Text-Bild-Ansicht Band 331

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Die Kristalle sind aber so weich, daß sie das Lagermetall keineswegs angreifen, außerdem lösen sie sich bei Erwärmung und Umrühren des Oeles wieder auf. Wenn daher diese Kristallbildung die Schmierfähigkeit der Teeröle auch in keiner Weise beeinträchtigt, so kann sie doch bei Tropfölern und dergleichen zu Verstopfungen und anderen Störungen führen. Da aber durch Lagerung des Oeles in einer Temperatur von mindestens 10 bis 15° die Kristallausscheidung vermieden wird, so kommt die eben genannte Gefahr praktisch kaum in Betracht. Zu beachten ist, daß man Teeröl nicht zu alten Resten von Mineralölen gießen darf, und daß Schmierdochte, die mit Mineralölen benutzt worden sind, nicht mit Teeröl benutzt werden dürfen, sondern zu erneuern sind.

Iklé.

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Unser Mitarbeiter, der Physiker Dr. A. Koepsel, der in diesen Tagen seinen sechzigsten Geburtstag begangen hat, gehört zu den erfolgreichsten Vertretern der technischen Physik. Koepsel, ein geborener Berliner, Schüler von Hermann von Helmholtz, langjähriger Leiter des Privatlaboratoriums von Werner v. Siemens, hat sich namentlich auf dem Gebiete der Elektrizität hervorgetan. Wir verdanken ihm einen Apparat zur Bestimmung der magnetischen Eigenschaften von Eisen und Stahl, der beim Bau von Transformatoren und Dynamos viel benutzt wird. Auf der bekannten Frankfurter Ausstellung für Elektrotechnik sah man den ersten Umformer für 20000 Volt und das erste Kabel für die gleiche Spannung. Beide waren von Koepsel gebaut worden. Für die Wellentelegraphie hat er den Stahlkohledetektor erfunden, um die Netzschwingungen abzuhören. – Auch glückte ihm die erste drahtlose Verbindung zwischen Cuxhaven und Feuerschiff „Elbe I“ und dann eine zwischen Cuxhaven und Helgoland. Dr. Koepsels Drehkondensator, der dazu dient, den Schwingungskreis kontinuierlich abzustimmen, sowie sein Wellenmesser mit geschlossenem Schwingungskreis, den zuerst die Oesterreichische Marine in Pola anwandte, haben in der Fachwelt verdiente Anerkennung gefunden. Eine der ersten Drehstromanlagen für Hochspannung hat Koepsel in der Schweiz gebaut, zusammen mit dem jetzigen Leiter der Berliner Elektrizitätswerke. Auch die meisten Laien machen, ohne daß sie es sonderlich merken, mit einer Koepselschen Erfindung oft Bekanntschaft. Es sind die Fernthermometer, die wir zum Beispiel bei den Anlagen in dem Zoologischen Garten, im Deutschen Opernhaus, in zahlreichen Charlottenburger Schulen und Krankenhäusern finden. Hierbei ist zum ersten Male die Messung durch Widerstandsänderungen der Metalle in großem Maßstabe in die Praxis eingeführt. Ueber seine meisten Erfindungen hat der verdienstvolle Physiker außer in unserem Journale in den Annalen der Physik und in den Verhandlungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft berichtet.

Rechts-Schau.

Wann hat der Maschinenbesteller ein Rücktrittsrecht? Gewisse Rücktrittsrechte sieht das Gesetz in besonderen Fällen vor, die aber als Ausnahmefälle hier nicht behandelt werden sollen, so zum Beispiel der Rücktritt wegen falscher Zusicherung von Eigenschaften, wegen Leistungsverzuges, und die dem Rücktritt gleichstehenden Rechte auf Anfechtung wegen Irrtums, Täuschung usw. Hier soll nur die Frage geprüft werden, wann der Maschinenlieferant im Normalfalle einen Rücktritt des Bestellers annehmen muß und wann nicht.

Der Maschinenlieferungsvertrag kommt in drei Formen vor, als Kaufvertrag, als Werkvertrag und als sogenannter Werklieferungsvertrag.

Der Käufer hat überhaupt kein Rücktrittsrecht, von gewissen Fällen der Vertragsverletzung usw. abgesehen. Der Werkbesteller dagegen hat grundsätzlich das Recht zum Rücktritt, und zwar gemäß § 649 BGB. Der Besteller kann bis zur Vollendung des Werkes jederzeit den Vertrag kündigen. Kündigt der Besteller, so ist der Unternehmer berechtigt, die vereinbarte Vergütung zu verlangen; er muß sich jedoch das anrechnen lassen, was er infolge der Aufhebung des Vertrages an Aufwendungen erspart.

Wenngleich der Unternehmer demnach entschädigt wird, hat er oft ein größeres Interesse daran, einen Auftrag zu Ende zu führen, und sich auf eine Kündigung (Rücktritt) nicht einzulassen, sei es, weil es zum Ruhm seiner Firma beiträgt, sei es, weil die Abrechnung der ersparten Aufwendungen zu Differenzen führen könne, denen er aus dem Wege gehen, oder weil er nicht Einblick in seine Kalkulationen geben will. Die Frage ist also trotz der Entschädigungspflicht von großer praktischer Bedeutung.

Das Merkmal des Kaufes ist die Pflicht zur Uebereignung einer Sache; das des Werkvertrages die Pflicht zur Herstellung oder Veränderung einer Sache oder eines anderen durch Arbeit oder Dienstleistung herbeizuführenden Erfolges. (Der gewöhnliche Fall der Herstellung durch den Unternehmer wird unten behandelt werden.) Werkvertrag ist also insbesondere die Uebernahme einer Umänderung, Ergänzung oder Ausbesserung einer schon bestehenden Maschine.

Die größten Schwierigkeiten ergeben sich aber durch jene eigenartigen in der Mitte liegender Verträge der Werklieferung, das ist die Herstellung eines Werkes aus einem vom Unternehmer zu beschaffenden Stoff. Diese Verträge werden nach § 651 BGB im wesentlichen zwar dem Kauf gleichgestellt, aber wenn es sich um eine nicht vertretbare Sache handelt, so gelten doch wieder die wichtigsten Bestimmungen des Werkvertrages, und gerade