besonders in dem Hin und Her der Meinungen das Streben nach Idealen, von denen nur zu viele in den letzten Jahren mit mehr oder weniger Planmäßigkeit gestürzt worden sind. Wenn es uns gelingt, alle einander wiederstrebenden Richtungen im deutschen Volke unter dem Ideal der Arbeit zu vereinen, wenn wir das Eigeninteresse des Einzelnen dem Gefühl der sittlichen Verantwortung dem großen Ganzen gegenüber unterordnen können, dann ist der Wiederaufbau unseres Vaterlandes schon halb vollendet.

In den vorstehenden Ausführungen ist den Fehlern und Mängeln in der deutschen Gütererzeugung ein größerer Platz eingeräumt worden als ihren Vorzügen, nur um zu zeigen, an welchen Stellen eine Besserung einzusetzen hat, nicht aber, weil etwa mehr Mängel als Vorzüge und Fortschritte vorhanden wären. Im Gegenteil, gerade das Erkennen der Fehler und das Bestreben, sie zu beseitigen, ist der größte Fortschritt und gibt die begründete Hoffnung, daß wir Deutsche trotz aller Widerstände uns den gebührenden Platz an der Sonne wieder erringen werden.

Parey.

Die Scott-Still-Maschine. In dem Dampfer „Dolius“ ist eine solche Maschinenanlage eingebaut, bei der bekanntlich über dem Kolben das Zweitakt-Dieselverfahren und unterhalb des Kolbens Wasserdampf verwendet wird. Auf diese Weise werden Wärmeverluste möglichst vermieden.

Die Wasserverdrängung des Dampfers beträgt 11650 t. Die beiden vierzylindrigen Maschinen leisten bei 120 Umdrehungen 2500 PSe. Die Zylinder haben 500 mm Durchmesser und 915 mm Hub. Der Dampf arbeitet mit einem Druck von 9,8 kg/cm2 in dem ersten, dem Hochdruckzylinder, und darauf in den anderen drei, die als Niederdruckzylinder anzusehen sind. Die Abgase der Zylinder werden in einen Yarrow – Dampfkessel geleitet und dienen zur Dampferzeugung. Während der Anlaufzeit der Maschinen werden die Kessel durch Oelbrenner geheizt. Die Maschine arbeitet zunächst als Dampfmaschine, erst später wird auch das Dieselverfahren angewandt. Der