Text-Bild-Ansicht Band 339

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Die Weltgewinnung an Erdöl im Jahre 1922 läßt eine weitere recht ansehnliche Steigerung erkennen, denn sie war mit rund 852 Millionen Faß um nicht weniger als 86 Millionen Faß größer als im Jahre 1921. Die Steigerung in 1922 gegenüber 1921 beträgt demnach ungefähr 11,30 %. Diese Zunahme entfällt natürlich fast allein auf die Vereinigten Staaten, die rund 79 Millionen Faß Mehrproduktion in 1922 aufweisen. Daneben erhöhten ihre Erdölgewinnung noch Rußland (plus 5,9 Mill. Faß) und Persien (plus 4,5); in Mexiko fiel dagegen die Produktion um rund 8 Mill. Faß gegenüber 1921, Holland. Indien hatte 958000 Faß weniger, Japan mit Formosa lieferten 443000 Faß weniger. Die letzteren Rückgänge sind verhältnismäßig nicht unbedeutend in Anbetracht der Landesproduktion. Nach der amerikanischen Statistik erzeugten die einzelnen Länder folgende Mengen in 1000 Faß:


1921
in 1000 Faß
In % der
Weltge-
winnung

1922
in 1000 Faß
In % der
Weltge-
winnung
Vereinigte Staaten
Mexiko
Rußland
Persien
Hohändisch-Indien
Rumänien
Britisch-Indien
Peru
Polen
Borneo-Sarawak
Argentinien
Trinidad
Venezuela
Japan mit Formosa
Aegypten
Frankreich
Columbien
Deutschland
Kanada
Italien
Algerien
Andere Länder
472183
193398
29150
16673
16598
8368
8000
3699
5167
1411
1747
2354
1433
2447
1255
392

200
190
34
3
3
61,72
25,28
3,81
2,18
2,22
1,09
1,05
0,48
0,68
0,18
0,23
0,31
0,19
0,32
0,16
0,05

0,03
0,02


551197
185057
35091
21154
16000
9817
7980
5332
5110
2915
2674
2445
2335
2004
1188
494
323
200
179
31
9
5
64,73
21,73
4,12
2,48
1,88
1,15
0,94
0,63
0,60
0,34
0,31
0,29
0,27
0,24
0,14
0,06
0,04
0,02
0,02


Gesamtmenge
in 1000 Faß

765065
100,00

851540
100,00

Si.

