Text-Bild-Ansicht Band 334

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zwang im Kriege alle diese Einzelbestrebungen zusammenzufassen, um dem wachsenden äußeren Druck durch Ausnutzung aller heimatlichen industriellen Hilfskräfte begegnen zu können. Vorbedingung hierfür war eine einheitliche Grundlage zur Vereinfachung und Vereinheitlichung in Bau und Herstellung von Heeresgerät.

Das Fabrikationsbüro Spandau brachte diese Bestrebungen zusammen mit dem Verein deutscher Ingenieure zum ersten Male zur Betätigung. Damit war für die deutsche Industrie ein Schritt von großer Wichtigkeit getan.

Im Mai 1917 wurde der Normalienausschuß für den deutschen Maschinenbau gegründet, in dem sich die maßgebenden technischen Behörden (Heeresverwaltung, Reichsmarineamt, Eisenbahnzentralamt, Reichspostamt, Physikalisch-Technische Reichsanstalt), technische Verbände und führende Firmen des allgemeinen Maschinenbaues, Feinmechanik, Elektrotechnik usw. zusammenfanden. Beim Vorbereiten der von dieser Körperschaft unternommenen Arbeiten zeigte es sich aber bald, daß es im Sinne der gestellten Aufgabe und im Interesse der deutschen Industrie lag, wenn man den Normalienausschuß für den deutschen Maschinenbau zu einer Einrichtung für die gesamte Industrie ausbaute. Die Umsetzung dieses Gedankens in die Tat führte im Dezember 1917 zur Gründung des Normenausschusses der deutschen Industrie. Die Träger des Normenausschusses sind die technischen Behörden und führenden technischen Vereine. Ihre Vertreter bilden den Hauptausschuß. In diesem sind sämtliche Interessentengruppen vertreten, so daß alle Bedürfnisse der erzeugenden und verbrauchenden Industrie Berücksichtigung finden können.

Die fachliche Einzelarbeit zur Aufstellung der Normenentwürfe wird in den Arbeitsausschüssen geleistet. Zu dieser Arbeit werden die beteiligten Kreise, Erzeuger,' Verbraucher und die Wissenschaft herangezogen. Die in den Arbeitsausschüssen aufgestellten Entwürfe werden sodann der öffentlichen Kritik unterbreitet. Einwände werden nochmals in den Arbeitsausschüssen eingehend geprüft. Dann werden die Entwürfe noch dem Beirat vorgelegt, einem Kreise hervorragender Fachleute. Erst wenn der Entwurf die Zustimmung des Beirates gefunden hat, gilt er als angenommen und wird nun der Industrie zur praktischen Verwertung übergeben.

Es ist anzunehmen, daß auf dieser Grundlage aufgestellte Normen, deren Zusammensetzung und Einzelheiten von allen interessierenden Kreisen eingehend beraten sind, der öffentlichen Kritik unterlegen haben und nach nochmaliger Prüfung und Berücksichtigung aller etwa erhobenen Einwände als gut befunden worden, der deutschen Industrie die Dienste leisten werden, die man erwarten darf und muß, wenn man den von England und Amerika erreichten Vorsprung wieder einholen will.

Der Normenausschuß unterscheidet zwischen den sogenannten Stamm-Normen und den Sonder-Normen. Die ersteren umfassen die Maschinenteile, die für alle oder für einen großen Teil der Sondergebiete der Industrie gleichzeitig gültig sind. Die Sonder-Normen gelten nur für bestimmte Sondergebiete. Der Normenausschuß stellt in den eigenen Arbeitsausschüssen nur die Stamm-Normen auf. Die Sonder-Normen werden von den zuständigen Fachverbänden entworfen und aufgestellt. Es ist aber dafür Sorge getragen, daß alle Normen in ein einheitliches Gewand gekleidet werden, so daß sie sich selbsttätig in ein groß angelegtes Sammelwerk einfügen. Das vom Normenausschuß vorgesteckte Ziel ist folgendes: Denkt man sich das Sammelwerk bereits fertiggestellt, so würde zum Beispiel eine Maschinenfabrik, die Textilmaschinen baut, dem Werke erstens die Stamm-Normen für den allgemeinen Maschinenbau und zweitens die Sonder-Normen für Textilmaschinen entnehmen können. Hier werden der Industrie neue Wege gewiesen. Die Festlegung der Sonder-Normen, d.h. Normen für die Sonderteile bestimmter Maschinen, zum Beispiel Papiermaschinen, Hebezeuge, Dampfkessel, Automobile usw. ermöglichen, diese „normalen“ Teile massenweise in Spezialfabriken sehr billig herzustellen. Die weiter verarbeitende Fabrik hat nicht mehr nötig, große Lager zu halten und auf die Unterhaltung dieser Lager Unkosten aufzuwenden, sondern hat die Möglichkeit, die Teile jederzeit in genügender Menge beziehen zu können.

Beneke.

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Der Betrieb mechanischer Feuerungsanlagen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann drei Arten von mechanischen Feuerungen unterscheiden, und zwar selbstbeschickende Roste, Unterschub-Feuerungen und Wurfbeschicker. Bei ersteren wird durch die Bewegung der Roststäbe eine Beförderung des Brennstoffes bewirkt. Nach Art dieser Beförderung spricht man von selbstbeschickenden Treppenrosten und Wanderrosten. Die letztgenannten werden angeheizt, indem man zunächst den Wasserzufluß zur gekühlten Feuerbrücke öffnet, sofern eine solche vorhanden ist. Dann wird der Brennstoffschieber gehoben, die vordere Trichterwand entfernt, der Rost bis zu drei Vierteln mit einer 12 cm hohen Kohlenschicht bedeckt und auf diese Holz und ölhaltiger Abfall gelegt. Danach entzündet man das Feuer von außen, gibt allmählich durch den inzwischen in Stellung gebrachten Beschickungstrichter weitere Kohle auf und schaltet endlich die Rostbewegung mit niedrigster Geschwindigkeit ein, während der Rauchschieber halb geöffnet ist. Hierauf kann der Uebergang zum gewöhnlichen Betriebe erfolgen. Ausgebrannte Steine des Brennstoffschiebers sind rechtzeitig zu ersetzen. Etwa alle sechs Stunden gibt man einen Schabebalken zwischen die Brennstoffschicht auf, um Schlacken von den Seitenwänden des Feuerraumes abzustoßen. Wird backender Brennstoff verfeuert, so empfiehlt es sich, gleitende Schlackenmesser über die Rostbahn zu führen.

Bei bewegten Treppenrosten wird die Kohle in einen Schütttrichter aufgegeben und rutscht infolge des Eigengewichtes und der Hin- und Herbewegung der einzelnen Roststäbe allmählich hinab. Um die Verschlackung zu verhindern, ist häufigeres Schüren und Abschlacken erforderlich. Die Verfahren zur Reinigung des Rostes sind das hauptsächliche Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen Bauarten. Zur Verbrennung der sich im oberen Teile der Feuerung sammelnden Schwelgase benötigt man Zusatzluft. Beim Anheizen belegt man den Schrägrost mit Kohle sowie etwas Holz und öffnet bei dessen Entzündung den Rauchschieber zunächst halb und allmählich weiter, bis das Feuergewölbe heiß genug ist. Anstatt den Treppenrost in die Längsachse des Kessels zu stellen, kann man auch zwei sich gegenüberliegende Roste quer dazu einbauen. In diesem Falle werden die Rückstände von einer Brechvorrichtung aufgenommen, die sich an der tiefsten Stelle der Feuerung in der Mitte befindet. Durch Abdampf der Maschine, den man durch gelochte Rohre zuführt, lockert man die Schlacke vor dem Brechen.

Bei Unterschubfeuerungen wird die in den Beschickungstrichter aufgegebene Kohle durch Stoßkolben in einen Trog und über dessen Ränder auf die seitlich gelegenen Roste geschoben. Beim Anheizen füllt man den Trog mit Kohle, legt Holz darauf, entzündet es, läßt das Gebläse für den meist vorhandenen Unterwind langsam anlaufen und stellt den Handbetrieb ein, wenn ausreichend Dampf für die Bewegung des Stoßkolbens vorhanden ist. Der Trog braucht nicht gereinigt zu werden,