Ueber Versuche mit Preßgasbeheizung von Siemens – Martin – Oefen berichtet G. Donner. Ausgehend von den Verbrennungsvorgängen im Bunsenbrenner und in den Preßgasbrennern der Beleuchtungstechnik kommt Verfasser zu dem Ergebnis, daß der Grad der Vollkommenheit der Verbrennung im Schmelzofen kein sehr großer ist. Dies erklärt sich daraus, daß das aus dem Brennerkopf austretende massige Gas von dem Heißluftstrom erst etwa im Zweiten Viertel des Herdraumes durchschnitten wird, um dann hauptsächlich durch Oberflächenberührung erst auf der abziehenden Seite des Herdes zu verbrennen. Um für die Beheizung des Martinofens ähnliche Verhältnisse zu schaffen, wie sie beim Preßgasbrenner im Kleinbetriebe vorliegen, ist es nötig, auf die Vorwärmung des Generatorgases zu verzichtet und es zu reinigen, um es auf etwa 2000 mm WS pressen zu können. Verfasser hat für Generatorgas und Koksofengas von verschiedener Zusammensetzung, ferner für Wassergas, Methan und ein Mischgas aus gleichen Teilen Wassergas und Generatorgas die theoretischen Verbrennungstemperaturen berechnet; diese Zusammenstellung zeigt, daß Gase mit hohen Heizwerten durchaus nicht die höchsten Verbrennungstemperaturen ergeben, daß diese vielmehr ganz von der Zusammensetzung der Gasgemische und ihrem Luftbedarf abhängen. Er zeigt ferner, daß man mit kaltem Generatorgas von 1330 WE und mit auf 1100 Grad vorgewärmter Luft bei 30 v. H. Luftüberschuß eine theoretische Verbrennungstemperatur von 1950 Grad erreichen kann und auch praktisch nahezu erreicht, wenn man das Gas auf 2000 mm WS preßt. Versuche mit dieser Arbeitsweise wurden an einem 3-t-Ofen auf den Rheinischen Stahlwerken in Duisburg ausgeführt, wobei die Luftkammern des Ofens entsprechend abgeändert wurden und der Gasstrom, um eine restlose Mischung von Gas und heißer Luft zu erzielen, beim Eintritt in den Herdraum in einzelne Strahlen zerlegt wird, zwischen die die aus den Luft-Kammern aufsteigende Heißluft durch Injektorwirkung hineingerissen wird, Der ausschwenkbare Brenner war aus Eisenblech geschweißt und mit Wasser gekühlt. Durch die Pressung des Gases werden Gas- und Luftköpfe entbehrlich, was ein wesentlicher Vorteil ist. Es gelang mit dieser Anordnung, bis auf 100 Grad an die theoretische Verbrennungstemperatur heranzukommen, während man im normalen Siemens-Martin-Ofen 500–600 Grad unter diesem Wert bleibt. Die Versuche ergaben ferner, daß beim Arbeiten mit Generatorgas von hohem Wasserstoffgehalt die Schmelzungen wesentlich besser vor sich gingen und der Roheisenverbrauch niedriger war als beim Arbeiten mit wasserstoffärmerem Generatorgas. Besonders günstige Ergebnisse wurden mit einem aus gleichen Teilen Wassergas und Generatorgas bestehenden Mischgas erzielt, dessen Heizwert 1800–2000 WE betrug und dessen theoretische Flammentemperatur bei 2200 Grad lag. Die Schmelzdauer für 3 t Einsatz ging hierbei auf 2 st. zurück und der Gasverbrauch betrug nur 500 cbm/st, entsprechend 220 kg Brennstoff für die t Schmelzgut, wenn man mit einer 3,5fachen Vergasung im Gaserzeuger und mit 0,6 kg Koks auf 1 cbm Wassergas rechnet Da ein Martinofen der genannten Größe sonst einen Brennstoffverbrauch von 40–50 v. H. und mehr aufweist, ergibt sich also eine Brennstoffersparnis von etwa 50 v. H. Die Zusammensetzung der erschmolzenen Erzeugnisse war recht gut, desgleichen die Abgastemperaturen und die Abgasanalysen; auch die Schlacke war sehr dünnflüssig und reaktionsfähig.

Dort, wo Koksofengas zur Verfügung steht, empfiehlt Verfasser die Verwendung eines Mischgases aus Koksofengas, Wassergas und Generatorgas, das eine theoretische Verbrennungstemperatur von 2200 Grad hat. Wo keine Kokerei vorhanden ist, verwendet man ein Gemisch aus Generatorgas und Wassergas allein, das im Skrubber von Staub befreit und hierauf dem Verdichter zugeführt wird. Das Generatorgas kann auch aus roher Stein- oder Braunkohle gewonnen werden, wobei jedoch der Teer abgeschieden werden muß, der unter Umständen noch einen Gewinn darstellt. Die Versuche sollen an einem 20-t-Ofen fortgeführt werden. (Stahl und Eisen 1923, S. 558–563.)

Sander.

Bücherschau.

Atom- und Quantentheorie. Von Professor Dr. Paul Kirchberger. Mathematisch-physikalische Bibliothek, Band 44 und 45. Leipzig 1922/23, B. G. Teubner. 49 bzw. 52 Seiten. Preis je 0,70 Mark.

An populären Darstellungen des behandelten Themas fehlt es nicht. Die vorliegenden Bändchen gehen aber insofern einen eigenen Weg, als in ihnen der historische Grundgedanke leitend ist, die neueren